
BERLIN. Die Branche für privates Beteiligungskapital (Private Equity) wittert wieder Morgenluft. Deutsche und ausländische Beteiligungsgesellschaften investierten im dritten Quartal 837 Mio. Euro in deutsche Unternehmen. Das waren mehr als im ersten und zweiten Quartal zusammen, als addiert 619 Mio. Euro investiert wurden. Wie stark der Markt gelitten hat, beweist aber ein Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In den ersten neun Monaten 2008 lag das Investitionsvolumen bei über acht Mrd. Euro, aktuell liegt es bei 1,5 Mrd. Euro.
Im dritten Quartal 2009 konnten wieder größere Transaktionen im Buy-out-Bereich (Übernahmen) abgeschlossen werden, meldet der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). Durch bereits angekündigte Buy-outs sollte das Investitionsvolumen im weiteren Quartal nochmals ansteigen. Für den BVK sind das Anzeichen, dass der deutsche Private-Equity-Markt "die Talsohle durchschritten" hat. Ob die Markterholung nachhaltig sei, werde sich erst Anfang kommenden Jahres zeigen. Teilsegmente wie der Venture-Capital-Bereich zeigen noch keine Erholungstendenzen. So blieben hier die Investitionen im dritten Quartal in Höhe von 130 Mio. Euro jeweils hinter den Ergebnissen der ersten beiden Quartale zurück.
Die neue schwarz-gelbe Regierung hat bereits angekündigt, die Rahmenbedingungen für Beteiligungskapital zu verbessern. Der deutsche Standort gilt für Fondsgesellschaften als nicht wettbewerbsfähig. Zudem will die Regierung einen zweiten High-Tech-Gründerfonds auflegen, an dem sich große Unternehmen auch wieder beteiligen sollen. Institutionelle Investoren sollen zudem einen Anreiz erhalten, risikoreiche Venture-Capital-Fonds aufzulegen. So denkt die Regierung über eine Garantie von Fondseinlagen nach.
Europaweit wird mit einer Stimme gesprochen
Auf europäischer Ebene hat die Kapitalbeteiligungsbranche gestern die Weichen neu gestellt. So hat sich die European Private Equity & Venture Capital Association (EVCA) eine neue Struktur verpasst mit dem Ziel, künftig mit einer Stimme zu sprechen. "Die Änderungen werden sicherstellen, dass nationale und internationale Interessen, die die ganze Branche betreffen, innerhalb Europas effektiv und legitim verbunden werden", sagt BVK-Geschäftsführerin Dörte Höppner. Institutionelle Investoren erhalten innerhalb der EVCA eine eigene Plattform.