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Ex-Deutsche-Bank-Chef: Mirow löst Kopper als Chefaufseher bei der HSH Nordbank ab

Der ehemalige Deutsche Bank-Vorstand Hilmar Kopper legt sein Amt als Chefaufseher der krisengeschüttelten HSH Nordbank zu Ende Februar vorzeitig nieder. Den Posten übernimmt der frühere Hamburger Senator Thomas Mirow.

Hilmar Kopper: Der 77-Jährige geht bei der HSH Nordbank schon Ende Februar von Bord. Quelle: SAP/dpa
Hilmar Kopper: Der 77-Jährige geht bei der HSH Nordbank schon Ende Februar von Bord. Quelle: SAP/dpa

DüsseldorfHilmar Kopper tritt vorzeitig als Aufsichtsratsvorsitzender der krisengeschüttelten HSH Nordbank ab. Das teilte die Bank am Freitag in Hamburg mit. Demnach wird Kopper spätestens zum 28. Februar ausscheiden. Den Entschluss habe der 77-Jährige dem Vorstandsvorsitzenden der Bank, Constantin von Oesterreich, bereits Mitte Dezember 2012 mitgeteilt und gleichzeitig die Anteilseigner über die Amtsniederlegung informiert.

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Neuer Aufsichtsratschef soll der frühere Hamburger Wirtschaftssenator Thomas Mirow werden. Die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein schlugen den SPD-Politiker als Nachfolger von Kopper vor. Der 60-Jährige war auch Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und zuletzt Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung.

„Mir ist bewusst, dass vor der HSH Nordbank eine weitere sehr schwierige Wegstrecke liegt“, sagte Mirow bei seiner Vorstellung auf einer Pressekonferenz in Hamburg. „Aber es steht für den Steuerzahler im Norden wie auch für die Wirtschaft in unserer Region viel auf dem Spiel.“

Thomas Mirow soll neuer Chefaufseher bei der HSH Nordbank werden. Quelle: Reuters
Thomas Mirow soll neuer Chefaufseher bei der HSH Nordbank werden. Quelle: Reuters

Oesterreich wies darauf hin, dass Kopper bereits bei seinem Amtsantritt Mitte 2009 erklärt hatte, das Mandat lediglich für die Dauer von maximal drei Jahren übernehmen zu wollen. Kopper habe die Bank „in einer ihrer schwierigsten Phasen begleitet und sich große Verdineste bei der Neuausrichtung des Instituts erworben“, sagte Oesterreich.

Biographie Hilmar Kopper

  • Geburt

    Am 13. März 1935 wird Hilmar Kopper im westpreußischen Oslanin geboren. Seine Eltern haben einen Bauernhof.

  • Zweiter Weltkrieg

    Die Familie flieht 1944 nach Westen, Kopper ist da neun Jahre alt.

  • Ausbildung

    Kopper macht Abitur und beginnt danach im Jahr 1954 eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Rheinisch-Westfälischen Bank im Rheinland. „Mach doch mal eine Banklehre, das schadet nichts“, habe es damals geheißen.

  • Aufstieg bei der Deutschen Bank

    Die Rheinisch-Westfälische Bank wird in den 1950er-Jahren zur Deutschen Bank und Kopper legt einen bemerkenswerten Aufstieg hin. 1958 wechselt er nach Köln, macht dann eine Weiterbildung in den USA, wird 1969 Filialleiter in Leverkusen. Sieben Jahre später ist er Vorstandsmitglied.

  • Beförderung zum Vorstandssprecher

    Den Sprung an die Spitze der Deutschen Bank im Jahr 1989 hat Kopper tragischen Umständen zu verdanken. Sein Vorgänger als Sprecher des Vorstands, Alfred Herrhausen, wird von Terroristen ermordet.

  • Peanuts-Affäre

    Als Sprecher des Deutsche-Bank-Chefs ist Kopper einer der wichtigsten Vertreter der deutschen Wirtschaft. Doch ein Zitat aus der Zeit hängt ihm für immer an: „Peanuts“ nennt er im Jahr 1994 ausstehende Handwerksrechnungen nach der Aufsehen erregenden Pleite des Immobilieninvestors Jürgen Schneider. Es ging um 50 Millionen D-Mark (fast 25 Millionen Euro).

