FrankfurtMartin Blessing hat einen schweren Stand: Der Commerzbank-Chef will das zweitgrößte deutsche Geldhaus per Schrumpfkur sanieren. Er schlägt Geschäftsbereiche los und kappt bis zu 6000 Stellen. Zugleich steht das teilverstaatlichte Institut unter dem Druck, die nach der Lehman-Pleite gewährten Finanzhilfen der Regierung bald endgültig zurückzuzahlen.
Erfolge kann Blessing noch nicht vorweisen, als er die Geschäftszahlen für 2012 erstmals öffentlich erläutert. „Eine umfassende strategische Neuausrichtung kostet Kraft, Zeit und Geld“, verteidigt Blessing auf der Bilanzpressekonferenz seinen Kurs. Bereits zuvor musste das Institut per Ad-hoc-Mitteilung die zahlen veröffentlichen. So überraschend schlecht fielen die Zahlen aus. Das vierte Quartal brachte rund 720 Millionen Euro Verlust, im Gesamtjahr 2012 erreichten die Frankfurter mit sechs Millionen Euro gerade noch die Gewinnzone. Im Vorjahr waren es 638 Millionen Euro. „Das ist natürlich unbefriedigend“, räumt Blessing ein.
Vor allem der verlustreiche Verkauf der ukrainischen Tochter Bank Forum und Abschreibungen auf Steueransprüche belasten die Bilanz. „Ohne diese Sondereffekte lag das Konzernergebnis immerhin bei rund 990 Millionen Euro“, hebt Blessing hervor. „2012 gab es einfach Sonderbelastungen, welche das Ergebnis zu den Vorjahren nicht vergleichbar machen“, sagt der Vorstandschef fast trotzig. „Man darf doch Äpfel nicht mit Birnen vergleichen.“
Die Führungsspitze peilt an, das Haus bis 2016 umzukrempeln und wieder auf Erfolgskurs zu trimmen. Doch es mehren sich die kritischen Stimmen, die Blessing diese Zeit nicht mehr einräumen möchten. Und auch der Ex-Chef und heutige Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller gerät in die Kritik. „Es ist mehr als verwunderlich, dass Blessing und Müller noch im Amt sind“, sagt etwa Dieter Hein vom unabhängigen Analyseinstitut Fairesearch zu Handelsblatt Online. „Die beiden hätten schon mehrfach zurücktreten müssen.“
2011 ist das letzte Jahr, für das die WestLB ihre Jahresbilanz bekannt gab. Die Bank, die zum Großteil dem Land Nordrhein-Westfalen, der NRW.Bank und den Sparkassenverbänden des Rheinlands und Westfalen-Lippe gehörte, ist mittlerweile zerschlagen. Die Zertifikategeschäfte übernahm die Helaba.
Bilanzsumme (2011): 167,90 Milliarden Euro
Die Postbank gehört mittlerweile zur Deutschen Bank und betreut mit rund 19.000 Angestellten fast 14 Millionen Kunden.
Bilanzsumme (2011): 192,00 Milliarden Euro
Die Eurohypo AG ist eine Tochter der Commerzbank - und ein Milliardengrab. Zehn Jahre nach der Gründung wird die Hypothekenbank nun zerschlagen. Die Eurohypo AG ist nach der WestLB die zweite deutsche Bank, die die Krise nicht überlebt hat. Jedoch ist ihre Bilanzsumme noch um einiges größer als die der Landesbank.
Bilanzsumme (2011): 203,00 Milliarden Euro
Auch die NordLB schaffte es nur mit Staatsmitteln, die Bankenkrise zu überstehen. Die EU-Bankenaufsicht verordnete der Bank der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ihr Eigenkapitalpolster gehörig aufzustocken.
Bilanzsumme (2011): 227,60 Milliarden Euro
Die BayernLB machte in den vergangenen Wochen mit einem Streit mit der EU-Kommission Schlagzeilen. Die in der Krise taumelnde Bank muss dem Land Bayern fünf Milliarden Euro an Krisenhilfen zurückzahlen.
Bilanzsumme (2011): 309,10 Milliarden Euro
Auch die Hypo Real Estate überlebte die Krise nur knapp: Die Immobilienbank wurde verstaatlicht und lagerte ihre Altlasten in eine Bad Bank aus. Bis 2015 muss die Hypo Real Estate jedoch wieder privatisiert werden, entschied die EU.
Bilanzsumme (2011): 236,60 Milliarden Euro
Die LBBW ist mit einer Bilanzsumme von über 370 Milliarden Euro die größte deutsche Landesbank. Das Geldinstitut gehört fast vollständig dem Land Baden-Württemberg, dem Sparkassenverband des Landes und der Stadt Stuttgart.
Bilanzsumme (2011): 373,10 Milliarden Euro
Die deutsche Unicredit Bank AG, besser bekannt unter ihrem Markennamen Hypovereinsbank, ist ein Tochterunternehmen der größten italienischen Bank, Unicredit. Die italienische Großbank hat gerade eine Umstrukturierung angekündigt: Die Tochtergesellschaften und damit auch die Hypovereinsbank sollen mehr Autonomie bekommen.
Bilanzsumme (2011): 395,70 Milliarden Euro
Zur DZ Bank AG gehören neben der Volksbanken Raiffeisenbanken auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall oder die R+V Versicherung. Die DZ Bank AG ist das Zentralinstitut für insgesamt 900 Genossenschaftsbanken mit rund 30 Millionen Kunden.
Bilanzsumme (2011): 405,90 Milliarden Euro
Die Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW) ist die deutsche Förderungsbank unter Aufsicht des Finanzministeriums. Sie gibt Kredite an Existenzgründer und Firmen im Rahmen von Förderprogrammen der Bundesregierung und ist für die Finanzierung von Infrastrukturvorhaben zuständig.
Bilanzsumme(2011): 494,80 Milliarden Euro
Die Commerzbank belegt mit einer Bilanzsumme von über 600 Milliarden Euro Platz zwei unter den größten deutschen Banken. Die Bank ist in 52 Ländern vertreten und betreut nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Privat- und eine Millionen Firmenkunden in der ganzen Welt.
Bilanzsumme(2011): 661,80 Milliarden Euro
Die international erfolgreiche Deutsche Bank nimmt unangefochten den ersten Platz der größten deutschen Banken ein. Ihre Bilanzsumme ist rund 3,5 mal so groß wie die der Commerzbank. Die Bank beschäftigt über 100.000 Mitarbeiter – knapp 50.000 davon in Deutschland.
Bilanzsumme (2011): 2164,10 Milliarden Euro
Die Commerzbank kämpft seit Jahren mit den Lasten aus der Übernahme des Immobilienfinanzierers Eurohypo und der Dresdner Bank. „Die Übernahme der Dresdner Bank war klar existenzgefährdend“, meint Hein. „Die Entscheidung haben damals beide auf die eigene Kappe genommen und die Aktionäre frech außen vor gelassen.“
Zudem hatten Blessing und Müller eine Restrukturierung eingeleitet und für 2012 ein Gewinnziel von drei Milliarden Euro ausgerufen. Jetzt kommt gerade einmal eine schwarze Null raus. „Ich frage mich, was noch passieren muss, damit beide zurücktreten oder abgelöst werden“, so Hein. Auch aus Berlin – der Bund ist immer noch mit 25 Prozent an der Bank beteiligt – gibt es eine Breitseite gegen Blessing. Die Regierung will am liebsten so schnell wie möglich die Beteiligung loswerden, doch der Aktienkurs gibt das nicht her. Zur Zeit wäre ein Verkauf ein riesiges Verlustgeschäft.

