
ParisDie Rechnungslegungsvorschriften für Europas Banken klaffen nach Ansicht ihres obersten Aufsehers noch immer zu weit auseinander. Der Chef der EU-Bankenaufsicht EBA, der Italiener Andrea Enria, verteidigte am Mittwoch bei einer Anhörung in Paris den Vorstoß für ein einheitliches Regelwerk für die Branche gegen die Kritik vieler Aufseher. Die EBA habe festgestellt, dass sich für ein und die selbe Bank bei Anwendung von vier verschiedenen in der EU geltenden Bilanzregeln Kernkapitalquoten von sieben bis zehn Prozent errechneten.
Die Unterschiede in den Bilanzvorschriften in einzelnen Ländern hatten schon während des Blitz-Stresstests der EBA für Unmut gesorgt, weil sich italienische Häuser im Vergleich zu Banken in Frankreich und Deutschland übervorteilt sahen. Die EBA hat den 71 wichtigsten Banken in Europa aufgegeben, ihr Kapitalpolster bis Ende Juni auf neun Prozent zu schrauben.
Gerade Aufseher in Schweden und Großbritannien wehren sich gegen das „single rule-book“, weil sie schärfere Vorschriften für ihre Banken einführen wollen. „Wir brauchen die gleichen Regeln, aber mit etwas Flexibilität“, sagte Enria aber.