
Frankfurt/MünchenDer Sparkurs der Deutschen Bank in der Vermögensverwaltung trifft auch die Tochter Sal. Oppenheim mit voller Wucht. Bei dem Institut, das zuletzt noch rund 930 Mitarbeiter in Deutschland und Luxemburg beschäftigte, steht ein Jobabbau "in signifikantem Umfang" an, wie Sal. Oppenheim am Dienstagabend mitteilte. Zahlen nannte die Kölner Traditionsbank unter Verweis auf die angelaufenen Gespräche mit dem Betriebsrat nicht.
Betriebsbedingte Kündigungen sind aber ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete vorab aus ihrer Mittwochausgabe unter Berufung auf Arbeitnehmervertreter, es sollten knapp 500 Stellen wegfallen. Demnach soll der Mitarbeiterstamm des in Köln ansässigen Bankhauses von derzeit rund 780 auf knapp 280 Mitarbeiter schrumpfen. Bis zum Ende des ersten Quartals 2014 solle der Stellenabbau vollzogen sein.
Eine Sprecherin von Sal. Oppenheim bestätigte den Bericht nach Angaben der Zeitung im Grundsatz. Eine Sprecherin wollte sich demnach aber zu konkreten Mitarbeiterzahlen nicht äußern. Ein Arbeitnehmervertreter warnte in der Zeitung, "in dieser kurzen zeitlichen Frist" sei "ein sozialverträglicher Abbau unmöglich". "Es wird zu betriebsbedingten Kündigungen kommen", fügte er hinzu.
Bis 2015 sollen die jährlichen Kosten um 4,5 Milliarden Euro sinken - das ist rund ein Sechstel der Kostenbasis für 2012 von gut 27 Milliarden Euro. Von den Einsparungen sollen 2,8 Milliarden aus dem operativen Geschäft kommen, 1,9 Milliarden allein aus der Investmentbank. Das heißt: 1500 gestrichene Investmentbanker-Stellen, drastisch sinkende Boni und eine noch unbekannte Zahl von Arbeitsplätzen, die in der Vermögensverwaltung wegfallen. 1,7 Milliarden Euro soll die "Infrastruktur" der Bank beisteuern. Zunächst wird das Sparprogramm allerdings erst einmal vier Milliarden Euro kosten.
Der deutsche Branchenprimus will Risikopapiere im Wert von 135 Milliarden Euro und nicht zum Kerngeschäft zählende Anlagen in eine Art konzerninterne „Bad Bank“ schieben, wo sie möglichst ohne Verluste abgewickelt werden sollen. So soll die risikogewichtete Bilanzsumme (RWA) der Bank um mehr als ein Drittel schrumpfen, und die Eigenkapitalquote steigt auch ohne Kapitalerhöhung. 100 Milliarden Euro der Summe kommen allein aus der Investmentbank. 45 Milliarden - ein Drittel - sollen schon Ende März aus der Bilanz verschwunden sein, Ende 2013 schon 80 Milliarden Euro.
Bis 2015 wird eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von 12 Prozent angestrebt. Im ersten Halbjahr 2012 lag sie bei 7,4 Prozent. Unter Führung von Josef Ackermann hatte die Bank sich 25 Rendite vorgenommen - vor Steuern. Die Erwartungen des neuen Vorstands entsprechen einer Vorsteuerrendite von 17 bis 18 Prozent.
Die Boni für Führungskräfte sollen sinken - und sie werden später ausbezahlt. Anstatt sie über drei Jahre in Raten ausgeschüttet zu bekommen, müssen die Banker nun fünf Jahre warten. Und nur wenn sich der Erfolg, der mit den Boni belohnt wurde, dann als dauerhaft herausstellt, sollen die Bonus-Aktien fließen. Ein Gremium externer Experten soll regelmäßig das allgemeine Gehaltsniveau überprüfen.
Die meisten Analysten halten die Kapitalausstattung der Bank für zu niedrig. Auf 7,2 Prozent kommt sie nur, wenn Anfang 2013 die schärferen Eigenkapitalvorschriften von Basel III in Kraft treten. Bis März 2013 sollen daraus acht Prozent werden, zwei Jahre später soll das Kapitalpolster in Form von Aktien und Gewinnrücklagen auf zehn Prozent wachsen. Das wäre mehr als die rund neun Prozent, die die Deutsche Bank langfristig nach dem Willen der Aufseher haben muss. Auf Kapitalerhöhungen will das Institut weiterhin verzichten.
Wachsen will die Deutsche Bank künftig vor allem in Asien. Dort seien jährliche Zuwachsraten von mehr als 20 Prozent beim operativen Gewinn möglich, in Deutschland und Amerika immerhin noch 10 bis 20 Prozent. In Deutschland will die Bank bis 2015 zehn Milliarden Euro mehr Kredite vergeben. Dagegen rechnet die Deutsche Bank damit, dass ihr Ergebnis im Rest von Europa in den nächsten drei Jahren schrumpft.
Die Deutsche Bank will künftig nicht mehr alle Geschäfte machen, nur weil juristisch nichts dagegen einzuwenden ist. Sie war unter anderem wegen Spekulationen mit Nahrungsmittel-Rohstoffen und Rüstungsunternehmen in die Kritik geraten.
Zwei Sparten sollen kräftig zulegen: Die Sparte Asset & Wealth Management (AWM) soll den Gewinn vor Steuern bis 2015 auf 1,7 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Ein Verkauf großer Teile der Sparte war gescheitert. Das Global Transaction Banking (GTB) soll bis 2015 einen Gewinn von 2,4 (2011: 1,0) Milliarden Euro vor Steuern abliefern. Die Privatkundensparte (PBC) hat für einen Gewinn vor Steuern von drei Milliarden Euro nun ebenfalls bis 2015 Zeit. Für die Investmentbank gilt nun das Ziel einer Eigenkapitalrendite von 15 Prozent nach Steuern - etwas mehr als im Konzern.
Die Privatbank Sal. Oppenheim, die einst mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigte, gehört seit der Beinahe-Pleite im Sommer 2009 zur Deutschen Bank und hatte nach mehreren Jahren harter Sanierung 2011 wieder die Gewinnschwelle erreicht. Noch im Frühjahr hatte Oppenheim-Chef Wilhelm von Haller die Krise für beendet erklärt. Doch seither weht bei der Mutter in Frankfurt ein anderer Wind. Die Deutsche Bank räumt auf ihrer Großbaustelle Vermögensverwaltung radikal auf.
Das Geschäft mit privaten und institutionellen Kunden wurde zur neuen Sparte Asset and Wealth Management (AWM) zusammengelegt. Der neue Chef des Bereichs, Michele Faissola, will eine "integrierte Plattform" schaffen, aktive und passive Produkte aus einer Hand anbieten und vor allem das Geschäft mit sehr reichen Privatkunden ankurbeln. Doppelstrukturen sollen beseitigt werden, damit AWM bis 2015 einen Vorsteuergewinn von 1,7 Milliarden Euro abwirft - mehr als doppelt so viel wie bisher.

