
FRANKFURT. Das Regierungspräsidium Darmstadt hat die Strafverfolger in diesen beiden Fällen eingeschaltet, weil es aufgrund einer Prüfung eines Berichtes der Deutschen Bank zu der Bewertung gelangt ist, dass Anhaltspunkte für Straftaten bestehen.
So jedenfalls geht es aus einem Schreiben des Hessischen Innenministeriums vor, das dem Handelsblatt vorliegt. Das Regierungspräsidium bestätigte die Einschaltung der Staatsanwaltschaft. Die Strafverfolgungsbehörde teilte mit, sie prüfe jetzt den Sachverhalt. Wegen der "umfangreichen Aktenlage" könne das bis zu drei Wochen dauern. Auch die Deutsche Bank bestätigte diese Informationen. In zwei Fällen hätten die Behörden Ordnungswidrigkeiten festgestellt. "Wir kooperieren mit den Behörden weiter in vollem Umfang", sagte ein Banksprecher.
Die Deutsche Bank hatte Ende Mai mögliche Verstöße in der Konzernsicherheit eingeräumt. Der für Deutschland zuständige Sicherheitschef Rafael Schenz und der Leiter der Abteilung Investor Relations (IR), Wolfram Schmitt, wurden deswegen inzwischen entlassen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Frankfurt dürften sich vor allem gegen von ihnen beauftragte Sicherheitsdienste richten, die möglicherweise über die Grenzen ihres Auftrags hinausgegangen sind.
Das Regierungspräsidium Darmstadt hat laut Schreiben des Innenministers bisher noch keinen Beschluss darüber gefasst, ob es ein Bußgeld gegen die Beteiligten verhängen wird. Informiert hat das Regierungspräsidium inzwischen allerdings die Opfer der Affäre. Dazu gehören neben Bohndorf und Lamberti auch der ehemalige Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat Gerald Herrmann. Insgesamt sollen rund 60 Personen in die Affäre verwickelt sein, berichten Insider. So viele Namen liste der Bericht der von der Deutschen Bank eingeschalteten Kanzlei Cleary Gottlieb Steen Hamilton auf.
Unklar ist, ob Aufsichtsratschef Clemens Börsig in die Affäre verstrickt ist. Börsig hatte sich nach einer turbulenten Hauptversammlung der Deutschen Bank im Juni 2006, bei der der Rechtsanwalt und Aktionär Bohndorf eine Reihe heikler Fragen gestellt hatte, an Investor-Relations-Chef Schmitt gewandt. Die Bank lässt derweilen intern prüfen, ob er ihm den förmlichen Auftrag gab, mehr über Bohndorf herauszufinden oder ob dies vor allem auf die Initiative von Schmitt und der beauftragten Sicherheitsfirmen passierte. Lässt sich eine Auftragsvergabe nachweisen, dürfte Börsig selbst ins Kreuzfeuer geraten. Eine Stellungnahme vom Aufsichtsratschef gibt es zu dem Thema bisher nicht. Börsig ist innerhalb der Bank umstritten, weil er zeitweise Josef Ackermann als Bankchef beerben wollte.