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Commerzbank: Schrumpfen bis zum Schwund

Martin Blessing setzt das teilverstaatlichte Institut auf eine radikale Schrumpfkur. Der Commerzbank-Chef schlägt Geschäftsbereiche los und setzt zum Kahlschlag bei den Mitarbeitern an. Das bringt vorerst eins: Verluste.

Die Schrumpfkur der Commerzbank muss bald Erfolg zeigen. Quelle: dpa
Die Schrumpfkur der Commerzbank muss bald Erfolg zeigen. Quelle: dpa

FrankfurtErst vor wenigen Tagen überraschte der hiesige Branchenprimus Deutsche Bank mit einem milliardenschweren Verlust. Nun legt die Commerzbank unter Vorstandschef Martin Blessing ebenso überraschend nach: Per Ad-hoc-Mitteilung schockiert die zweitgrößte Bank des Landes Anleger mit einem unerwartet hohen Verlust. Rund 720 Millionen Euro Minus erwartet der teilverstaatlichte Dax-Konzern für den Zeitraum Oktober bis Ende Dezember. Vor allem Sonderbelastungen haben die Commerzbank zum Jahresende 2012 tief in die roten Zahlen gedrückt.

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Für das Gesamtjahr bleibt nach vorläufigen Zahlen nur noch ein Mini-Gewinn von sechs Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es noch 638 Millionen. Dennoch geht das Institut weiterhin davon aus, dass es für 2012 erstmals Zinsen auf die verbliebenen Rettungsmilliarden des Bundes in Form einer „stillen Einlage“ zahlen wird.

Das sind die größten Banken Deutschlands

  • Platz 12

    2011 ist das letzte Jahr, für das die WestLB ihre Jahresbilanz bekannt gab. Die Bank, die zum Großteil dem Land Nordrhein-Westfalen, der NRW.Bank und den Sparkassenverbänden des Rheinlands und Westfalen-Lippe gehörte, ist mittlerweile zerschlagen. Die Zertifikategeschäfte übernahm die Helaba.

    Bilanzsumme (2011): 167,90 Milliarden Euro

  • Platz 11

    Die Postbank gehört mittlerweile zur Deutschen Bank und betreut mit rund 19.000 Angestellten fast 14 Millionen Kunden.

    Bilanzsumme (2011): 192,00 Milliarden Euro

  • Platz 10

    Die Eurohypo AG ist eine Tochter der Commerzbank  - und ein Milliardengrab. Zehn Jahre nach der Gründung wird die Hypothekenbank nun zerschlagen. Die Eurohypo AG ist nach der WestLB die zweite deutsche Bank, die die Krise nicht überlebt hat. Jedoch ist ihre Bilanzsumme noch um einiges größer als die der Landesbank.

    Bilanzsumme (2011): 203,00 Milliarden Euro

  • Platz 9

    Auch die NordLB schaffte es nur mit Staatsmitteln, die Bankenkrise zu überstehen. Die EU-Bankenaufsicht verordnete der Bank der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ihr Eigenkapitalpolster gehörig aufzustocken.

    Bilanzsumme (2011): 227,60 Milliarden Euro

  • Platz 8

    Die BayernLB machte in den vergangenen Wochen mit einem Streit mit der EU-Kommission Schlagzeilen. Die in der Krise taumelnde Bank muss dem Land Bayern fünf Milliarden Euro an Krisenhilfen zurückzahlen.

    Bilanzsumme (2011): 309,10 Milliarden Euro

  • Platz 7

    Auch die Hypo Real Estate überlebte die Krise nur knapp: Die Immobilienbank wurde verstaatlicht und lagerte ihre Altlasten in eine Bad Bank aus. Bis 2015 muss die Hypo Real Estate jedoch wieder privatisiert werden, entschied die EU.

    Bilanzsumme (2011): 236,60 Milliarden Euro

  • Platz 6

    Die LBBW ist mit einer Bilanzsumme von über 370 Milliarden Euro die größte deutsche Landesbank. Das Geldinstitut gehört fast vollständig dem Land Baden-Württemberg, dem Sparkassenverband des Landes und der Stadt Stuttgart.

    Bilanzsumme (2011): 373,10 Milliarden Euro

  • Platz 5

    Die deutsche Unicredit Bank AG, besser bekannt unter ihrem Markennamen Hypovereinsbank, ist ein Tochterunternehmen der größten italienischen Bank, Unicredit. Die italienische Großbank hat gerade eine Umstrukturierung angekündigt: Die Tochtergesellschaften und damit auch die Hypovereinsbank sollen mehr Autonomie bekommen.

