
MAINZ. Beim eigens gedichteten Lied über die verlorenen Groschen hapert es noch mit dem Text. Die Sprechchöre "Wir wollen unser Geld zurück" und "Wir sind blank, dank unserer Bank" dagegen kommen unisono herüber - begleitet von Trillerpfeifen. Gut 100 Demonstranten sind es wohl, die sich vor dem Hotel Hyatt Regency am Mainzer Rheinufer im kalten Nieselregen versammelt haben. Sie alle haben mit Zertifikaten der insolventen Investmentbank Lehman Brothers Geld verloren - und machen nun ihrem Ärger Luft.
Denn drinnen, im Hotel, unterhalten sich wichtige Banker des Privatkundengeschäfts über dessen Zukunft. Die Töne sind durchaus selbstkritisch. Das Vertrauen von Kunden gegenüber Banken sei durch die Krise nachhaltig zerstört worden, sagt etwa Rainer Neske, der das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank leitet. "Es geht jetzt darum, dass wir um die Wiedergewinnung des Kundenvertrauens kämpfen." Franz-Josef Nick, Vorstandschef der deutschen Citibank, sagt, die Kernfrage laute: "Wo holen wir diese verunsicherten Kunden wieder ab?"
Hier in Mainz werden die Demonstranten zumindest nicht abgeholt. Sie dürfen nicht ins Hotel - und heraus kommt auch niemand. Was aber auch daran liegen mag, dass die Demotruppe mit vor allem älteren Teilnehmern zur Mittagspause am Hotel auftaucht - und viele Bankvorstände bereits wieder abgereist sind. So stehen sie hier buchstäblich im Regen.
Einer von ihnen ist Jürgen Westphal. 30 000 Euro haben der 69-jährige Rentner aus Oberursel und seine Frau Gudrun mit Lehman-Zertifikaten verloren, die sie bei der Frankfurter Sparkasse gekauft hatten. "Die hatten uns angerufen, sie hätten was ganz Tolles. Dabei wollte ich gar nichts Hochspekulatives." Jetzt ist das Geld weg. Eine Demo in Frankfurt haben sie schon hinter sich, zur zweiten in Mainz haben sie Kaffee in einer Thermoskanne mitgebracht. "Wenn man zuhause auf dem Sofa sitzt, passiert nichts", sagt Gudrun Westphal. Auch Dresdner Bank und Citibank werden auf den Plakaten der Demonstranten angegriffen.
Für die Bankvorstände - und das wissen die Demonstranten - ist das Thema höchst unerfreulich. "Wir haben jede Beschwerde einzeln in die Hand genommen", versichert Citibank-Chef Nick - hinter den vorsorglich zugezogenen meterhohen Vorhängen mit braunen und goldenen Rauten - und will es eigentlich dabei belassen. "Wir müssen uns ändern", sagt er stattdessen fast pastoral in den langen Raum. Künftig sollten die Kunden Lebenspartner sein - mit wechselnden Produkten für jedes Alter - einfacher und transparenter als bisher.