
FrankfurtEs ist dieses Gemenge aus messbarer Größe, Verletzlichkeit und ungewisser Zukunft, unter dem die Banken leiden. Probleme der Institute verstärkten sich in der Schuldenkrise gegenseitig, warnt deshalb die Wächterin über Europas Banken, die Europäische Zentralbank (EZB), in ihrem Finanzstabilitätsbericht. Und der neue EZB-Präsident Mario Draghi setzt noch eins drauf: Er denkt bereits mit Schrecken an das erste Quartal im nächsten Jahr, wenn Europas Banken und Staaten 220, beziehungsweise 270 Milliarden Euro an den Kapitalmärkten aufnehmen müssen.
Selten war die Gefahr so groß, dass aus der Bankenkrise des Jahres 2008 eine Kette des Leidens wird, die mit der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 ihre Erweiterung bekam und sich jetzt in der Staatsschuldenkrise fortsetzt. Doch Henning Vöpel, Leiter Geldpolitik am Hamburgischen Weltwirschafts-Institut (HWWI), befürchtet bereits eine neue Bankenkrise im nächsten Jahr, bevor die Weltwirtschaft wieder unter Druck gerät und ihr ein konjunktureller Abschwung zusetzt.
Und deshalb griff die Europäische Zentralbank (EZB) zu bisher nicht gekannten Maßnahmen: Die Währungshüter stützten das angeschlagene Bankwesen am Mittwoch mit einem Geldsegen von fast 500 Milliarden Euro. Die Kredite wurden erstmalig auf drei Jahre festgeschrieben. Damit können die Banken vom bisher niedrigsten Zinssatz von nur einem Prozent jährlich langfristig profitieren.
Das Geld fließt 523 verschiedenen Banken in der Eurozone zu. Sie bekamen so viel Geld, wie sie wollten, denn die EZB hatte zuvor versprochen, sämtliche Kreditanfragen zu erfüllen. Dafür müssen die Banken zwar Sicherheiten hinterlegen, teilweise können sie dafür jedoch Papiere nutzen, die sonst kaum einer am Markt haben will.
Die Summe von knapp einer halben Billion Euro lag ein gutes Stück über den Schätzungen. Hauptgrund dafür dürfte gewesen sein, dass mehrere Regierung und vor allem Spanien und Italien mehr oder weniger sanften Druck auf "ihre" Banken ausgeübt haben, bei der Geldvergabe keine Scham zu zeigen und kräftig zuzugreifen. Schließlich wollen die Politiker die ausreichende Versorgung der wirtschaft mit möglichst günstigen Krediten sicherstellen.
In der Euro-Zone stattet die Europäische Zentralbank (EZB) alle Banken mit Geld aus, indem sie mit ihnen sogenannte Offenmarktgeschäfte abwickelt. Dabei erhalten die Banken für einen vorher bestimmten Zeitraum Geld und müssen der EZB im Gegenzug Zinsen zahlen und bei ihr Sicherheiten dafür hinterlegen. Dies können verschiedene Wertpapiere sein, zum Beispiel Anleihen von Staaten, Pfandbriefe oder verschiedene andere Papiere.
Am wichtigsten für die EZB und die Banken ist das sogenannte Hauptrefinanzierungsgeschäft. Es findet jeden Dienstag statt und läuft genau eine Woche. Der Zinssatz, den die Banken bei dieser Refinanzierungsoperation der Notenbank bezahlen müssen, ist der wichtigste Zinssatz in Europa, weil von seiner Höhe alle anderen Zinssätze abgeleitet sind. Am Leitzins orientieren sich zum Beispiel Kreditzinsen, Hypothekenzinsen, Verzugszinsen oder die Zinsen fürs Sparbuch. Der von der EZB festgesetzte Leitzins liegt seit Juli bei 1,5 Prozent.
Technisch gibt es verschiedene Verfahren für einen Tender, wie Refinanzierungsgeschäfte einer Zentralbank mit ihren Banken auch genannt werden. Entweder gibt die EZB eine Summe vor, die sie dem Finanzsystem zur Verfügung stellen will oder sie fragt umgekehrt die Banken, wie viel Geld sie benötigen. Die Notenbank ist dabei weitgehend frei in ihrer Entscheidung, wie viel Geld sie dann auch tatsächlich zuteilt. Sie wird allerdings bei ihrer Entscheidung die Liquiditätsausstattung der Banken beachten und versuchen, sicherzustellen, dass alle Geldhäuser tatsächlich auch über ausreichend Geld verfügen. Wichtig dabei ist die Lage am Interbankenmarkt - einem weitgehend unbekannten Teil des Finanzmarktes, auf dem sich Banken untereinander Geld leihen.
