
DÜSSELDORF/LONDON. Unter dem Strich verdiente Goldman Sachs im zweiten Quartal 2,7 Mrd. Dollar (1,9 Mrd Euro). Hinter den Kulissen ist auch bei Instituten wie Morgan Stanley, Credit Suisse oder Deutscher Bank von einem erfreulichen zweiten Quartal die Rede. Doch paradoxerweise sorgt ausgerechnet diese Tatsache für Belastungen in der Gewinn- und Verlustrechnung der Banken.
Grund ist die Bewertung der eigenen Schulden. Kaum einen Aspekt im Zusammenhang mit der Bewertung von Bilanzpositionen zum Zeitwert (Fair Value) diskutieren Experten so kontrovers wie die Behandlung der Verbindlichkeiten. Denn die internationalen Bilanzierungsstandards verpflichten die Banken, jede Veränderung der eigenen Kreditwürdigkeit erfolgswirksam zu erfassen. Das heißt: Eine Verschlechterung der Bonität führt zur Buchung von Erträgen. Umgekehrt muss eine Bank Verluste buchen, wenn sich ihre Kreditwürdigkeit verbessert.
Hintergrund der scheinbar paradoxen Regel: Fällt der Marktwert der Verbindlichkeiten einer Bank unter den Wert, mit dem die Schulden in der Bilanz erfasst sind, könnte die Bank die Verbindlichkeiten theoretisch günstiger am Markt zurückkaufen, und diesen Bewertungsgewinn dürfen die Institute in ihren Büchern erfassen. Diese Gewinne halfen während der Finanzkrise, die Verluste aus toxischen Wertpapieren wenigstens teilweise auszugleichen.
Jetzt, wo es den Geldhäusern wieder etwas besser geht, droht diese Bilanzierungspraxis allerdings zur Belastung zu werden. Denn im zweiten Quartal haben sich nicht nur die Aktienkurse vieler Institute erholt, auch die Risikoprämien am Anleihemarkt sind deutlich gesunken. Deshalb kündigte die Schweizer Großbank UBS Ende Juni an, dass sie im zweiten Quartal Ergebniseinbußen als Folge der Neubewertung der eigenen Verbindlichkeiten verkraften muss. Analysten beziffern diese auf bis zu eine Mrd. Schweizer Franken.