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Deutsche Bank: Deutsche Bank bespitzelte auch Aufsichtsrat

Die Spitzelaffäre bei der Deutschen Bank hat offenbar noch größere Ausmaße als bisher angenommen. Gegenüber dem Handelsblatt bestätigte der Gewerkschaftsvertreter Gerald Herrmann einen Medienbericht, nachdem er als Aufsichtsratsmitglied von dem Institut überwacht worden sei.

Blick auf die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Auch der Gewerkschaftsvertreter Gerald Herrmann wurde nach eigenen Angaben von der Bank ausspioniert. Quelle: dpa
Blick auf die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Auch der Gewerkschaftsvertreter Gerald Herrmann wurde nach eigenen Angaben von der Bank ausspioniert. Quelle: dpa

sos/HB FRANKFURT/HAMBURG. Die Deutsche Bank hat nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" auch den ehemaligen Gewerkschaftsvertreter von Verdi im Aufsichtsrat der Bank, Gerald Herrmann, von einer externen Detektei bespitzeln lassen. Das gehe aus dem internen Prüfbericht der Anwaltskanzlei Cleary Gottlieb Steen & Hamilton hervor, der seit Ende vergangener Woche der Bank vorliege, schreibt das Nachrichtenmagazin in seiner neuen Ausgabe.

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Herrmann, der zwischen 1998 und 2003 im Aufsichtsrat der Bank saß, bestätigte gegenüber dem Handelsblatt, dass er ausgespäht worden sei. Die Deutsche Bank habe ihn aber erst vor wenigen Tagen darüber informiert. „Ich finde dieses Verhalten empörend. Zwar hat sich das Unternehmen bei mir entschuldigt. Ich erwarte aber wenigstens eine persönliche Entschuldigung von Herrn Ackermann, der sich ja an die Spitze der Aufklärung stellen wollte“, sagte er.

Herrmann stand im Verdacht, Geschäftszahlen des dritten Quartals im Jahr 2001 an die Nachrichtenagentur Reuters gegeben zu haben. Diese Vorwürfe hätten sich als völlig unbegründet erwiesen, sagte Hermann gegenüber dem Handelsblatt. Das habe ihm die Deutsche Bank versichert, als sie ihn über die Bespitzelung informiert habe. „Die haben mich verdächtigt, nur weil ich wiederholt öffentlich den massiven Stellenabbau des Kreditinstitutes kritisiert hatte, das damit sein hohes Renditeziel von 25 Prozent Eigenkapitalrendite sichern wollte.“ Als dann einige Artikel die Geschäftszahlen und seine Kritik gemeinsam aufgegriffen hätten, hätte das Institut ihn verdächtigt aber nie befragt.

Die Deutsche Bank wollte den Bericht nicht kommentieren. Sie werde sich erst äußern, wenn der Bericht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vorliege, sagte ein Sprecher am Samstag auf Anfrage.

2006 wurden laut "Spiegel" auch Vorstände bespitzelt, die im Verdacht standen, Kontakte zum Medienunternehmer Leo Kirch zu unterhalten. Kirch überzieht die Bank seit dem Zusammenbruch seines Firmenimperiums, für den er das Institut verantwortlich macht, mit Klagen. Selbst der kritische Aktionär Michael Bohndorf, ein auf Ibiza lebender Rechtsanwalt, sei im Auftrag der Bank beschattet worden. Die Detektive erstellten dabei Bewegungsprofile und untersuchten, wann sich der Betroffene mit wem traf. Zudem sei gezielt nach persönlichen Schwächen des Anteilseigners gesucht worden. Dabei ist es dem Bericht zufolge auch zum Einsatz weiblicher Lockvögel gekommen. Die Betroffenen seien inzwischen von der Bank über die Maßnahmen informiert worden.

Die Bank arbeitete in Sicherheitsfragen mit unterschiedlichen Unternehmen zusammen, darunter Control Risks und Bühner Private Risk Advisors. Einer der Unterauftragnehmer war die von Ex-Stasi- Mitarbeitern geführte Firma Desa, die auch schon im Datenskandal bei der Deutschen Telekom eine Rolle gespielt hat, wie der "Spiegel" schreibt. In einer Sondersitzung sollen die Aufsichtsräte demnächst über die Ergebnisse der internen Prüfung unterrichtet werden.

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