
FRANKFURT. Die Analysten verweisen auf verschiedene Empfehlungen des Baseler Ausschusses für Bankenregulierung von Ende vergangener Woche und Initiativen der US-Aufseher, die zu einem massiven Rückgang der Gewinne aus dem Investment-Banking führen dürften. Unter anderem geht es dabei um mehr Transparenz und Aufsicht für den Handel mit Derivaten. Die Analysten von JP Morgan aktualisierten ihre Einschätzung, dass die Gewinne der Deutschen Bank aus dem Investment-Banking deshalb 2011 um 15 Prozent niedriger ausfallen könnten. Das eingesetzte Kapital verzinse sich dann nur noch mit sieben statt zehn Prozent.
Damit wird auch das Investment-Banking, das die Bank in diesem Jahr wieder in die Gewinnzone zurückgeführt hat, zu einer Baustelle im Konzern. Vorstandschef Josef Ackermann hatte zuletzt von Fortschritten beim Abbau von Risiken berichtet und zugleich den Gewinn von Marktanteilen in bestimmten Bereichen des Investment-Bankings verkündet. Ackermann verwies dabei vor allem auf das Anleihen- und Devisengeschäft, weniger bekannt ist dagegen das Vorrücken der Deutschen Bank im Geschäft mit den Hedge-Fonds. Im "Prime Brokerage Business", das verschiedene Dienstleistungen für Hedge-Fonds umfasst. konnte die Deutsche Bank laut dem Branchendienst "Global Custodian" im Zuge der Krise 80 neue Mandate gewinnen und ihre Marktposition verbessern. In dieses Bild passt auch das Interesse am Verwahrgeschäft für Hedge-Fonds der Fortis Prime Fund Solutions (FPFS). Die Gesellschaft verwaltet 200 Mrd. Dollar - ein Vielfaches des von der Deutschen Bank betreuten Vermögens. Noch ist aber unsicher, ob die Deutsche Bank hier zum Zuge kommt, weil es nach Branchenangaben mehrere Interessenten für die Sparte geben soll.
Die zweite große Baustelle bleibt das Privatkundengeschäft und die Vermögensverwaltung. Hier muss die Profitabilität gesteigert werden, außerdem müssen mittelfristig die Postbank und das Bankhaus Sal. Oppenheim integriert werden.
Eine Schlüsselrolle im Asset-Management - auch unter Ertragsgesichtspunkten - hat die deutsche Publikumsfondsmarke DWS mit europaweit rund 100 Mrd. Euro verwaltetem Vermögen. Der Bereich hat eigene Probleme und in eineinhalb Jahren 800 Mio. Euro an Verlusten aufgetürmt. Daran hat die katastrophale Finanzmarktentwicklung sicherlich ihren Anteil. Dennoch gilt Kevin Parker als Leiter des Asset-Managements intern als umstritten, weil er gemessen an seinen Initiativen wenig erreicht habe. Seine Kritiker werfen dem vom Wertpapierhandel und Investment-Banking geprägten Parker Fehlinvestitionen auf dem US-Immobilienmarkt und in Asien vor, außerdem unkluge Personalentscheidungen.
Auch die hierzulande renommierte Fondsmarke DWS hat an Strahlkraft etwas eingebüßt. Der Wettbewerb mit inländischen Konkurrenten wie insbesondere mit der Sparkassengruppe ist härter geworden, ebenso der Konkurrenzkampf mit den Indexprodukten - auch jenen der Mutterbank. Im vergangenen Jahr hatte das Haus unter Problemen bei seinen Geldmarktfonds zu leiden. Die Bank musste Geld zuschießen. Im "Kulturkampf" zwischen dem in New York residierenden Parker und dem stärker auf Unabhängigkeit bedachten DWS-Europa-Chef Stephan Kunze setzte sich letztlich Parker durch. Es gibt nun einen weltweiten DWS-Leiter - der kommt aus der Bank und heißt Ingo Gefeke. Über weitere Personalentscheidungen wird spekuliert.