
FRANKFURT. Zwar üben die Großbanken Selbstkritik und räumen ein, dass die Finanzkrise Defizite im Risikomanagement offengelegt habe. Gleichzeitig fordern sie aber für den Staat klare Strategien für den Ausstieg aus den Banken, "sobald dies die Umstände erlauben".
Die eingeleiteten Notmaßnahmen dürften nicht in eine "dauerhaft größere Rolle des öffentlichen Sektors im internationalen Finanzsystem münden", heißt es in einem Brief des internationalen Großbankenverbands IIF an US-Präsident George W. Bush als Gastgeber des Weltfinanzgipfels, der am 15. November in Washington stattfindet. Dort trifft sich die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20), um über die Reform der internationalen Finanzarchitektur zu beraten.
Seit Ausbruch der Finanzkrise wurden in der ganzen Welt verschiedene Rettungspakete der Regierungen geschnürt, um die Banken vor dem Kollaps zu bewahren. In den USA stehen beispielsweise 700 Mrd. Dollar bereit, um den Finanzsektor wieder aufzurichten. In Deutschland hat der Bund fast 500 Mrd. Euro lockergemacht, um den Banken mit Liquiditätsgarantien und Eigenkapitalspritzen unter die Arme zu greifen. Neben einer Reihe von Landesbanken hatte zuletzt die Commerzbank auf das Paket zugegriffen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der gleichzeitig Präsident des IIF ist, lehnt für sein Haus aber die Inanspruchnahme staatlicher Hilfen ab.
In Frankfurter Bankenkreisen hieß es, der IIF wolle keine Rückkehr zum "Laisser-faire", gleichzeitig müsse man nach einer Übergangszeit aber ganz klar wieder zu einem privatwirtschaftlichen Bankensystem zurückkehren. Man wehre sich auch gegen Bestrebungen, im Schatten der Finanzkrise eine Überregulierung der Banken anzustreben. "Eine Weltinstitution zur Überwachung der Banken ist illusorisch", sagte ein Bankmanager. Beobachter sehen das IIF-Papier auch als Reaktion auf die Positionen der EU zu einer neuen "Weltwirtschaftsarchitektur". Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatten ein Positionspapier unterstützt, in dem gefordert wird, dass "kein Finanzinstitut, kein Markt und keine Gesetzgebung" künftig verhältnismäßiger und angemessener Regulierung oder zumindest Aufsicht entkommen dürfen. Dabei soll dem Internationalen Währungsfonds (IWF) die Rolle der Aufsichtspolizei zukommen.