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Branche zieht Bilanz: Bankenverband sieht „Silberstreifen am Krisenhorizont“

Der Bundesverband deutscher Banken zieht, trotz Schuldenkrise, eine positive Bilanz. Die Lage sei besser als anfangs gedacht. Bundesbankpräsident Weidmann dagegen warnt, die Probleme in der Euro-Zone voreilig abzuhaken.

Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, Michael Kemmer: „Es gibt noch einiges zu tun.“ Quelle: dapd
Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, Michael Kemmer: „Es gibt noch einiges zu tun.“ Quelle: dapd

Frankfurt/BerlinDie jüngste Entspannung in der Euro-Krise und die solide Inlandskonjunktur stimmen die deutschen Banken zuversichtlich. Im Kampf gegen die Staatschuldenprobleme habe sich im ablaufenden Jahr vieles überraschend positiv entwickelt, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer, am Samstag im Deutschlandfunk. Die Lage sei besser als zum Jahresbeginn gedacht.

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Als besonders wichtig bezeichnete Kemmer die neuen Hilfen der Euroländer für Griechenland. „Die Solidargemeinschaft hat gehalten“, betonte er. Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), Krisenstaaten durch Anleihenkäufe zu stützen, habe zu einer Beruhigung der Märkte geführt. Allerdings müssten die betroffenen Staaten die dadurch gewonnene Zeit nun nutzen, um ihre Strukturreformen voranzutreiben. Fortschritte mancher Regierungen seien ein „Silberstreifen am Horizont“, aber noch nicht ausreichend. „Da gibt es schon noch einiges zu tun“, sagte Kemmer.

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Seinen Worten zufolge drohen von Griechenland und Zypern keine Gefahren für die deutschen Banken. Deren Forderungen an diese beiden Länder seien sehr gering.

Kemmer zog zugleich ein zufriedenes Fazit für die Branchenentwicklung in diesem Jahr. „Die Lage für die Banken war im Jahr 2012 alles in allem positiv gewesen“, sagte er. Dies liege vor allem daran, dass die Risikovorsorge wegen der guten inländischen Konjunktur niedrig geblieben sei. Insgesamt habe die Stabilität des Sektors zugenommen. „Die Banken haben im Vergleich zu den kritischen Jahren 2008/2009 ernorm an Kapital zugelegt“, erläuterte Kemmer. Die Regulierung bleibe zwar eine „Dauerbaustelle“, hier habe es aber bereits einschneidende Schritte in erheblichem Umfang gegeben.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann: „Die Ursachen der Krise sind noch lange nicht beseitigt.“ Quelle: dapd
Bundesbankpräsident Jens Weidmann: „Die Ursachen der Krise sind noch lange nicht beseitigt.“ Quelle: dapd

Bundesbankpräsident gibt keine Entwarnung

Bundesbankpräsident Jens Weidmann dagegen warnte davor, die Eurokrise voreilig abzuhaken. „Die Ursachen sind noch lange nicht beseitigt“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Dass sich jetzt allenthalben Krisenmüdigkeit ausbreite, werde zur Gefahr, „wenn die Politik mit der Krise nichts mehr zu tun haben will und erwartet, dass die Notenbank die Kastanien aus dem Feuer holt“.
Weidmann bestritt, dass die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), notfalls unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen, eine positive Wende für den Euro gebracht habe. Sein Dissens mit EZB-Chef Mario Draghi gelte weiter. „Ich befürchte stabilitätspolitische Risiken und die Gefahr einer Vermischung von Geld- und Fiskalpolitik.“ Die Notenbank könne lediglich Risiken zwischen den Euroländern umverteilen, was eine Art Versicherung sei. „Aber die Versicherung macht das System noch nicht stabiler.“

Wo Banker die größten Probleme sehen

  • Bankenaufsicht und Regulierung

    Die größten Probleme sehen die Manager von Finanzhäusern in der verschärften Bankenaufsicht und der Regulierung. 94 Prozent nannten dies als größte Herausforderung der Branche für die Jahre 2013 bis 2015. Die Unternehmensberatung Steria Mummert und Forsa befragten 120 Führungskräfte aus 120 Kreditinstituten. 100 davon aus Deutschland, 20 aus Österreich. Die Studie wurde im November 2012 veröffentlicht.

