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Bankvehikel: Das ominöse Omega

In Hamburg beginnt der Prozess gegen die ehemaligen Vorstände der HSH Nordbank. Im Zentrum des Verfahrens steht die Zweckgesellschaft mit dem Codenamen „Omega 55“. Was sich dahinter verbirgt.

Spiegelung oder Original? Im Finanzdistrikt in Dublin war die zwielichtige Zweckgesellschaft beheimatet, die der HSH Nordbank Abschreibungen in Millionenhöhe einbrachte. Quelle: Reuters
Spiegelung oder Original? Im Finanzdistrikt in Dublin war die zwielichtige Zweckgesellschaft beheimatet, die der HSH Nordbank Abschreibungen in Millionenhöhe einbrachte. Quelle: Reuters

HamburgGegenstand des Prozesses gegen den früheren Vorstand der HSH Nordbank ist ein komplexes Geschäft aus dem Dezember 2007, das unter dem Namen „Omega 55“ bekannt ist. So hieß eine Zweckgesellschaft der französischen Bank BNP Paribas, die in Dublin für hochriskante Wertpapiergeschäfte außerhalb der Bilanzen mit der HSH Nordbank gegründet wurde.

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Nach den bislang bekannten Informationen bestand das Geschäft aus zwei Teilen. Zum einen übertrug die HSH Nordbank Immobilienkredite in Höhe von rund zwei Milliarden Euro an die französische Bank BNP Paribas und zahlte dafür eine Art Versicherungsprämie. Für diese Kredite hätte die Bank 160 Millionen Euro Eigenkapital vorhalten müssen. Diese Pflicht entfiel nun. Die Bilanz der Bank war ein Stück entlastet. Damals war noch ein Börsengang des Instituts geplant.

Die Immobilienkredite landeten in der Gesellschaft „Omega Capital Funding 55“ in Dublin. Im Gegenzug investierte die HSH Nordbank in strukturierte Wertpapiere und übernahm damit Risiken in Höhe von 400 Millionen Euro von BNP Paribas. Zu dem Portfolio gehörten auch isländische Staatsanleihen oder Zertifikate der US-Bank Lehman Brothers, die neun Monate später in die Insolvenz gehen sollte. Das konnte damals allerdings noch niemand wissen. Das war der zweite Teil des Geschäfts. Ein Teil der ursprünglichen Risiken und noch mehr war so wieder bei der HSH Nordbank gelandet.

Prozessauftakt HSH Nordbank Omega 55 verfolgt Dr. No

Der Untreue-Prozess gegen den ehemaligen HSH-Chef Nonnenmacher und weitere Vorstände hat begonnen. Schon der erste Tag zeigt: Das Verfahren birgt viele Unwägbarkeiten. Selbst der Richter sieht sich Neuland betreten.

Ein Jahr später, als die Finanzkrise ihren Höhepunkt erreichte, musste die Bank auf „Omega 55“ einen Betrag von 334 Millionen Euro abschreiben. Das Engagement wurde im Januar 2010 endgültig aufgelöst. Als Verlust blieb am Ende ein dreistelliger Millionenbetrag übrig. Die Staatsanwaltschaft beziffert den Schaden auf 158 Millionen Euro. Deshalb stehen die sechs Ex-Vorstände vor Gericht. Sie haben das Geschäft abgezeichnet. Die mehr als 600 Seiten lange Anklageschrift wirft ihnen vor, sie hätten anhand der ihnen vorgelegten Kreditvorlage gar nicht die Chancen und Risiken des Geschäfts abschätzen können. Also hätten sie es nicht genehmigen dürfen. Die Anklage lautet auf Untreue in einem besonders schweren Fall.

Zwei der sechs Angeklagten müssen sich zudem wegen falscher Darstellung verantworten, das ist der juristische Begriff für Bilanzfälschung. Sie seien dafür verantwortlich, dass die HSH Nordbank in ihrem Zwischenbericht zum 1. Quartal 2008 einen Überschuss von 81 Millionen Euro ausgewiesen habe, während tatsächlich ein Verlust von 31 Millionen Euro angefallen sei. Die Bilanz wurde später korrigiert und wies einen Verlust von 77 Millionen Euro aus. Der Vorwurf lautet, die beiden Angeklagten hätten die Bilanz vorsätzlich falsch erstellt.

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