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Deutsche Bank: Kritik an Abhängigkeit vom Investment-Banking wächst

Die Quartalszahlen der Deutschen Bank fielen zwar etwas besser aus als erwartet. Allerdings hat das Investment-Banking aufgrund der Marktturbulenzen Kratzer abbekommen. Umso stärker fällt auf, dass Deutschlands größtes Geldhaus zu sehr auf dieses eine Standbein setzt und in anderen Bereichen nur mühsam in die Gänge kommt, urteilen Experten.

Es blüht vor der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt. Quelle: Reuters
Es blüht vor der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt. Quelle: Reuters

gie/pk/yo/HB FRANKFURT. Finanzexperten sehen die starke Abhängigkeit der Deutschen Bank vom Investmentbanking kritisch. Zwar legte das Institut auch im Privatkunden- und Vermögensverwaltungsgeschäft zu und schrieb dort schwarze Zahlen. Doch für die Milliardengewinne sorgt das jetzt vom gebürtigen Inder Anshu Jain alleine geleitete Kapitalmarktgeschäft - der Top-Banker gilt als Favorit für die Nachfolge von Ackermann, dessen Vertrag 2013 ausläuft. "Die Ergebnisse außerhalb der Investmentbank sind weiter zu gering", kritisiert Merck-Finck-Analyst Konrad Becker.

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Finanzexperte Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanzzentrums, glaubt, dass sich an der Abhängigkeit des Instituts vom Investment-Banking so schnell nichts ändern wird: "So eine Bank kann nicht innerhalb von zwei Quartalen umsteuern. Früher wurde eben entschieden, das Retail-Banking in anderen Ländern nicht auszubauen. Das war nun mal die Strategie der Deutschen Bank." Andere Geldhäuser wie die Banco Santander sind einen anderen Weg gegangen und haben sich damit in der Finanzkrise sehr stabil gezeigt. Allerdings ist der deutsche Markt auch ein besonderer, wie Gerke betont: "In Deutschland sind die Sparkassen und Genossenschaftsbanken mit rund 80 Mio. Kunden sehr stark. Da ist es für eine Privatbank schwer, den Bestand an Kunden auszubauen."

Unterm Strich schreibt die Deutsche Bank trotz den Turbulenzen an den Kapitalmärkten weiter Milliardengewinne. Im zweiten Quartal verdiente das größte deutsche Geldhaus netto 1,2 Mrd. Euro und damit neun Prozent mehr als vor einem Jahr. Hauptgrund: Das größte deutsche Geldhaus musste wegen der Konjunkturerholung deutlich weniger Geld für faule Kredite zurücklegen. Die Risikovorsorge sank im Jahresvergleich um drei Viertel auf 243 Mio. Euro. Dagegen bremste die Verunsicherung der Anleger wegen der Schuldenkrise in Europa wie bei anderen Banken auch die Erträge im Kerngeschäft Investmentbanking - besonders im Vergleich zum starken ersten Vierteljahr.

"Die Weltwirtschaft dürfte sich weiter beleben", erklärte Bankchef Josef Ackermann in dem am Dienstag vorgelegten Quartalsbericht. Vor allem im Privat- und Firmenkundengeschäft seien daher branchenweit weitere Zugewinne zu erwarten, "während die Kapitalmarktaktivitäten der Banken größeren Schwankungen als in den letzten zwölf Monaten ausgesetzt sind".

Vor Steuern stieg der Gewinn um 16 Prozent auf 1,5 Mrd. Euro, rund die Hälfte davon im Investmentbanking. Dem Frankfurter Geldhaus half dabei auch die Übernahme von Teilen der niederländischen Bank ABN Amro. Der Kaufpreis lag mehr als 200 Mio. Euro unter dem Buchwert, was zu einem entsprechenden Einmalgewinn führte.

