
FRANKFURT. Es hieß, die Personalentscheidung im Aufsichtsrat sei einstimmig gefallen. Damit drücke der Aufsichtsrat „seine hohe Anerkennung und Wertschätzung für Ackermann aus“, sagte der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Clemens Börsig. Die Kontinuität in der Führung der Bank werde auf diese Weise sichergestellt.
Der Entscheidung vorausgegangen war eine intensive Suche des Kontrollgremiums nach geeigneten Kandidaten, die aber erfolglos geblieben war. Im Gespräch waren der Chef des Privat- und Firmenkundengeschäfts Rainer Neske genauso wie der Chef des Private Banking Pierre de Weck. Außenseiterchancen waren selbst Managern vom Schlage eines Axel Wieandt eingeräumt worden, der gerade auf Ackermanns Geheiß den praktisch bankrotten Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate sanieren soll. Der lange Zeit favorisierte Chef des Investment-Bankings, Anshu Jain, konnte sich nicht durchsetzen. Als nicht Deutsch sprechender Kandidat und als Leiter jenes Bereichs, der für die Krise hauptverantwortlich gewesen war, hatte er am Ende keine Chance.
Ackermann dagegen habe die Bank strategisch gut aufgestellt und erfolgreich durch die Krise geführt, sagte Börsig Montagabend. Dies zeigten auch die Zahlen zum ersten Quartal, die die Bank heute präsentieren will. Sie ist nach einem Rekordverlust im vergangenen Jahr Analysten zufolge zu Jahresbeginn wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Experten rechnen im Schnitt mit einem Überschuss von knapp 800 Mio. Euro.
Ackermann selbst hatte im Handelsblatt angedeutet, dass die Bank auch ihr umstrittenes Ziel einer Eigenkapitalrendite von ungefähr 25 Prozent vor Steuern wieder erreichen wird. Der Bank-Chef hatte damit die Kritik von Politikern und Wissenschaftlern auf sich gezogen. Sie werfen ihm vor, mit überzogenen Gewinnvorstellungen seine Banker zu animieren, hohe Risiken einzugehen – ein Verhalten, das unter anderem Auslöser für die derzeitige Finanzkrise gewesen sei.
Das ehrgeizige Renditeziel war nicht die einzige Aussage, die Ackermann zu einem der umstrittensten Firmenchefs in Deutschland machte. Auf Kritik gestoßen war ebenfalls sein kolportierter Satz, wonach er „sich schämen“ würde, wenn die Deutsche Bank Geld vom Staat annehmen würde. Der Satz fiel kurz nach der Entscheidung der Bundesregierung für ein erstes Bankenrettungspaket und wurde auch von Kollegen aus der Branche kritisiert.