„Wir arbeiten an einer Lösung“
Olivier Piou ist Chef des Chipkartenspezialisten Gemalto, von dem die fehlerhaften Chips auf den deutschen Bankkarten kommen. Im Gespräch mit Holger Alich äußert sich der Gemalto-Chef zu den Pannenchips und hofft, mit einem Software-Update einen teuren Massenumtausch abwenden zu können.
Handelsblatt: 30 Mio. deutsche Bankkarten spielen verrückt. Müssen die alle ausgetauscht werden?
Olivier Piou: Wir arbeiten derzeit an einem Verfahren, das Problem dauerhaft zu lösen, ohne die Karten eintauschen zu müssen. Das Verfahren testen wir derzeit. In bestimmten Fällen, etwa bei Besitzern deutscher Karten mit Wohnsitz im Ausland, könnten unsere deutschen Kunden indes entscheiden, dass ein Kartentausch einfacher wäre.
HB: Droht durch die Panne nicht ein Vertrauensschaden in Gemalto-Karten?
Piou: Das erwarte ich nicht, denn es ist keine Lücke im Sicherheitssystem aufgetreten, eher im Gegenteil. Ein Sicherungssystem hat sich unerwarteterweise aktiviert beim Datumsvergleich und hat dann die Transaktionen blockiert. Das Problem ist zudem nur bei deutschen Karten aufgetreten, was mit den Besonderheiten des deutschen Kartensystems zusammenhängt.
HB: Die ersten Stimmen werden laut, von Gemalto Schadenersatz zu fordern. Wie hoch ist das finanzielle Risiko für ihr Unternehmen?
Piou: Es ist normal, dass sich unsere Kunden diese Frage stellen. Es ist aber zu früh, etwas dazu zu sagen. Denn es ist keine Entscheidung gefallen, die Bankkarten im großen Stil umzutauschen. Wir bemühen uns jetzt darum, das Problem zu lösen. Ich bedauere die Schwierigkeiten. Sollten daraus beträchtliche finanzielle Risiken für Gemalto entstehen, werden wir dazu die Märkte informieren.