
FRANKFURT/ PARIS, Die französische Großbank BNP Paribas, Nummer des Landes, ist weiter beim maroden belgischen Finanzkonzern Fortis im Rennen. Der belgische Staat gab bekannt, dass eine neue Einigung mit den Franzosen gefunden wurde. Kleinere Anteilseigner, die eine Zerschlagung von Fortis bislang verhindert hatten, müssen der Einigung aber noch zustimmen.
BNP übernimmt demnach 75 Prozent der Fortis-Anteile vom belgischen Staat. Die restlichen 25 Prozent bleiben beim belgischen Staat. Laut BNP-Chef Baudoin Prot beläuft sich die Transaktion auf insgesamt 10,3 Mrd. Euro, wobei ein großer Teil in Aktien bezahlt wird. Der belgische Staat will im Gegenzug mit 11,6 Prozent bei der BNP einsteigen.
Die Fortis Bank will zudem 25 Prozent statt nur zehn Prozent des Versicherungsgeschäftes der Fortis-Holding erwerben. Dafür garantierte die BNP 1,375 Mrd. Euro. Die französische Großbank hatte zur Bedingung gemacht, dass der belgische Staat weiter Garantien übernimmt, wenn die Wirtschaftskrise sich zuspitzt und erhielt eine Garantie in Höhe von 1,5 Mrd. Euro. In den kommenden drei Jahren ist zudem im Notfall eine Finanzspritze von zwei Mrd. Euro geplant.
Die BNP hat bisher keine Niederlassungen in Belgien. Mit der Fortis-Übernahme würden die Franzosen zur größten Privatkundenbank in der Eurozone. Prot sprach von einer "strategisch wichtigen Operation". Doch vorher steht noch die Abstimmung der Kleinaktionäre an. Dazu soll es voraussichtlich Anfang April bei einer Aktionärsversammlung kommen. Der belgische Ministerpräsident Herman Van Rompuy erklärte, das Abkommen sei für die Aktionäre, Sparer und den Staat vorteilhaft. Ein Vertreter der Kleinaktionäre sagte dagegen, die Vorteile für die Aktionäre seien "begrenzt".
Schon mehrfach hatten die Aktionäre die Aufteilung von Fortis verhindert. Ende 2008 hatten sie durch gerichtlichen Beschluss eine Zerschlagung und den Teilverkauf an die BNP blockiert.
Die Finanzkrise hatte die Fortis-Gruppe zum Fall gebracht. Vor Ausbruch der Krise gehörte die im Bank und Versicherungsgeschäft tätige Gruppe nach Marktkapitalisierung zu den größten 20 Finanzkonzernen Europas. Doch mit der feindlichen Übernahme der niederländischen ABN Amro durch die britische Royal Bank of Scotland, Fortis und die spanische Santander begannen die Probleme. Schließlich wurde der Konzern im vergangenen Herbst in mehreren Schritten von den Benelux-Staaten gerettet und zerlegt. Eine Kapitalspritze über mehr als elf Mrd. Euro mit Minderheitsbeteiligung der Staaten Belgien, Niederlande und Luxemburg Ende September reichte nicht.
Anfang Oktober übernahm der niederländische Staat für weitere 16,8 Mrd. Euro den niederländischen Teil an Fortis. Drei Tage später zog der belgische Staat nach und investierte fünf Mrd. Euro für 99,93 Prozent der Fortis Bank Belgien. Gleichzeitig vereinbarten die Belgier mit der französischen Großbank BNP Paribas, dass diese 75 Prozent an der belgischen Bank erhält. Der Rest des noch börsennotierten Fortis-Konzerns ist ein Versicherungsanbieter mit zahlreichen bilanziellen Erblasten.
Die herausgelöste belgische Fortis Bank hat im Zuge der Rettung zwar neues Kapital bekommen, doch das Institut macht weiter Verluste. Im vierten Quartal fiel der Nettoverlust mit rund sechs Mrd. Euro sogar um eine Mrd. Euro höher aus als bisher angekündigt, denn ein erwarteter Sonderertrag blieb aus. Im Gesamtjahr 2008 hat die Bank rund 20 Mrd. Euro verloren. Die belgische Fortis Bank ist in Deutschland aktiv mit Leasing, nachhaltigen Investments und der auf Konsumentenfinanzierung spezialisierten von Essen Bank.