  • Wechsel in den Aufsichtsrat

    Im Mai 1997 wechselt Kopper an die Spitze des Deutsche-Bank-Aufsichtsrats, sein Nachfolger als Konzernchef wird Rolf E. Breuer.

  • Karriere nach der Karriere

    Ab 1998 ist Kopper auch Aufsichtsratschef der Daimler-Benz AG und überwacht damit die Übernahme des US-Autoherstellers Chrysler – eine folgenschwere Fehlentscheidung für den Konzern. Bis 2007 bleibt Kopper dennoch Aufsichtsratschef.

  • HSH Nordbank

    Als Sanierer und Retter wird Kopper zur kränkelnden HSH Nordbank geholt. Er legt sein Amt jedoch vor Ende des Vertrages nieder. Umstritten war unter anderem ein von Kopper geschlossener Aufhebungsvertrag mit dem Ex-HSH-Vorstandschef Dirk Nonnenmacher.

  • Privates

    Seit 2003 ist Hilmar Kopper mit der Witwe und dritten Ehefrau von Ex-Bundeskanzler Willy Brandt, Brigitte Seebacher-Brandt, in zweiter Ehe verheiratet.

Die HSH Nordbank kommt derzeit nicht aus den negativen Schlagzeilen. Im Oktober hatte Vorstandschef Paul Lerbinger überraschend sein Amt aufgegeben; Presseberichten zufolge setzte Kopper Lerbinger vor die Tür, ohne sich mit den Finanzministern in Hamburg und Kiel abzusprechen. Im November teilte die Bank mit, sie sei durch faule Kredite in Schwierigkeiten geraten; die Länder - und damit die Steuerzahler - müssten von 2019 bis 2025 für Verluste bis maximal 1,3 Milliarden Euro garantieren.

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Gegen Ex-Vorstandschef Jens-Uwe Nonnenmacher ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen interner Bespitzelungs- und Manipulationsvorwürfen; im November wurden Wohnungen Nonnenmachers durchsucht.

  • 11.01.2013, 14:41 Uhrdidi1

    @Realist
    Schön, dass Sie sich mal wieder äußern. Habe Ihre inhaltlich fundierten Kommentare vermißt.

  • 11.01.2013, 13:58 UhrRealist

    "Wichtig ist, dass die Bank sich auf Ihr Kerngeschäft besinnt, nämlich Firmenkunden in Norddeutschland, europäische Schiffskredite und den heimischen Immobilienmarkt"

    Genau das geht NICHT! Sc hriffskredite sind das PROBLEM, weil in großem Umfang leistungsgestört! Firmenkunden in Norddeutschland werden bestens versorgt; der Markt ist besetzt. Ebenso die Immobilienfinanzierung.

    Die Bank KANN nicht saniert werden, ohne massive weitere Steuergelder. Kopper mag schwach gewesen sein; Schuld an der Misere haat er nicht. Auch der umstrittene Dr. No ist nicht Verursacher der Krise. Schuld sind die größenwahnsinnigen, raffgierungenun völlig unfähigen Politiker der Zeit von ca. 1999 bis 2009. Zudem versagte die Bankenaufsicht!

  • 11.01.2013, 13:53 UhrRealist

    " ... wie sich die HSH aus dem Schlamassel wieder herausarbeiten wird...."

    Schon in diesem Satzteil steckt viel Unkenntnis: Die HSH kann und wird sich nicht aus dem Schlamassel rausarbeiten. Schon garnicht "wieder". (Hat sie nämlich noch nie.)

    Die HSH ist praktisch chancenlos. Vom neuen Geschäftsmodell faselt man schon über 3 Jahre. Problem: Der Markt der Zielgruppe ist dicht besetzt und hart umkämpft. Die HSH will also in einem Verdrängungswettbewerb Neugeschäft gewinnen, in dem sie wegen ihres immensen Abschreibungsbedarfs sogar viel verdienten will?? Das ist nicht machbar, das ist einfach nur peinlich!
    Zum Anderen sind die Assets voller "Müll". Den guten Part hat man schon veräußert. Da schien es so, als könnte die Sanierung gelingen. Nun wird es langsam eng, denn aus der Bilanz sind die Perlen verkauft; der Schrott ist noch da.

    Die Länder wollen sich nur bis zum Auslaufen der alten Gewährträgerhaftung retten (Mitte 2015). Dann reden wir wieder über Kapitalschnitt, Gläubigerbeteiligung und Einlagensicherungssysteme. Garantiert!

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