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Britische Großbank lenkt ein : Barclays verabschiedet sich vom Steuersparen

Die britische Großbank Barclays stand in ihrer Heimat als Steuerflüchtling massiv in der Kritik. Nach Skandalen will sie sich nun aus dem umstrittenen Geschäft mit Steuersparmodellen zurückziehen.

Die Barclays Bank will sich von umstrittenen Steuertricks verabschieden. Quelle: Reuters
Die Barclays Bank will sich von umstrittenen Steuertricks verabschieden. Quelle: Reuters

LondonAm kommenden Dienstag wird Antony Jenkins seine Strategie für die britische Großbank Barclays vorstellen. Spätestens dann wird klar sein, wie ernst es der neue Vorstandschef mit dem versprochenen Kulturwandel für das skandalgeplagte Geldhaus meint. Aber die ersten Details von Jenkins Plänen sickern bereits durch, und sie sprechen dafür, dass der Manager zumindest einige öffentlichkeitswirksame Änderungen plant, um sich vom Erbe seines in Ungnade gefallenen Vorgängers Bob Diamond zu verabschieden.

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So wird Jenkins nach Informationen aus Finanzkreisen nicht nur rund 2000 Jobs im Investmentbanking streichen, er wird sich auch vom umstrittenen Geschäft mit Steuersparmodellen verabschieden. Jenkins rückte im vergangenen Sommer an die Spitze von Barclays nachdem der Skandal um die Manipulation des globalen Referenzzinses Libor Vorstandschef Diamond und zwei weitere Top-Managern den Job gekostet hatte.

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Das Steuerspargeschäft gehört zum Bereich Structured Capital Markets und war in Boomzeiten das Symbol für die aggressive Strategie der Bank unter Ägide des amerikanischen Investmentbankers Diamond. Aufgabe von Structured Capital Markets (SCM) war es, große Konzerne zu beraten, wie sie am besten Steuern sparen und umgehen konnten. Das komplexe Netz an Steueroasen hinter dieser Strategie nutzte die Bank auch selbst. 2009 bezahlte Barclays nur 113 Millionen Pfund Unternehmenssteuern in Großbritannien, obwohl das Geldhaus in jenem Jahr einen Gewinn von über vier Milliarden Pfund erzielte.

Geführt wurde das SCM-Geschäft von einer der schillerndsten Figuren der Londoner City. Roger Jenkins war lange Zeit einer der bestbezahlten Banker in Europas wichtigstem Finanzzentrum. Allein 2005 soll der Schotte, der für sein Heimatland schon im 400-Meter-Lauf antrat, britischen Medien zufolge 40 Millionen Pfund kassiert haben. Zum Vergleich: Der gesamte Vorstand von Barclays verdiente in jenem Jahr lediglich knapp 13 Millionen Pfund.

Bevor Jenkins sich 2009 für kurze Zeit selbstständig machte, leitete er das Investment-Banking der Briten im Nahen Osten und fädelte für Barclays 2008 eine Kapitalerhöhung über sieben Milliarden Pfund durch das Scheichtum Katar ein. So kam die Bank ohne direkte Staatshilfen durch die Finanzkrise. Inzwischen untersuchen die britische Finanzaufsicht FSA und das Betrugsdezernat allerdings, ob bei der Kapitalerhöhung alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Heute arbeitet Roger Jenkins für die brasilianische Investmentbank BTG Pactual.

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Wenn sein Namensvetter Antony Jenkins am Dienstag seine neue Strategie vorstellen wird, erwarten Analysten neben dem Ende des Steuerspargeschäfts eine Reihe weiterer Veränderungen. Dazu zählt beispielsweise der Ausstieg aus dem asiatischen Aktiengeschäft. Aber neben diesen Bereinigungen des Geschäftsportfolios warten die Investoren vor allem auf weitere Details zum Kulturwandel.

Nach Libor-Skandal Barclays verkleinert Investmentbanking

Die britische Großbank Barclays will laut Insider 2000 Investmentbanker lowerden.

Jenkins hat bereits einen Katalog an ethischen Prinzipien festgelegt und klar gemacht, dass die Boni der Banker künftig nicht nur von den Gewinnen sondern auch von der Einhaltung dieser Prinzipien abhängen werden. Experten gehen davon aus, dass die Bank ihre Prämien für das vergangene Jahr um 10 bis 20 Prozent zusammenstreichen wird.

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Geld hat die Bank nebenbei auch noch verdient. Die Analysten erwarten einen bereinigten Gewinn vor Steuern von über sieben Milliarden Pfund nach knapp sechs Milliarden 2011.

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