
BERLIN. Künftig soll Kernkapital nur noch aus Aktienkapital und einbehaltenen Gewinnen bestehen. „Das hätte weitreichende Folgen für die Kreditvergabemöglichkeiten und damit für das Wachstumspotenzial der deutschen Wirtschaft“, schreibt der Spitzenverband der deutschen Kreditwirtschaft (ZKA) an die Regierung. Der Brief liegt dem Handelsblatt vor.
Würde sich diese Definition durchsetzen, so würde bankaufsichtliches Kernkapital in „erheblicher Größenordnung“ nicht mehr zur Verfügung stehen. Das würde beispielsweise auf stille Einlagen zutreffen. Über Jahrzehnte entwickelte Kernkapitalinstrumente der deutschen Kreditinstitute würden damit grundlegend infrage gestellt. Bei der Bewertung der Vorschläge sollte berücksichtigt werden, so die Kreditwirtschaft, dass die angelsächsischen Gesellschaftsformen und ihre Eigenkapitalfinanzierung stark von den kontinentaleuropäischen, insbesondere von den deutschen, abweichen würden. Daher erscheine es fragwürdig, angelsächsisch geprägte Eigenkapitalstrukturen unter dem Deckmantel der Finanzmarktkrise für alle Mitgliedstaaten obligatorisch einzuführen.
In den vergangenen Wochen hatte bereits der Vorstandschef der französischen Bank BNP Paribas vor einer Benachteiligung europäischer Banken gewarnt. Das betrifft auch die angepeilte Einführung einer Leverage Ratio, die das Verhältnis des Eigenkapitals zur Bilanzsumme wiedergibt. Das würde die Eigenkapitalrichtlinien nach Basel II, die bei Krediten eine risikoorientierte Unterlegung mit Eigenkapital vorsieht, konterkarieren. Dabei fehlt nicht der Hinweis, dass die USA Basel II noch nicht übernommen haben.
Auch die Verbände, die den deutschen Mittelstand vertreten, haben sich in die Diskussion eingeschaltet. Sie appellieren an die Regierung, dass veränderte Eigenkapitalanforderungen den Kreditvergabespielraum von Instituten, die in der Mittelstandsfinanzierung aktiv sind, nicht einengen dürfen.