
sos/hgn/pk/oli FRANKFURT. Hessens oberste Datenschützerin, Renate Hillenbrand-Beck, fordert jetzt Akteneinsicht von der Deutschen Bank. Spätestens bis übernächste Woche soll das Institut einen schriftlichen Bericht zur Affäre vorlegen. Sollte sich der Skandal ausweiten, wolle man den Bericht früher haben, sagte sie dem Handelsblatt. Auch die Finanzaufsicht BaFin untersucht den Fall bereits.
Aufgefallen waren die Unregelmäßigkeiten bei Recherchen einer externen Anwaltskanzlei und einem Routinecheck der Datenschutzbeauftragten der Deutschen Bank. Ein Mitarbeiter habe daraufhin das Regierungspräsidium in Darmstadt informiert. Das Regierungspräsidium beaufsichtigt in Hessen alle in dem Bundesland ansässigen privaten Unternehmen in Sachen Datenschutz. Vergleichbare Fälle bei anderen Kreditinstituten in Hessen sind bislang nicht bekannt, heißt es aus der Behörde.
In der Affäre sickerten am Montag weitere Einzelheiten durch. In Kreisen des Instituts hieß es, ähnlich wie bei der Bahn und der Telekom seien Nachforschungen über das Umfeld einzelner Personen angestellt worden. Keinesfalls seien aber alle Mitarbeiter ausgespäht worden, auch Journalisten und Aufsichtsräte sollen nach dem bisherigen Stand der Untersuchungen nicht betroffen sein. Allerdings, so heißt es von einer Seite, könnten hochrangige Mitarbeiter bis hinein in den Vorstand ungewöhnlich intensiv unter die Lupe genommen worden sein. Unter Hinweis auf laufende Untersuchungen wollten alle Beteiligten keine öffentliche Stellungnahme abgeben.
Das Topmanagement um den Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann rechnet, wie es vergangene Woche in einer knappen Mitteilung hieß, nur mit „wenigen Verstößen“. Auf Vorstandsebene wird der Bereich Unternehmenssicherheit von Risikochef Hugo Bänziger verantwortet. Ausdrücklich ausgeschlossen hat die Bank, dass Kontendaten oder andere Informationen über Kunden betroffen seien.
In Finanzkreisen hieß es, es gehe um eine „einstellige Zahl von Fällen“ im Inland, in denen die interne Konzernsicherheit zu weit gegangen sei. Die Vorwürfe sollen die Jahre 2006 und 2007 betreffen. Möglicherweise seien dabei auch gesetzliche Anforderungen verletzt worden. Erkenntnisse über materielle Schäden liegen noch nicht vor. Unklar ist auch noch, um welche Maßnahmen es sich genau handelt und ob Dritte – wie zum Beispiel jene Detekteien, die etwa der Bahn und der Telekom behilflich waren – involviert sind. Auch die Rolle der Konzernsicherheit ist noch nicht geklärt. „Häufig werden derlei Aufträge aber auch an der Konzernsicherheit vorbei direkt von einem Vorstand an Externe vergeben“, sagt ein ehemaliger Sicherheitschef aus der Finanzbranche.
am Montag Nachmittag war für 17 Uhr eine Sitzung des Aufsichtsrats zur Vorbereitung der Hauptversammlung anberaumt, bei der die Datenschutzaffäre zumindest informell ein Thema gewesen sein dürfte. In Bankkreisen hieß es, Ackermann werde am Dienstag in der Festhalle auf dem Frankfurter Messegelände auf Fragen zur Affäre eingehen.