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Fannie und Freddie: Gefährliches Wachstum der Bankenriesen

Die Versuche, das US-Finanzsystem zu stabilisieren, könnten nach hinten losgehen. Die beiden Riesen Freddie Mac und Fannie Mae dürften noch stärker wachsen - und das Systemrisiko vergrößern.

Das Logo von Freddie Mac. Quelle: AP
Das Logo von Freddie Mac. Quelle: AP

New YorkDie internationale Regulierung der Großbanken droht in den USA nach hinten loszugehen. Ausgerechnet die beiden größten ungelösten Problemfälle am US-Finanzmarkt, die Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae, dürften Experten zufolge nun noch schneller wachsen und damit langfristig eine noch größere Bedrohung für die Stabilität des Finanzsystems der weltgrößten Volkswirtschaft darstellen.

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Das liegt an den höheren Kapitalanforderungen für Großbanken weltweit, die vom Basler Ausschuss, einem internationalen Aufsichtsgremium, vor kurzem beschlossen wurden. Dadurch werden Immobilienfinanzierungen weniger lukrativ. "Angesichts der neuen Kapitalanforderungen für die Großbanken glauben wir, dass diese sich im Hypothekengeschäft noch mehr zurückhalten werden", sagte Karen Shaw Petrou, Geschäftsführerin der auf Regulierungsfragen spezialisierten Unternehmensberatung Federal Financial Analytics, dem Handelsblatt. "Die direkte Folge davon ist, dass Freddie und Fannie bei der Baufinanzierung einspringen müssen und noch größer werden", erwartet die Expertin.

Für Freddie und Fannie gelten Sonderregeln

Denn merkwürdigerweise gelten die neuen Regeln für die beiden Finanzgiganten nicht, weil sie nach amerikanischem Recht keine Banken sind. Ihre historisch bedingte Zwitterstellung lässt sie quasi neben dem Bankensystem existieren. Das Problem: Beide Immobilienfinanzierer sind auch drei Jahre nach der Finanzkrise immer noch angeschlagen. 2008 konnten nur staatliche Garantien ihren Kollaps vermeiden. Die Analysten der Ratingagentur Standard & Poor's rechnen damit, dass die Rettung den Steuerzahler am Ende rund 280 Milliarden Dollar kostet.

Unter dem Schirm des Staats sind die beiden Institute seit der Krise aber nicht kleiner und damit weniger gefährlich, sondern noch größer geworden. Ihre Bilanzsummen stiegen um mehr als das Dreifache (siehe Grafik). Weil Banken sich bei der Immobilienfinanzierung bereits jetzt zurückhalten, besitzen oder garantieren Freddie und Fannie nun die Hälfte der 10,4 Billionen Dollar an Hypotheken, die Kunden in den USA aufgenommen haben. Und der Anteil wächst stetig, weil die Großbanken zwar weiter Baufinanzierungen vergeben, diese aber meist sofort an Freddie und Fannie weiterverkaufen. Die beiden Immobilienfinanzierer sind aus politischen Gründen gehalten, diese Papiere auch weitgehend anzukaufen.

Die Banken ihrerseits halten immer weniger Hypotheken in der eigenen Bilanz. Und ihre Bereitschaft, diese in den eigenen Büchern zu halten, dürfte in Zukunft weiter schrumpfen, weil der Basler Ausschuss ihnen bis zu 2,5 Prozentpunkte höhere Kapitalquoten verordnet hat.

Die vermutliche Nebenwirkung dieser Vorgabe: Das Größenwachstum von Freddie Mac und Fannie Mae dürfte sich weiter beschleunigen. Dabei meinen es die Regulierer nur gut. Sie wollen erreichen, dass die Wall-Street-Banken nicht noch größer werden. Denn höhere Eigenkapitalquoten bedeuten, dass bestimmte Geschäfte weniger profitabel sind. Sie zwingen so die Banken, ihre Bilanzsummen zu verkleinern oder zumindest deren Wachstum zu bremsen. Denn nach der Bankenrettung von 2008 sollen Institute nie wieder so groß werden, dass ihre Pleite das gesamte Finanzsystem mit in den Abgrund ziehen kann. Nie wieder sollten Finanzinstitute "too big to fail" sein, wie dieses Phänomen im Bankerjargon heißt.

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