
FRANKFURT/DÜSSELDORF. Beim Verkauf des Dresdner-Bank-Turms wäre denkbar, dass ein Finanzinvestor das Hochhaus erwirbt und dann langfristig an einen Nutzer vermietet. Der neue deutsche Bankenriese, der aus dem im Sommer angekündigten Zusammenschluss von Commerzbank und Dresdner entsteht, wollte die Informationen weder bestätigen noch dementieren. "Durch den Zusammenschluss von Commerzbank und Dresdner Bank werden zukünftig bisher genutzte Flächen nicht mehr benötigt", sagte ein Sprecher. "Wir prüfen derzeit die Optionen für die künftige Nutzung und Vermarktungsmöglichkeiten." Die Deutsche Bahn lehnte eine Stellungnahme ab.
Der silbern verkleidete Turm gilt als eines der Wahrzeichen Frankfurts. Er wurde vor gut 30 Jahren eingeweiht und trägt den Namen des 1977 von der Roten Armee Fraktion (RAF) ermordeten Dresdner-Chefs Jürgen Ponto. Anlässlich der Einweihung des 166 Meter hohen Gebäudes, das lange Zeit das höchste Bürogebäude Deutschlands war, startete damals sogar die Tour de France in Frankfurt.
Seit November wird der "Silberturm" renoviert, die Fertigstellung ist für Ende kommenden Jahres geplant. Bei den Modernisierungsmaßnahmen geht es vor allem um weniger Energieverbrauch. Zudem werden auch die Brandschutzeinrichtungen verbessert.
Die im Turm arbeitenden rund 1 900 Mitarbeiter waren bereits im Sommer vergangenen Jahres auf andere Standorte der Dresdner verteilt worden. Im Zuge der Übernahme der früheren Allianz-Tochter hat die Commerzbank den Abbau von 6 500 Stellen im Inland angekündigt. Betroffen sind vor allem Abwicklungs-, Verwaltungs- und Zentralbereiche. Früheren Angaben zufolge stehen hier 4 700 Arbeitsplätze zur Disposition. Vor diesem Hintergrund erscheint es nachvollziehbar, dass die neue Commerzbank auf das Jürgen-Ponto-Hochhaus ganz verzichten kann.
Womöglich ebenfalls zur Disposition steht Branchenkreisen zufolge das siebenstöckige Vorstandsgebäude an der Gallusanlage, das bis vor kurzem das Dresdner-Management beherbergte. Der Verkauf des zweiten, weitaus moderneren Dresdner-Hochhauses Gallileo sei hingegen nicht geplant, hieß es.
Bereits 2005 hatte die Dresdner unternehmenseigene Immobilien für gut zwei Mrd. Euro an den US-Finanzinvestor Fortress verkauft. Im Frühjahr 2008 machten dann Gerüchte die Runde, die Bank sondiere auch die Abgabe ihrer Firmenzentrale. Damals hatte die Dresdner Bank noch erklärt, man beschäftige sich nicht mit dem Thema.
Immobilienexperten schätzen den Wert des "Silberturms" auf über 200 Mio. Euro, wobei die Finanzkrise große Transaktionen in der Branche praktisch zum Erliegen gebracht hat. Weil bis Sommer 2007 in exorbitantem Maße Kredite zur Verfügung standen, konnten Finanzinvestoren immer höhere Preise für Objekte bieten. Zuletzt hieß es hingegen, Finanzierungen über 50 Mio. Euro seien kaum noch zu erhalten. Dies gilt umso mehr, seit große Hypothekenbanken wie die Eurohypo oder die Hypo Real Estate kaum noch Neugeschäft machen. Der letzte große Deal in Deutschland liegt folglich ein Jahr zurück: Damals kaufte ein Konsortium um Morgan Stanley für 600 bis 700 Mio. Euro das Sony-Center in Berlin.