
DÜSSELDORF. Für die Schweizer war die Swissair mit viel mehr Emotionen verbunden als die UBS, sagt Hans Geiger, emeritierter Professor am Swiss Banking Institute der Universität Zürich im Gespräch mit Handelsblatt Online. "Die Swissair war ein schweizerisches Symbol mit dem Land im Namen und mit dem Schweizerkreuz auf dem Leitwerk." Die UBS betrachteten seine Landsleute nüchterner, waren aber angetan von deren internationalem Erfolg. "Banken sind in der Schweiz ohnehin nicht so beliebt." Hinzu kam, dass die UBS bewusst nicht als Schweizer Bank aufgetreten sei.
"Die Schweizer waren stolz auf die UBS, aber sie liebten sie nicht", stimmt Tobias Straumann im Gespräch mit Handelsblatt Online zu, Wirtschaftshistoriker und Privatdozent an der Universität Zürich. "Es stört die Leute nicht, dass sie zurechtgestutzt wird." Viel problematischer ist ihm zufolge, dass die Affäre der UBS um die Steuersünder in den Vereinigten Staaten das "völlig unklare Verhältnis zwischen Gerichten, Parlament und Exekutive" offenbart und die Institutionen aus dem Gleichgewicht gebracht hat. "Das hat das Vertrauen schwer erschüttert. So etwas habe ich noch nie erlebt. Man kommt an die Grenzen des Schweizer Systems."
Die UBS habe mit den Verfehlungen in den USA, nach denen sie dort quasi als vorbestraft gilt, die Finanzbranche und die Menschen in der Schweiz sehr enttäuscht, weil es nicht ins Bild gepasst habe, sagt Geiger: "Die Bank hat sich des Verstoßes gegen amerikanisches Recht für schuldig erklärt - und das in ihrem Kerngeschäft, der Vermögensverwaltung." Die UBS habe vielleicht als groß, arrogant und reich gegolten, "aber alle gingen davon aus, dass sie die Regeln einhält".
Bei der Auseinandersetzung geht es um Namen und Bankunterlagen von mehr als 4000 reichen Amerikanern. Sie sind Kunden der angeschlagenen Schweizer Großbank UBS und sollen mit Hilfe der Bank Steuern hinterzogen haben. Ursprünglich hatten sich die Bank und die Regierung in Bern bereiterklärt, deren Daten der US-Steuerbehörde preiszugeben und damit Amtshilfe zu leisten. Doch vor wenigen Tagen hat das Schweizer Bundesverwaltungsgericht eine bereits vereinbarte Auslieferung von vertraulichen Kundeninformationen der UBS an die USA praktisch verboten.
Pikanterweise ist es in Oswald Grübel nun kein Schweizer, sondern ein Deutscher, der die UBS aus dem Schlamassel holen soll. Das aber ist für die Eidgenossen kein Problem, da sind sich Geiger und Straumann einig. "Grübel wird als Schweizer betrachtet. Seine fast brutal offene, manchmal schroffe Art kommt hier gut an. Mit dem haben die Menschen kein Problem", sagt der Bankenprofessor. "Er gilt als Eigengewächs des Finanzplatzes Zürich", ergänzt der Wirtschaftshistoriker. Grübel will die Großbank an die Weltspitze zurückführen und hat im November angekündigt: "Wir bauen eine neue UBS. Die alte war schlecht gemanagt."