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Existenzängste statt Boni: Tausende Investmentbanker bangen um ihre Jobs

Die Euphorie vom Jahresanfang ist verflogen. In den großen Investmentbanken wird nicht mehr über höhere Boni gesprochen, sondern über drohende Entlassungen. Das Hauptproblem: Viele Firmen haben sich auf einen anhaltenden Boom eingerichtet – und sind damit auf dem falschen Fuß erwischt worden.

Britische Großbank Barclays: 400 Jobs in Asien, Europa und den USA stehen auf der Kippe. Quelle: dpa
Britische Großbank Barclays: 400 Jobs in Asien, Europa und den USA stehen auf der Kippe. Quelle: dpa

NEW YORK/LONDON/FRANKFURT. Ausgerechnet der Wonnemonat Mai hat den Investmentbankern die Stimmung verdorben. Als die europäische Schuldenkrise Angst und Schrecken an den Märkten verbreitete, zogen sich viele Investoren zurück und fuhren ihre Risiken deutlich herunter, mit massiven Folgen für die Banken: Die Handelsabteilungen, die in den ersten drei Monaten des Jahres noch üppige Gewinne eingefahren hatten, verdienten plötzlich sehr viel weniger Geld. Im Schnitt brachen die Einnahmen aus dem Geschäft mit Anleihen, Aktien, Devisen und Derivaten im zweiten Quartal um 35 Prozent ein. Damit geriet die Geldmaschine, die den Banken nach der Finanzkrise satte Profite beschert hatte, plötzlich ins Stottern.

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Offiziell wollen die Investmentbanken zwar noch nichts von einer Krise wissen. Hinter vorgehaltener Hand warnen viele Banker in New York und der Londoner City aber vor Einstellungsstopps und gar Entlassungen, sollte sich die Stimmung an den Märkten nicht schnell bessern. Erste Alarmzeichen gibt es bereits. Nach Informationen aus Finanzkreisen stehen bei der britischen Großbank Barclays rund 400 Jobs in Asien, Europa und den USA auf der Kippe. Bedroht seien vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung und der Abwicklung bei der Investmentbanken-Tochter Barclays Capital, hieß es.

Die Briten haben diesen Bereich nach der Finanzkrise mit der Übernahme des US-Geschäfts der Pleitebank Lehman Brothers kräftig ausgebaut. Ende Juni beschäftigte Barclays Capital 25 500 Mitarbeiter, 3 600 mehr als ein Jahr zuvor. Im zweiten Quartal mussten die Investmentbanker von Barclays allerdings einen Einbruch der Einnahmen um 15 Prozent hinnehmen, und Analysten warnten, dass die Kosten im Kapitalmarktgeschäft davonliefen.

Entlassungen gelten als unvermeidbar

Einige Experten fürchten, dass Barclays nur der Anfang ist und bald auch andere Banken damit beginnen werden, beim Personal zu sparen. „Es ist unvermeidbar, dass wir gegen Ende des Jahres Entlassungen in größerem Umfang sehen werden“, sagte Jonathan Evans von der Personalberatung Sammons Associates zu Reuters. Andere sind nicht ganz so pessimistisch, aber der Tenor der Experten ist eindeutig: Die Euphorie vom Anfang des Jahres ist verflogen, die Nervosität wächst. Nach den schwachen Zahlen des zweiten Quartals sei offenkundig, dass die Boni am Jahresende „nicht so süß“ ausfallen könnten wie 2009, sagt Stephane Rambosson, dessen Personalberatung Veni Partners von London und Paris aus operiert: Die Frage sei inzwischen nicht mehr, ob sich die Banken von Personal trennen müssten, sondern nur noch, zu welchem Zeitpunkt.

Hauptproblem ist, dass sich viele Firmen auf einen anhaltenden Boom eingerichtet haben und damit auf dem falschen Fuß erwischt wurden. Einer Analyse des US-Fachblatts „Financial News“ zufolge haben die sechs führenden Investmentbanken in USA und Europa zuletzt gut 15 Prozent weniger Umsatz erzielt als im Durchschnitt der letzten fünf Quartale. In diesem Zeitraum sei aber der Personalbestand um fünf Prozent aufgestockt worden – ein offenkundiges Missverhältnis. Weil die US-Regulierer in Washington auf eine Abspaltung des riskanten Eigenhandels drängen, um künftige Finanzkrisen besser beherrschbar zu machen, gibt es bei den Investmentbanken ohnehin Restrukturierungsbedarf. Morgan Stanley plant die Abspaltung seines Hedgefonds-Geschäfts FrontPoint Partners, bei Goldman Sachs wird über die Zukunft der Eigenhandels-Sparte spekuliert. Laut der kürzlich verabschiedeten US-Finanzrefom dürfen Banken nur noch in geringem Ausmaß auf eigene Rechnung handeln und mit maximal drei Prozent ihres Eigenkapitals an Hedge-Fonds und Private-Equity-Fonds beteiligt sein.

Das verunsichert die Branche. „Einige Häuser stellen zwar nach wie vor ein, aber andere verhängen bereits Einstellungsstopps“, heißt es beim Londoner Headhunter Heydrick & Struggles. „Wir wissen nicht, was das zweite Halbjahr bringen wird“, räumt Andrew Evans, Managing Director beim Personalvermittler Morgan McKinley ein.

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