Die am Interbankenmarkt aktiven Institute schauen sich die Banken genau an, mit denen sie Geschäfte machen wollen. Haben sie Zweifel an deren Fähigkeit, die ausgeliehene Liquidität samt Zinsen zurückzahlen zu können, drehen sie ihnen den Geldhahn ab - genauso einem von der Insolvenz bedrohten Unternehmen oder einen überschuldeten Häuslebauer. Vertrauen ist alles - seit der Pleite von Lehman Brothers im Herbst 2008 regieren jedoch auf dem Interbankenmarkt Angst und Misstrauen. Hinzu kommt seit vielen Monaten die Unsicherheit wegen der Schuldenkrise in mehreren südeuropäischen Ländern.
Vielen Banken, vor allem aus Griechenland, Portugal und Spanien, bleibt nur noch der Gang zur Tränke der EZB. Wenn diese im Falle einer Umschuldung keine Staatspapiere des betroffenen Landes mehr als Sicherheit bei den Repo-Geschäften akzeptieren würde, dann wäre das für die dortigen Banken verheerend. Damit dies nicht passiert und der Geldmarkt wie geschmiert läuft, legt die EZB mit einem Jahrestender und einem 13-Monatstender nun ein Instrument wieder auf, dass vor gut zwei Jahren bereits erfolgreich war. Damals legte die Notenbank drei solcher je ein Jahr laufender Refinanzierungsgeschäfte auf. Beim ersten dieser Tender besorgten sich mehr als 1000 Banken aus der gesamten Euro-Zone die Riesen-Summe von 442 Milliarden Euro. Ihr Vorteil: Planungssicherheit - denn der EZB müssen sie das Geld erst nach zwölf Monaten zurückzahlen und die EZB ist die sicherste Adresse, die man sich als Bank nur wünschen kann. Da sie theoretisch selbst Geld drucken kann, kann sie nämlich auch nicht pleitegehen - egal wie heftig die Krise tobt und egal wie viele normale Banken ihr zum Opfer fallen.
Welche Gefahren von den Großbanken ausgehen, zeigt ein Vergleich des Sozialprodukts der Heimatländer mit der Bilanzsumme. Die Ergebnisse sind erschreckend: In der Schweiz etwa sitzen mit Credit Suisse und UBS zwei Megabanken, deren Bilanzsumme fünfmal größer ist als das Bruttoinlandsprodukt der Eidgenossen. Dem folgen britische Institute mit dem Faktor vier. Und die französischen Großbanken überragen in der Bilanzsumme das Sozialprodukt um das Dreifache. In Deutschland liegt die Bilanzsumme von Commerzbank und Deutscher Bank indes knapp über dem Sozialprodukt.
Zwar sind sich die einzelnen Staaten der Gefahren bewusst, und gerade in der Schweiz fordert die Finanzaufsicht einen extra hohen Eigenkapitalpuffer, das „Swiss Finish“. Doch in der Öffentlichkeit redet man die Gefahr klein und verweist auf die nationalen Rettungssysteme und die Erfolge der Krisenbekämpfung der Jahre 2008 und 2009. In Spanien spricht man sich gar mit dem Argument Mut zu: Die einzige G-Sifi-Bank des Landes, Banco Santander, werde angesichts des gut laufenden Südamerika-Geschäfts schon nicht zum Problemfall.
Das Problem ist ja auch, dass die Banken für diese Kredite teilweise gar keine Sicherheiten hatten und sich diese erst selbst "basteln" mußten. So wie die FTD gestern schrieb haben z.B. 14 italienische Banken am Dienstag noch schnell eigene Anleihen von 40 Milliarden aufgelegt und sie vom Staat garantieren lassen um sie dann am Mittwoch an die EZB als Sicherheit für Kredite weiter zu reichen.
Na dann, wenn es so einfach ist....
Genauso, wie es im Artikel steht, "die Banken profitieren", ist es!
Wer ernsthaft glaubt, dass diese Unsummen der Realwirtschaft zufliessen und letztlich den Menschen zugute kommen, ist in der jetzigen Jahreszeit bestens bei den Weihnachtsmärchen aufgehoben.
" ... Schließlich wollen die Politiker die ausreichende Versorgung der wirtschaft mit möglichst günstigen Krediten sicherstellen ..."
Günstige Kredite heißt: Lasst den Sparer bluten, weil der typische Sparer eh nur der kleine Mann ist! Also, kleine Männer, runter mit dem Geld von euren Konten, lasst das Blut in die andere Richtung fließen, was zwar Krieg gegen euch bedeutet und die damit einhergehende Zerstörung eures Geldes, aber so wird es auch nicht anders kommen, und mit diesem Schritt könnt ihr wenigstens sicher stellen, dass die, die euer Geld am Gewissen haben werden, wenigstens auch so wenig wie möglich davon haben. Langsam sieht es immer mehr danach aus, als würde ein Krieg vorbereitet – Wirtschaftskrieg haben wir ja schon.
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