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Commerzbank: Blessing boxt Stellenabbau durch

exklusivCommerzbank-Chef Blessing kommt mit seiner Schrumpfkur voran. Führung und Betriebsrat einigen sich, über 5.000 Stellen bei Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus zu streichen. Der Gesamtbetriebsrat muss noch zustimmen.

Bank im Umbau: Die Commerzbank will 5000 Stellen abbauen. Quelle: dpa
Bank im Umbau: Die Commerzbank will 5000 Stellen abbauen. Quelle: dpa

FrankfurtBeim geplanten Stellenabbau in der Commerzbank ist eine Einigung zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretern so gut wie unter Dach und Fach. Die Bank will danach konzernweit mehr als 5000 Stellen abbauen, erfuhr das Handelsblatt von zwei mit den Verhandlungen vertrauten Personen. Ende März beschäftigte die Bank konzernweit etwa 54.000 Menschen. Das Institut wollte die Informationen nicht kommentieren.

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Den Durchbruch brachte eine einwöchige Klausurtagung vergangene Woche in Bonn. „Die Verhandlungen waren erfolgreich“, war in der Bank zu hören. Über das Ergebnis wird der Gesamtbetriebsrat an diesem Dienstag und Mittwoch beraten. „Geplant ist, dass dann am Mittwoch darüber abgestimmt wird“, hieß es. Ein endgültiger Beschluss steht damit zwar noch aus, er gilt aber als sehr wahrscheinlich.

Der Abbau von Arbeitsplätzen ist ein wichtiger Baustein, mit dem die Bank bis 2016 wieder nachhaltig profitabel werden will. Neben hohen Investitionen gehört zur Strategie auch, die Kostenbasis des Instituts stabil zu halten. Dazu will die Bank Personal abbauen.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

  • August 2008

    Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

  • September 2008

    Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

  • November 2008

    Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

  • Dezember 2008

    Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

  • Januar 2009

    Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

  • April 2011

    Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

  • Oktober 2011

    Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

  • Juni 2012

    Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

  • März 2013

    Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

  • Mai 2013

    Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Seit Februar hatte das Management des Instituts deshalb mit den Betriebsräten um die Details des Stellenabbaus gerungen. Für die Kosten des Stellenabbaus hat die Bank bereits im ersten Quartal dieses Jahres Rückstellungen in Höhe von knapp 500 Millionen Euro gebildet.

Die Zahl von mehr als 5000 Arbeitsplätzen, die in den nächsten Jahren entfallen sollen, bezieht sich auf den Gesamtkonzern, der Ende März noch etwa 54.000 Mitarbeiter beschäftigte. In dieser Gesamtzahl sind also auch die etwa 500 Stellen enthalten, die bei der Commerzbank-Tochter Frankfurter Hypothekenbank, der früheren Eurohypo, wegfallen. Angaben darüber, wie viele der Stellen bei der Commerzbank AG selbst wegfallen, die 41.000 Menschen beschäftigt, wollten Verhandlungsteilnehmer nicht machen. Eine Sprecherin der Gewerkschaft Verdi bezeichnete die Zahl und die dahinter stehende Strategie als unerklärlich. Ausführlich wolle sich Verdi nach der Sitzung des Gesamtbetriebsrats am Mittwoch äußern.

  • 27.06.2013, 19:47 Uhrsnahesor

    Moin moin, was die Entlassungen betrifft, trifft es doch wieder die Falschen. Wann werden denn die wirklichen Kostenträger ( AT-Mitarbeiter mit dicken Bonizahlungen entlassen?) Was ist aus die-
    ser Bank geworden? Kaufe noch Aktien für 1,40 hinzu. Wo stehen jene
    heute? Da kann man das Geld doch gleich zum Fenster hinausschmeißen.

  • 20.06.2013, 00:33 UhrAlterKunde

    Man muss es nicht bedauern, wenn gerade im Privatkundengeschäft Stellen abgebaut werden. Nach meiner Kenntnis laufen gegen keine andere Bank so viele Klagen wegen Falschberatung. Ich habe es selbst im engsten Umfeld erlebt (Empfehlung von Schiffsfonds an Rentner, ein Dachfonds von Immobilienfonds etc.) Insoweit ist es doch eine marktwirtschaftliche Bereinigung, wenn ein Anbieter, der Kundeninteressen in der Vergangenheit in einem solchen Ausmass ignoriert hat, nun zurückstecken muss.

  • 18.06.2013, 15:50 Uhraletheia53

    Mitarbeiterabbau...
    ...ist sicher in der Wirtschaft normal und eigentlich kein Drama. Wir haben ja hierzulande Fachkräftemangel. Schwierig wird es nur, wenn die Aussortierten ein gewisses Lebensalter erreicht haben. Dann finden sie nämlich keinen neuen Job mehr und können alle Ersparnisse aufzehren, auf HartzIV warten und sich dann bei Eintritt des Rentenalters die Kugel geben. Wäre eigentlich nicht nötig, wenn man in der Wirtschaft auch älteren Arbeit Suchenden eine Chance gäbe. Die sind weder dumm, noch faul, noch gefräsig. Aus diesem Grund wird sich jeder ab einem bestimmten Alter an einen Arbeitsvertrag klammern.

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