
FRANKFURT. Die Nachricht von Hackerangriffen auf die Nasdaq schreckt die Finanzwelt auf. Diesmal hat es eine US-Börse erwischt. Beim nächsten Mal könnten es die Hacker auf andere Börsen und Banken abgesehen haben. Sicherheitsexperten sind alarmiert. "Wir nehmen diese Bedrohung ernst", sagt Sönke Björn Vetsch, IT-Vorstand der Börse Stuttgart. In der Fachwelt werde über vergleichbare Angriffe offen diskutiert. "Es handelt sich nicht um realitätsferne Horrorszenarien", sagt Vetsch. Auch bei der großen Konkurrenz in Frankfurt macht man sich Gedanken über die Sicherheit: "Hackerangriffe gehören zu den typischen Bedrohungen aus dem Internet", sagt Frank Herkenhoff von der Deutschen Börse.
Wer es auf die Nasdaq abgesehen hatte und woher die Angriffe kamen, ist noch nicht geklärt. Bekannt ist nur: Auf Rechnern der Nasdaq wurden "verdächtige Dateien" gefunden, die auf einen Angriff durch Hacker schließen lassen. Der Vorfall liegt offenbar schon einige Monate zurück. Der US-Konzern hatte dies jedoch erst am Wochenende mitgeteilt. Informationen über Kunden seien nicht nach außen gedrungen. Auch die Handelsplattformen seien nach Angaben der Nasdaq nicht in Gefahr gewesen. Dennoch nehmen Fachleute den Angriff ernst. Es sei ein "Weckruf", sagt Sang Lee von der Unternehmensberatung Aite Group. Die Börsen und Finanzdienstleister müssten Sicherheitsstandards überdenken. "Die Finanzbranche ist in allen Geschäftsbereichen auf Informationstechnologie angewiesen. Deshalb muss sie sich noch mehr als andere Gedanken über die Sicherheit machen", sagt Lutz Neugebauer, Experte für IT-Sicherheit beim Branchenverband Bitkom.
In den USA ermitteln jetzt FBI und der Geheimdienst Secret Service. Sie interessiert die Frage nach den Motiven der Eindringlinge: Am wahrscheinlichsten erscheint derzeit, dass die Hacker Informationen stehlen wollten. Die Hacker waren in eine Internetplattform namens "Directors Desk" eingedrungen. Über diese Plattform können die Chefs börsennotierter Unternehmen wichtige Dokumente austauschen, etwa Geschäftszahlen oder Übernahmepläne. Entsprechendes Insiderwissen kann an der Börse Milliarden wert sein.