@ CHRIS
EBEN DARIN BESTEHT DIE GRÖSSTE WELT UNGERECHTIGKEIT !
BANKENBONIS UND VORSTANDSGEHÄLTER SOWIE ZUSCHÜSSE SIND DEN GRÖSSTEN RAUB AN DAS UNTERNEHMEN SELBER !
UND DAFÜR WERDEN DANN AUCH NOCH GENEHMIGT DASS MENSCHEN IHRE ARBEITSPLÄTZE VERLIEREN...WÄHREND EIN EINZIGER SOLCHE BETRÄGE ERHÄLT !
WER KANN DA NOCH EINEN SOZIALEN FRIEDEN WOLLEN ?

@ HANSPELLA
DIE COMMERZBANK WAR BEREITS VOR DER ÜBERNAHME DER DRESDNER BANK ANGESCHLAGEN...DIE ÜBERNAHME WAR DA NICHT EINMAL DAS PROBLEM...ICH SEHE DAS PROBLEM EHER IN DEM VERSICHERUNGSPATNER DER COMMERZBANK !

Wieso eigentlich Bonus Verzicht? An was wird denn der Bonus bemessen? Ich dachte Bonus gibt es für das Erreichen bestimmter Geschäftsziele? Oder hat der Aufsichtsrat 5 mal die Woche erscheinen als Ziele vereinbart?
9 Kommentare
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