    Bilanzsumme (2011): 395,70 Milliarden Euro

  • Platz 4

    Zur DZ Bank AG gehören neben der Volksbanken Raiffeisenbanken auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall oder die R+V Versicherung. Die DZ Bank AG ist das Zentralinstitut für insgesamt 900 Genossenschaftsbanken mit rund 30 Millionen Kunden.

    Bilanzsumme (2011): 405,90 Milliarden Euro

  • Platz 3

    Die Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW) ist die deutsche Förderungsbank unter Aufsicht des Finanzministeriums. Sie gibt Kredite an Existenzgründer und Firmen im Rahmen von Förderprogrammen der Bundesregierung und ist für die Finanzierung von Infrastrukturvorhaben zuständig.

    Bilanzsumme(2011): 494,80 Milliarden Euro

  • Platz 2

    Die Commerzbank belegt mit einer Bilanzsumme von über 600 Milliarden Euro Platz zwei unter den größten deutschen Banken. Die Bank ist in 52 Ländern vertreten und betreut nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Privat- und eine Millionen Firmenkunden in der ganzen Welt.

    Bilanzsumme(2011): 661,80 Milliarden Euro

  • Platz 1

    Die international erfolgreiche Deutsche Bank nimmt unangefochten den ersten Platz der größten deutschen Banken ein. Ihre Bilanzsumme ist rund 3,5 mal so groß wie die der Commerzbank. Die Bank beschäftigt über 100.000 Mitarbeiter – knapp 50.000 davon in Deutschland.

    Bilanzsumme (2011): 2164,10 Milliarden Euro

Das Ausmaß der Verluste übertraf die Prognosen der Experten. Analysten hatten für das vierte Quartal nur ein Minus von rund 560 Millionen Euro erwartet. „Der Trend negativer Überraschungen hält an“, schrieb DZ-Bank-Analyst Christoph Bast in einer ersten Reaktion. Die Commerzbank-Aktie fiel zeitweilig um mehr als fünf Prozent.

Ein Grund für die hohen Belastungen: Vorstandschef Blessing schlägt Firmenteile los, um so das nach wie vor angeschlagene Institut gesund zu schrumpfen. Die Commerzbank war nach der Übernahme der Dresdner Bank und im Zuge der Finanzkrise seit 2008 in Schieflage geraten. Das Institut musste mit Staatsgeld gestützt werden.

Commerzbank streicht 6000 Jobs Martin Blessing kehrt mit eisernem Besen

Vor allem im Privatkundengeschäft gebe es „deutliche Überkapazitäten“.

Blessing setzte unter anderem einen Schlussstrich unter das Abenteuer in der Ukraine. Der Verkauf der Problemtochter Bank Forum schlug zum Jahresende mit 185 Millionen Euro Belastungen zu Buche. Das Geldhaus wurde Ende Juli mit Verlust an die ukrainische Industrie-Holding Smart Group verkauft. Für das Gesamtjahr machte die Bank außerordentliche Belastungen von insgesamt rund 980 Millionen Euro geltend.

Im November vergangenen Jahres leitete Blessing einen massiven Sparkurs an. Ende Januar kamen dann Details heraus, wie der aussieht. Das Haus kündigte einen massiven Stellenabbau an. Vor allem im Privatkundengeschäft gebe es deutliche Überkapazitäten, hieß es in einer Mitteilung im Intranet der Bank. Hier kämpft die Bank wie die Konkurrenz mit starkem Wettbewerb und geringen Margen. Sprich: Im Geschäft mit den mehr als elf Millionen Privatkunden lässt sich kaum Geld verdienen lässt.

  • 06.02.2013, 13:40 UhrKinglouie

    "Trotz des Verlusts im vierten Quartal will die Commerzbank die stille Einlage des Soffin erstmals regulär bedienen."
    Ein Schelm der im Wahljahr böses darüber denkt :-))

  • 05.02.2013, 13:27 UhrKinglouie

    na da bekomt doch der alte grüne Slogan "die Bearetrbank" ein ganz neue Bedeutung :-)

  • 05.02.2013, 13:20 Uhrblack

    fragen Sie ihn dochmal ob er weis wie man einen Optionsschein ausführt; selbst daran scheitert ja schon so mancher "Banker"

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