Während der Überschuss deutlich über den durchschnittlichen Analystenprognosen lag, hatten die Experten dem Institut vor Steuern etwas mehr zugetraut. Ackermann will das Ergebnis 2011 auf das Rekordniveau von zehn Mrd. Euro steigern. ,Allerdings sieht die Deutsche Bank die für 2011 angepeilten zehn Mrd. Euro Gewinn vor Steuern in Gefahr, wenn die Zinsen noch länger niedrig bleiben: "Während einige der Faktoren in Bezug auf das Wettbewerbsumfeld mit unseren Annahmen übereinstimmen oder diese übertroffen haben, haben andere das erwartete Niveau noch nicht erreicht, insbesondere hinsichtlich der Normalisierung des Zinsniveaus", warnte Deutschlands größte Bank am Dienstag im Zwischenbericht zum zweiten Quartal. Analysten haben das Ziel ohnehin als sehr ehrgeizig bezeichnet. Denn die Aussichten für das Investment-Banking, an dem das Wohl und Wehe der Deutschen Bank hängt, sind eher trübe.

So ist kurzfristig keine Belebung der Märkte in Sicht, zudem lahmt das Beratungsgeschäft mit Börsengängen, Kapitalerhöhungen und Fusionen. Mittelfristig drohen im Handel zudem härtere Kapitalauflagen, was die Rentabilität zusätzlich schmälert. Die Kernkapitalquote stieg per Ende Juni auf 11,3 Prozent von 11,2 Prozent nach dem ersten Quartal.

Bei den US-Rivalen wie Goldman Sachs und Morgan Stanley sah die Lage im zweiten Quartal ähnlich aus. Auch sie verdienten im Investment-Banking deutlich weniger als noch zu Jahresbeginn. Analysten schätzen den Ertragsrückgang branchenweit auf bis zu 40 Prozent. Dafür hellte sich die Kreditqualität auf. Die Schweizer Wettbewerber wie Credit Suisse und UBS konnten zudem mit starken Geschäften mit reichen Privatkunden punkten, die bei der Deutschen Bank eine deutlich kleinere Rolle spielen. Die UBS schrieb im zweiten Quartal einen Überschuss von knapp 1,5 Mrd. Euro nach tiefroten Zahlen vor einem Jahr.

  • 27.07.2010, 15:33 UhrAnonymer Benutzer: GB

    @werna:
    Warum werden dann nicht nur noch die Aktien dieser banken gekauft, sondern auch "langweilige" Versorger, Pharma, Stahl etc., deren Risiko doch viel höher sein müsste?

    @guenta:
    Die in den Produktionsprozess? Mit jeweils zwölf Daumen? Wer soll das und die Folgeschäden bezahlen?

  • 27.07.2010, 15:11 UhrAnonymer Benutzer: guenta

    @ werna

    Dann gehen wir noch einen schritt weiter: was würde passieren, wenn wir statt 600 bundestagsabgeordneten nur noch 200 hätten ? Richtig, auch nichts. Aber die 400 überflüssigen müssten dann einer geregelten Arbeit nachgehen. Genau wie die überflüssigen investmentbanker, das sind tausende weltweit. Wenn die alle in den produktionsprozess eingegliedert würden, hätten wir eine blühende wirtschaft, weltweit…..

  • 27.07.2010, 14:42 UhrAnonymer Benutzer: werna

    Sagen wir es mal ganz direkt. Die meisten großen banken
    haben doch überhaupt kein Geschäftsmodell, ausser ZOCKEREi. beim Zocken gewinnt der eine, was der andere verliert - normalerweise. Nicht im investmentbanking. Da zahlt der Steuerzahler die Verluste - weltweit ist das so, weil die Zocker Systemrelevant sind. in welch einer bescheuerten Wirtschaftswelt leben wir eigentlich.
    Was würde passieren, wenn sämtliche investmentbanken einfach gechlossen werden? Genau - nichts. Welchen volkswirtschaftlichen Wert hat investmentbanking? Absolut keinen. Weg damit. Dicht machen diese Läden.
    Zu Wohle aller bürger - weltweit. bankgeschäft heisst der Volkswirtschaft dienen und nicht umgekehrt.

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