es war eine gute Zeit - in den wenigen Jahren - bis zum Untergang - war es vom kollegialen Umfeld her, das beste was ich bis dato erlebt habe - Zitat eines IT Mitarbeites "die haben alle die Freundlichkeitspille löffelweise eingenommen".
Die fachlichen Gespräche waren immer auf höchsten Niveau, die internen Fortbildungsmöglichkeiten alleine per Intranet waren RIESIG - so eine Datenbank habe ich bei keinem anderen Arbeitgeber gesehen.
Und man wurde immer gut behandelt! auch als es dem "freiwilligen" Abschied nahe ging.
Das gelebte Privatbanking stirbt - so wie ich erfahre auch bei den anderen globalen Häuser, die sich feine Adressen in der Schweiz oder in Deutschland eingekauft haben - und diese Adressen werden Kunden verlieren - gut für die Metzler, Pictet etc

Als ehemalige Oppenheim-Angestellte kann ich sagen: da haben eine Menge feiner Menschen gearbeitet; allesamt hart arbeitend und sehr kunden- und outputorientiert. Es war eine tolle Zeit.

@FlashGordon, du solltest mal den Kopf zu machen und an die Mitarbeiter denken, die mal wieder über die Presse erfahren was mit ihrer traditionellen Arbeitsstelle passiert, die nur auf Fehler ehemaligen Gesellschafter zu dem geworden ist, was nun abgewickelt wird... Von einer Klitsche zu sprechen ist eine persönliche Beleidigung gegen sehr viele Menschen, die immer mit Herzblut, Leidenschaft und Einsatz ihren Job gemacht haben. Aber da hast du ja gar keine Ahnung von. Traurig.
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