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Doppelinterview mit Nikolaus von Bomhard und Thomas Steffen: Bomhard: „Angst vor der Dominanz der Banken“

exklusiv Die EU will die Aufsicht über Banken und Versicherungen reformieren. Dabei könnte die Europäische Zentralbank (EZB) eine führende Rolle einnehmen. Was aber halten die Versicherer davon? Im Handelsblatt-Interview sprechen Nikolaus von Bomhard, Chef der Münchener Rück, und Thomas Steffen, Chef der europäischen Versicherungsaufsehervereinigung CEIOPS, über die neue Finanzordnung und die Sorge, kein Gehör zu finden.

Münchener-Rück-Chef von Bomhard: "Aus der Krise lernen." Quelle: ap
Münchener-Rück-Chef von Bomhard: "Aus der Krise lernen." Quelle: ap

Bei der Reform der Finanzaufsicht soll die Abstimmung zwischen den nationalen Behörden intensiviert, die Kleinstaaterei aber nicht abgeschafft werden. Ensprechende Vorschläge einer Expertengruppe um den ehemaligen französischen Finanzminister Jacques de Larosìère hat die EU-Kommission vergangene Woche ausdrücklich begrüßt.

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Die Larosière-Vorschläge sprechen der Europäische Zentralbank (EZB) im künftigen Finanzaufsichtssystem eine führende Rolle zu. Können die Versicherer damit leben?

Bomhard: Zunächst einmal ist es wichtig, aus der Finanzkrise zu lernen. So sind die Empfehlungen der Larosiere-Gruppe grundsätzlich zu begrüßen, auch und gerade weil sie ein starkes Plädoyer für eine eilige Einführung von Solvency II für die europäische Versicherungswirtschaft halten. Die Einrichtung eines Frühwarnsystems halte ich ebenfalls für dringlich.

Und die EZB?

Bomhard: Man kann ja überspitzt sagen: Versicherer haben immer Angst, von Banken dominiert zu werden. Aber im Ernst: Auch wenn die Arbeit der EZB unser aller Respekt verdient, so birgt die Zusammensetzung des im Bericht vorgestellten neuen Gremiums, des europäischen Rats für Systemrisiken (ESRC), mit nur einem Vertreter aus dem Versicherungsbereich die Gefahr einer allzu bankdominierten Sicht auf die systemischen Risiken.

Steffen: Ich habe keine Berührungsängste mit der EZB. Und auch die Versicherungswirtschaft sollte ihre Sorgen überwinden, weil die EZB mit ihrer makroökonomische Sicht auf die Finanzmärkte eine Expertise mitbringt, die bei den Versicherungsaufsehern bislang eher unterentwickelt war. Eine Zusammenarbeit mit der EZB kann sicherlich die Finanzmarktstabilität fördern.

Gilt das auch um den Preis einer Dominanz der Banken?

Steffen: Wir dürfen die Gestaltung der neuen Finanzordnung natürlich nicht dem Bankenbereich überlassen. Zur Schaffung eines effektiven Frühwarnsystems ist aber Sachverstand zur makroökonomischen Analyse internationaler Risiken und Märkte unbedingt nötig. Diese Expertise kann die EZB in den ESRC einbringen, damit wir frühzeitig wissen, welche „Party“ auf welchen Märkten gerade läuft. Das mag in China sein oder in den USA – eine nationale Aufsicht kann das alleine nicht wissen. Dann aber kommt der entscheidende Punkt, wie wir dieses Know-how für die Beaufsichtigung der Versicherungsunternehmen nutzen, die auf diesen Kapitalmärkten unterwegs sind

Ist denn sichergestellt, dass die EZB nicht in die Versicherungsaufsicht reinredet?

Steffen: Bei der Zusammenarbeit mit der EZB geht es ausschließlich um die makroökonomische Seite. Die EZB hat keine Expertise über Versicherungsrisiken. Die haben wir selbst. Es wäre sicherlich kontraproduktiv, wenn die EZB diese Expertise jetzt aufbauen wollte.

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