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Deutsche-Bank-Tochter: Sal. Oppenheim streicht 330 Stellen

Die glorreichen Zeiten von Deutschlands größter Privatbank sind vorbei. Das Traditionshaus wurde schließlich von der Deutschen Bank geschluckt. Nun setzt ein Kahlschlag bei den Mitarbeiter ein: 330 Stellen fallen weg.

Düsternis über dem Bankhaus Sal. Oppenheim: 330 Stellen fallen weg. Quelle: dpa
Düsternis über dem Bankhaus Sal. Oppenheim: 330 Stellen fallen weg. Quelle: dpa

FrankfurtDer Kahlschlag bei der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim ist besiegelt: Bis Ende 2014 sollen 330 Vollzeitstellen wegfallen, wie die Deutsche-Bank-Tochter am Dienstag nach monatelangen Verhandlungen mit dem Betriebsrat ankündigte. Das sind mehr als ein Drittel aller Arbeitsplätze bei dem Traditionshaus, das die Renditeerwartungen der Mutter bislang nicht erfüllt, weil die Kosten aus dem Ruder laufen.

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Seit November war klar, dass ein Jobabbau „in signifikantem Umfang“ ansteht, jetzt nimmt er konkrete Formen an. Er soll möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen vonstattengehen und betrifft vor allem Verwaltungs- und IT-Einheiten. Vier Niederlassungen in Deutschland werden geschlossen: Bielefeld, Hannover, Bremen und Stuttgart.

„Uns ist bewusst, dass die Umsetzung des nun vereinbarten Personalabbaus für alle Beteiligten ein schmerzhafter Prozess sein wird“, erklärte der neue Sal-Oppenheim-Chef Wolfgang Leoni, der seit April das Ruder übernommen hat und die Sanierung der Privatbank zu Ende führen soll. Sein Vorgänger Wilhelm von Haller, den die Deutsche Bank Ende 2009 zur damals gerade übernommenen Krisentochter entsandt hatte, kehrte unlängst zur Mutter zurück, um sich dem Mittelstand zu widmen.

Sal. Oppenheim: Aufstieg und Niedergang

  • 1789

    Der 17-jährige Salomon Oppenheim gründet in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus.

  • 1798

    Oppenheim verlegt den Sitz des Unternehmens nach Köln.

  • 1904

    Die erste Krise: Nach Fehlinvestitionen in der Elektroindustrie wird die Bank in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Disconto-Gesellschaft, damals die zweitgrößte deutsche Bank, steigt bei Oppenheim ein.

  • 1929

    Die Gründungsgesellschafter sind wieder Alleineigentümer.

  • 1938

    Die Bankiers müssen auf Druck der Nationalsozialisten das Institut umfirmieren in Pferdemenges & Co. Robert Pferdemenges war seit 1931 Teilhaber und entpuppte sich als Retter in der Not.

  • 1947

    Das Bankhaus erhält seinen ursprünglichen Namen zurück.

  • 1964

    Der Ururenkel des Gründers, Alfred Baron von Oppenheim, wird persönlich haftender Gesellschafter. Er baut die Vermögensverwaltung als zweite Säule neben dem Firmenkundengeschäft aus.

  • 1993

    Die Oppenheim-Esch-Holding wird gegründet.

  • 1999

    Der Bereich Firmenkredite wird zum Großteil aufgegeben.

  • 2005

    Sal. Oppenheim steigt mit der Übernahme der BHF-Bank zur größten unabhängigen Privatbank Europas auf.

  • 2008

    Sal. Oppenheim wird durch Kredite an die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Großaktionär bei Arcandor. Die Pleite von Arcandor reißt Oppenheim in die Krise. Zudem fallen im Investment-Banking Verluste an.

  • 2009

    Matthias Graf von Krockow und Carl Janssen schließen den Einstieg eines externen Investors aus. Doch dann wird das Institut an die Deutsche Bank verkauft. Der Deal ist 2010 besiegelt. Die Tradition von 220 Jahren als eigenständiges Geldhaus sind vorbei.

Die mehr als 220 Jahre alte Privatbank Sal. Oppenheim war an ihrem Engagement beim pleite gegangenen Handelskonzern Arcandor fast zugrunde gegangen und wurde vom Branchenprimus aufgefangen. Nach mehreren Jahren harter Restrukturierung schreibt das Kölner Haus zwar wieder Mini-Gewinne. Sie reichen der Deutschen Bank aber nicht. Leoni muss nun Doppelfunktionen auflösen und Sal. Oppenheim abspecken. Er setzt darauf, dass viele Mitarbeiter einer Aufhebung ihrer Verträge per Abfindung zustimmen - die Gespräche laufen jetzt an.

Weitere 90 Mitarbeiter sollen zur Deutschen Bank und anderen Servicegesellschaften wechseln. Am Ende dürfte Sal. Oppenheim dann noch rund 450 Leute beschäftigten - zuletzt waren es 870, in den Boomzeiten sogar weit über 2000. Damals gehörte allerdings auch noch das Investmentbanking dazu, das längst abgestoßen ist.

Die Deutsche Bank ist derzeit dabei, ihre gesamte Vermögensverwaltung umzukrempeln und den neuen Konzernbereich Asset and Wealth Management aufzubauen. Er deckt aktiv gemanagte Fonds und passive Produkte ab und bedient die gesamte Kundenpalette vom Kleinsparer bis zum Profi-Anleger. Als Teil davon soll sich Sal. Oppenheim künftig als kleine, exklusive Marke auf reiche Privatkunden und ausgewählte institutionelle Investoren fokussieren - aber eben ohne die Infrastruktur einer Vollbank. Die Leine nach Frankfurt ist kurz.

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Wo möglich, soll fortan die IT der Deutschen Bank zum Einsatz kommen. Ein Großteil der Publikumsfonds, bei denen Sal. Oppenheim das Portfoliomanagement bislang selbst machte, wird an die erfolgreiche Fondsgesellschaft DWS abgegeben. Bereits zu Monatsbeginn kündigte die Deutsche Bank zudem an, große Familienvermögen künftig aus einer Hand zu verwalten: Die Oppenheim Vermögenstreuhand wurde mit der Wilhelm von Finck Deutsche Family Office verschmolzen - zur Deutschen Oppenheim Family Office AG.

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Wieviel Kosten die Deutsche Bank mit den harten Sparmaßnahmen bei Sal. Oppenheim rausholt, wurde zunächst nicht bekannt. Insider sprachen aber von einem bedeutenden Schritt nach vorne. Konzernweit sollen die jährlichen Kosten in der Deutschen Bank bis 2015 um 4,5 Milliarden Euro sinken.

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