  • Kosten

    An zweiter Stelle stehen die Kosten: 75 Prozent der Bank-Manager sehen den Renditedruck auf der Branche lasten.

  • Risikomanagement

    Im Zuge der Finanzkrise und der verschärften Regulierung müssen die Banken besser mit ihren Risiken umgehen. Dementsprechend sehen immerhin 74 Prozent der befragten Banker den Umbau des Risikomanagements als Herausforderung.

  • Vertrieb und Kundenmanagement

    Ebenfalls große Probleme sehen die Finanzhäuser im Vertrieb und Kundenmanagement. Hier sehen 71 Prozent der Bank-Lenker Herausforderungen.

  • Wettbewerb

    Neue Anbieter, auch aus fremden Branchen, drängen in das Stammgeschäft der Geldhäuser. 71 Prozent der Finanzmanager sehen dies als Problem.

  • Finanz- und Schuldenkrise

    Die Situation auf den Finanzmärkten belastet natürlich auch die Banken. Dementsprechend beobachten 70 Prozent der Geldhaus-Lenker die Lage in Griechenland und den Kapitalmärkten gespannt.

  • Demographische Entwicklung

    Mit etwas Abstand, aber dennoch mit großer Sorge, betrachten die Banker die Alterung der Bevölkerung. Die demographische Entwicklung betrachten immerhin 68 Prozent der von Steria Mummert und Forsa befragten als Herausforderung.

  • Optimierung der Geschäftsprozesse

    Rund 63 Prozent der Geldhaus-Manager erachten den Umbau von Betriebsabläufen als Herausforderung.

  • Konjunktur

    Weniger Sorge bereitet den Bank-Lenkern offenbar die Entwicklung der Konjunktur. Nur 53 Prozent gaben dies als Problem an.

  • Kreditrisiko

    Kreditrisiken bringen die Banker auch nicht um den Schlaf: Nur 39 Prozent bereitet dieses Thema Sorgen.

  • Optimierung der Informationstechnik

    Die Verbesserung der hauseigenen Computersysteme sehen 38 Prozent der Befragten als Herausforderung.

  • Liquiditätsmanagement

    Die geringsten Sorgen bereitet den Bank-Lenkern das Liquiditätsmanagement. Nur 32 Prozent sehen dies als Problem.

Weidmann wies darauf hin, dass die Sparer in Deutschland schon jetzt durch die Politik der EZB zur Eurorettung belastet würden, weil die Zinsen für Sparguthaben niedriger seien als die Inflationsrate.

  • 03.01.2013, 07:54 UhrMazi

    „Die Solidargemeinschaft hat gehalten“, betonte er.

    Wen meint Dr. Kemmer?

    90 % der deutschen Bürger waren gegen weitere Rettungsmaßnahmen, über 80 % der Bundestagsabgeordneten und das BVerfG waren dafür.

    Also, dafür waren die Bundestagsabgeordneten und das BVerfG.

    Gibt es den Bürger in der politischen Wahrnehmung etwa nicht mehr?

  • 29.12.2012, 18:23 UhrDelinix

    Auch ich ziehe Bilanz.
    Im letzten Jahr – etwa um diese Zeit – beschäftigte man das Volk mit der Causa Wulff, während das Parlament (von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt) die 400 Milliarden € für den „Soffin“ durchpeitschte.
    Auch in diesem Jahr gibt es wieder einen netten Knalleffekt zum Neuen Jahr: soeben lese ich bei newsit.gr, dass die EU 5,5 Milliarden Hilfe an die DEXIA-Bank gibt, sowie weitere 85 Milliarden per Bürgschaft zugesichert sind.
    Heute ist ein Samstag. Ein Samstag vor Sylvester. Alle Leute beschäftigen sich mit irgendetwas Privatem. Es kann mir doch keiner erzählen, dass dieser merkwürdige Termin für eine so milliardenschwere und für uns alle folgenreiche Hilfsaktion ein Zufall ist.

  • 29.12.2012, 17:38 Uhrkraehendienst

    "...weil die Sparer in Deutschland schon jetzt..." - Die Sparer in Deutschland gibt es garnicht mehr bei steigenden Energiekosten, Mieten, Steuern, nun auch GEZ-Neuregelung, steigenden Krankenversicherungsbeiträgen. Sympathischer Weidmann - es gibt nur Verlierer oder Ihre Klientel.

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