
LONDON. Die britische Großbank Lloyds Banking Group kämpft mit allen Mitteln gegen eine weitere Verstaatlichung. Nach Informationen aus Finanzkreisen lotet das schwer angeschlagene Institut derzeit aus, ob die Investoren bereit sind, eine Kapitalerhöhung im Wert von 15 Mrd. Pfund mitzutragen. Insgesamt würde Lloyds 25 Mrd. Pfund an frischen Mitteln benötigen, um zu verhindern, dass der britische Staat die Mehrheit übernimmt.
Zuletzt haben sich zahlreiche europäische Banken mit Kapitalerhöhungen an den Markt gewagt, um ihre Reserven nach der Finanzkrise wieder aufzufüllen. Die meisten Emissionen stießen auf reges Interesse der Investoren. Die von Lloyds ins Spiel gebrachte Kapitalerhöhung von 15 Mrd. Pfund wäre allerdings ein neuer britischer Rekord. Die bisherige Bestmarke stellte Europas größte Bank HSBC in diesem Frühjahr auf, als sie sich zwölf Mrd. Pfund bei ihren Aktionären besorgte. HSBC ist bislang aber deutlich besser durch die Krise gekommen als Lloyds. Das Institut war nach der von der Labour-Regierung eingefädelten Übernahme der schwer angeschlagenen Hypothekenbank HBOS selbst in eine Schieflage geraten und musste im ersten Halbjahr 2009 ein Minus von 3,1 Mrd. Pfund verkraften.
Analysten bezweifeln deshalb, ob es Lloyds-Chef Eric Daniels gelingen wird, seinen Plan durchzusetzen: "Strategisch macht der Vorstoß durchaus Sinn; bleibt nur die Frage, ob eine Bank, die den jüngsten Stresstest der Finanzaufsicht FSA nicht bestanden hat, ein gutes Investment ist", sagt Manoj Ladwa vom Brokerhaus ETX Capital.
Hintergrund des Vorstoßes von Lloyds: Im vergangenen März hatte die Bank sich entschieden, riskante Positionen im Wert von 260 Mrd. Pfund durch den Staat absichern zu lassen. Diese Ausfallversicherung für toxische Wertpapiere und faule Kredite hat allerdings ihren Preis. Im Gegenzug müsste Lloyds der Regierung weitere Aktien im Wert von 15,6 Mrd. Pfund übergeben. Dadurch würde der Staatsanteil auf rund 65 Prozent steigen.
Neben den Kosten, die Vorstandschef Daniels nach der jüngsten Erholung im Bankensektor für zu hoch hält, gibt es noch einen weiteren Grund für die Anstrengungen von Lloyds. Derzeit prüft die EU-Kommission wegen der Hilfen des britischen Staates Sanktionen gegen die Bank. Nach Informationen britischer Medien könnte die EU fordern, dass sich die Briten von ihrer Tochter Halifax trennen. Lloyds fürchtet, dass die Sanktionen noch härter ausfallen werden, wenn der Staatsanteil weiter steigt.
Um das zu verhindern, verhandelt Daniels bereits seit längerem über eine Veränderung der Konditionen des staatlichen Versicherungsprogramms. Am liebsten würde der Vorstandschef ganz aus dem Programm aussteigen. Deshalb lotet die Bank seit Wochen die Möglichkeit einer Kapitalerhöhung aus, die es dem Institut erlauben würde, die befürchteten Abschreibungen auf faule Kredite und toxische Wertpapiere ohne Versicherungsschutz des Staates selbst zu tragen. Die britische Finanzaufsicht unterzog Lloyds einem Stresstest, der zeigen sollte, wie viel Kapital das Institut benötigen würde, um die Krise aus eigener Kraft zu überstehen. Nach Informationen aus Finanzkreisen bezifferte die FSA den Bedarf auf insgesamt 25 Mrd. Pfund.
Nach übereinstimmendem Berichten britischer Medien will Lloyds das nötige Geld neben der Kapitalerhöhung durch einen Verkauf oder Börsengang des Versicherers und Vermögensverwalters Scottish Widow sowie die Umwandlung von hybridem Kapital in Stammaktien zusammenbringen.
Ein Lloyds-Sprecher erklärte am Donnerstag lediglich: Die Bank suche weiterhin nach Wegen, den Einfluss des Staates zu verringern.