
FRANKFURT. Die Commerzbank nutzt das ohnehin verkorkste vergangene Jahr, um sich so weit wie möglich künftiger Risiken zu entledigen. Wie die Bank am Montag zwei Tage vor der Bilanz-Pressekonferenz ankündigte, schlägt deshalb allein im Schlussquartal ein operativer Verlust von 1,6 Mrd. Euro zu Buche. „Da hat man alles abgeschrieben, was nicht niet- und nagelfest war“, räumte ein Insider ein. Das Management um Konzernchef Martin Blessing will nun bereits heute Details zum Zahlenwerk 2009 nennen.
Investmentbank und interne Bad Bank mit höheren Lasten
Die höher als erwarteten Belastungen im vierten Quartal fielen vor allem in der seit Monaten schrumpfenden Investmentbank sowie in der internen Bad Bank an. Als Grund nannte die mit 18,2 Mrd. Euro vom Staat gestützte Bank Abwertungen auf Bilanzpositionen, die von Anleihe-Versicherern – sogenannten Monolinern – abgedeckt werden. Hinzu kamen offenbar weitere Abschreibungen auf toxische Wertpapiere. In der Summe führte dies zu einem Handelsverlust von 561 Mio. Euro.
Bereits seit Monaten war klar, dass Blessing angesichts eines Milliardenverlusts versuchen würde, sämtliche absehbaren Belastungen noch in den Jahresabschluss 2009 zu schieben. Dabei ging er allerdings weiter als von Analysten erwartet: Diese hatten für das Schlussquartal laut Reuters im Schnitt lediglich einen operativen Verlust von 1,15 Mrd. Euro prognostiziert. Offen ist noch, welcher Verlust 2009 unterm Strich anfiel, denn die Commerzbank nannte in der nur neunzeiligen Mitteilung keine weiteren Zahlen. Bislang ging der Markt von rund vier Mrd. Euro Miesen aus – eine Zahl, die angesichts der Meldung für das vierte Quartal eher zu niedrig scheint.
Klar ist, dass die Verluste des vergangenen Jahres die Commerzbank-Bilanz 2010 nicht mehr belasten können. Blessings Andeutung, im laufenden Jahr möglicherweise mit Gewinn aufwarten zu können, gewinnen somit an Bedeutung. „Wir glauben, das ist möglich“, sagte Cheuvreux-Analyst Joachim Müller. Allerdings könne die Bank selbst dann kaum die stille Einlage des Staats bedienen. Damit werde eine Kapitalerhöhung Ende 2010 oder Anfang 2011 wahrscheinlich.
Zur Situation in der Ukraine äußerte sich die Commerzbank am Montag nicht. Nach Informationen des Handelsblatts wollen die Frankfurter dort ihre Mehrheitsbeteiligung an der Bank Forum aufstocken.