
FRANKFURT. Unmittelbar vor Ende der ersten Bieterrunde verdichten sich die Hinweise, dass der Verkauf der BHF-Bank kein Selbstläufer ist: Die Personalwechsel im Vorstand der BHF, der Start des Verkaufsprozesses ausgerechnet jetzt mitten in der Sommerpause - all das führt nicht gerade dazu, dass der Verkauf reibungslos über die Bühne geht. Fraglich ist vor diesem Hintergrund, ob die Deutsche Bank als Eigentümer den anvisierten Preis in Höhe von mindestens 600 Mio. Euro durchsetzen kann. Die Ansichten darüber klaffen zwischen Interessenten und Verkäufern naturgemäß auseinander: Während aus Kreisen der Interessenten das Verfahren kritisiert und damit auch der Kaufpreis als zu hoch angesehen wird, ist man auf Verkäuferseite mit sich rundherum zufrieden. Bis zum Herbst werde es einen Käufer geben, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person dem Handelsblatt.
Für die heute ablaufende erste Bieterrunde werden von Insidern deutlich mehr als ein Dutzend nicht bindende Offerten erwartet. Doch als Interessenten mit Aussicht auf Erfolg kämen derzeit nur zwei Bieter infrage: die liechtensteinische LGT-Gruppe und die Schweizer Privatbank Julius Bär. Große Adressen - zuletzt wurde etwa über ein Engagement von BNP Paribas, Santander oder Credit Suisse spekuliert - dürften für die Deutsche Bank nicht akzeptabel sein. "Man will sich keine Konkurrenz im eigenen Lande heranziehen", hieß es. Erst vor wenigen Tagen hatte die Münchener Unicredit-Tochter HVB in Sachen BHF abgewinkt - obwohl man noch im Juni Interesse signalisiert hatte. Darüber hinaus solle mindestens "eine Handvoll Finanzinvestoren" auf die BHF-Bank schielen. Doch diese seien nicht bereit, einen Preis in der geforderten Höhe zu bieten.
Verkäufe von Banken sind derzeit alles andere als leicht. Die Finanzkrise sitzt den Instituten noch in den Knochen. Zwar übernahm die spanische Santander im Juli das deutsche Privatkundengeschäft der schwedischen Großbank SEB. Doch der Verkauf der WestLB-Immobilien-Tochter Westimmo wurde mangels akzeptabler Offerten auf Eis gelegt.
In Kreisen potenzieller Bieter wird bereits Kritik am Verkaufsverfahren laut. Denn die Deutsche Bank, die vergangenes Jahr durch den Kauf von Sal. Oppenheim automatisch die Kontrolle über die BHF-Bank erhielt, hatte sich zunächst monatelang Zeit gelassen. Dann wurden im Juli, mitten in der Sommerpause, plötzlich Verkaufsprospekte verschickt. Zugleich wurde das Management des Instituts, dem laufenden Verfahren zum Trotz, komplett umgebaut. So kamen mit dem Hausgewächs Frank Behrends und Ex-HVB-Finanzchef Rolf Friedhofen zwei neue Manager in den Vorstand. Damit nicht genug: Der parallel an der Spitze von Sal. Oppenheim stehende BHF-Chef Wilhelm von Haller nahm vergangenen Donnerstag den Hut. Nachfolger als Vorstandssprecher ist Björn Robens, bislang zuständig für das als Perle der Bank geltende Geschäft mit vermögenden Privatkunden (Private Banking). Seine Beförderung auf den Chefsessel signalisiert deutlich, dass der Bereich als der zentrale Geschäftsbestandteil betrachtet wird - obwohl andere Segmente im vergangenen Jahr deutlich besser verdienten.
Kritiker kolportieren aber auch, Robens habe auf den Chefposten gedrängt und andernfalls mit seinem Abtritt mitten im Verkauf gedroht, was von außen als schlechtes Signal wahrgenommen worden wäre. Angeblich hatte BHF-Aufsichtsratschef Stefan Krause zuvor auch extern nach Managern für die Spitze der Bank Ausschau gehalten. Weitere Veränderungen im Management sind nach wie vor nicht ausgeschlossen: Kapitalmarkt-Vorstand Loukas Rizos verfügt über eine sogenannte Change-of-Control-Klausel, die er jederzeit ziehen kann.
"Der Verkaufsprozess droht der Deutschen Bank zu entgleiten", sagte ein involvierter Banker. "Das, was hier derzeit passiert, wirkt auf mich wertschädigend." Möglicherweise wäre es sinnvoller gewesen, den Verkauf mit einem ernsthaften Interessenten exklusiv durchzuverhandeln - anstatt sich für eine Auktion zu entscheiden.