Banken

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Bericht: Detroit-Pleite belastet Commerzbank massiv

Die Commerzbank macht weiter Negativschlagzeilen: Sie hat der US-Pleitestadt Detroit Geld geliehen – offenbar rund 400 Millionen Dollar. Einen Teil der Summe hat das Kreditinstitut aber bereits abgeschrieben.

Verlassene Fabrik in Detroit: Die Commerzbank hat der insolventen Autostadt Geld geliehen. Quelle: ap
Verlassene Fabrik in Detroit: Die Commerzbank hat der insolventen Autostadt Geld geliehen. Quelle: ap

FrankfurtDie Pleite der amerikanischen Autometropole Detroit trifft auch die Commerzbank. „Wir sind über Tochtergesellschaften in Detroit engagiert und haben darauf Wertberichtigungen vorgenommen, die aus heutiger Sicht angemessen sind“, räumte ein Sprecher der Bank am Mittwoch ein. Er ließ aber offen, wann die Abschreibungen verbucht worden sind. Die Commerzbank berichtet am 8. August über das zweite Quartal. Finanzkreisen zufolge geht es um Kredite über rund 400 Millionen Dollar (rund 310 Millionen Euro), die vor allem von der ehemaligen Staatsfinanzierungstochter Eurohypo (heute Hypothekenbank Frankfurt) an die US-Autostadt geflossen sind.

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Einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zufolge hat die Bank einen Teil davon schon in früheren Jahren abgeschrieben. Der Rest werde aber das Ergebnis im zweiten Quartal belasten, hieß es in dem Bericht, in dem keine Quellen genannt werden.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

  • August 2008

    Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

  • September 2008

    Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

  • November 2008

    Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

  • Dezember 2008

    Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

  • Januar 2009

    Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

  • April 2011

    Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

  • Oktober 2011

    Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

  • Juni 2012

    Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

  • März 2013

    Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

  • Mai 2013

    Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Die „Bad Bank“ der Hypo Real Estate, FMS Wertmanagement, hält Anleihen der Stadt Detroit über 200 Millionen Dollar, die zum Teil ebenfalls bereits wertberichtigt sind. Die verstaatlichte belgische Dexia hatte Detroit 305 Millionen Dollar geliehen, muss aber im zweiten Quartal nur noch 59 Millionen Euro davon abschreiben.

Die unter dem Niedergang der US-Autoindustrie leidende Stadt Detroit hatte vergangene Woche Gläubigerschutz angemeldet. Mit einer Schuldenlast von 18,5 Milliarden Dollar ist es die größte Pleite einer US-Kommune überhaupt.

  • 24.07.2013, 21:47 Uhrvorhanden

    Ist schon komisch. Immer da wo selbst jeder letzte Depp sieht, dass man sein Geld nicht zurück bekommt ist die Commerzbank ganz groß mit drin. Sei es in Griechenland Anleihen oder wie hier jetzt wieder in Detroid.

  • 24.07.2013, 22:02 UhrRechner

    Handelsblatt berichtet
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    Die Commerzbank macht weiter Negativschlagzeilen: Sie hat der US-Pleitestadt Detroit Geld geliehen – offenbar rund 400 Millionen Dollar.
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    Gibt es irgendein Stück Scheiße auf dieser Welt in das Blessing nicht mit beiden Händen 'reingefaßt hat?

    Es ist unfaßbar daß dieser Katastrophenbanker noch immer in Amt und Würden ist, nachdem er die Aktionäre bereits um über 95% ihres Kapitals gebracht hat.

  • 24.07.2013, 22:04 UhrG_Hornochse

    dieses Spiel beginnt nun und endet mit diversen Staatspleiten. Viele Menschen werden ihre Ersparnisse verlieren (LV, Riester usw. - also der ganze Papiermist). Ich kann es nicht verstehen, dass die Menschen nicht reagieren. Es ist doch offensichtlich, was im Moment passiert.

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