
LONDON/FRANKFURT. Zahlreiche Banker haben die jährlichen Ausschüttungen relativ fest in ihren Finanzhaushalt eingeplant, jetzt fehlt ihnen das Geld an allen Ecken und Enden. Teilweise müssen die selbst angeschlagenen Geldhäuser ihren Angestellten mit Krediten aushelfen, um das Schlimmste zu verhindern.
In der Finanzkrise sind die Boni in den Mittelpunkt einer heftigen Debatte gerückt. So warnte zum Beispiel der britische Wirtschaftsminister Peter Mandelson vor dem Wochenende alle Banken, die die Hilfe des Staates in Anspruch genommen haben, vor „übertriebenen Bonuszahlungen, die einen Aufschrei der Empörung in der Öffentlichkeit auslösen könnten“.
In Frankreich einigten sich die Großbanken mit der Regierung auf ein „Ethikabkommen“, wonach die Erfolgsprämien künftig einen bestimmten Anteil des Festgehaltes nicht mehr überschreiten dürfen. Das solle Bankmitarbeiter davon abhalten, übermäßige Risiken einzugehen, berichtet die französische Zeitung „Le Monde“.
Dagegen argumentieren viele Banken, dass sie ohne adäquate Boni ihre besten Kräfte nicht halten könnten, auch in der Krise. Der Bonus ist die entscheidende Messlatte für den Erfolg eines Bankers. In der Branche fallen Fixgehälter meist recht bescheiden aus. Dank der Erfolgsprämie, die drei Viertel oder mehr des Jahreseinkommens ausmachen kann, verdienen erfahrene Kräfte aber in guten Jahren bis zu siebenstellige Summen.
Experten gehen davon aus, dass die Banken die variablen Vergütungen im Krisenjahr 2008 im Schnitt um die Hälfte zusammengestrichen haben. Finanzkreisen zufolge hat die Deutsche Bank ihre Ausschüttungen um knapp 60 Prozent zurückgefahren, die Schweizer UBS sogar um mehr als 70 Prozent.