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Finanzaufsicht: Risiko-Geschäfte der Banken wandern ins Dunkel ab

Die strengen Auflagen für Banken führen dazu, dass riskante Geschäfte ins Dunkel der Finanzwelt abwandern. Finanzprofis und Aufseher liefern sich ein Wettrennen und meist tricksen die Schattenbanken die Aufsichtsbehörden aus.

Immer mehr Geschäfte werden im Schatten ausgehandelt Quelle: dpa
Immer mehr Geschäfte werden im Schatten ausgehandelt Quelle: dpa

ZÜRICH. Die Arbeit der Finanzwächter gleicht oft dem aussichtslosen Rennen zwischen Hase und Igel. Immer wenn die Aufseher glauben, die Nase vorn zu haben, häufen die Finanzprofis hinter ihrem Rücken neue Risiken an. In Grimms Tiermärchen besteht der Trick des Igels darin, dass er einen Doppelgänger am Ziel platziert, einen Schatten-Igel sozusagen. In der heutigen Finanzwelt tricksen Schattenbanken die Aufsichtsbehörden aus.

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Während die Finanzaufsicht gerade für die Banken schärfere Kapitalregeln (Basel III) erlassen hat, häufen Hedge-Fonds, Private-Equity-Gesellschaften, aber auch Handelsfirmen und Geldmarktfonds neue Risiken an, die auf den Radarschirmen der Aufsichtsbehörden nicht sichtbar sind. "Wir müssen aufpassen, dass wir außerhalb der Bankenwelt keine neuen Monster kreieren", warnte Jamie Dimon, Chef der amerikanischen Großbank JP Morgan Chase, kürzlich vor den Gefahren des Schattenreichs.

Dabei ist der Schatten bereits jetzt größer als das Original. Nach Angaben der US-Notenbank belaufen sich die Verbindlichkeiten der Schattenbanken in den USA auf rund 16 Billionen Dollar und sind damit größer als die des traditionellen Banksektors. Mario Draghi, Chef des mit internationalen Finanzwächtern besetzten Financial Stability Board (FSB), will diese Schattenwelt jetzt stärker beleuchten. Nicht nur die systemwichtigen Banken müssen demnach mit strengeren Auflagen rechnen, sondern auch die größten Nicht-Banken. Denkbar sind höhere Kapitalpolster, aber vor allem mehr Transparenz.

Flucht vor den neuen Kapitalregeln

Die Aufgabe ist umso dringlicher, als die neuen Kapitalregeln die Banken dazu veranlassen, riskante Geschäfte in die Schattenwelt zu verschieben. Bereits während der Finanzkrise sorgte diese "regulatorische Arbitrage" dafür, dass Risiken in unkontrollierte Zweckgesellschaften versteckt wurden oder Versicherungen wie AIG heimlich hochriskante Wetten eingehen konnten. Heute gründen Handelsprofis der großen Investmentbanken ihre eigenen Hedge-Fonds, weil den Banken selbst der Eigenhandel fast gänzlich verboten wurde. Ein ganzes Handelsteam von Goldman Sachs wechselt im Januar zum Finanzinvestor KKR. Auch Fortress und Citadel drängen in Geschäfte, die früher von Banken dominiert wurden.

Analysten wie Kian Abouhossein von JP Morgan sehen Private-Equity-Firmen und Hedge-Fonds bereits als die großen Gewinner der Finanzreform. Sie können hohe Risiken eingehen, müssen dafür aber nicht wie die Banken Kapitalpolster bilden. Wenn sich die Finanzwächter nur auf die Banken konzentrierten, warnt Citigroup-Chef Vikram Pandit, bestehe die Gefahr, dass im Schattenreich jene Strukturen wiederhergestellt würden, die zur letzten Krise geführt hätten.

Pandit warnt nicht nur aus Sorge um die Stabilität des Finanzsystems, sondern auch weil er fürchtet, dass ihm die Schattenwesen das Geschäft streitig machen und insbesondere die Gelder reicher Privatkunden und institutioneller Anleger an sich ziehen.

  • 03.12.2010, 18:49 UhrAnonymer Benutzer: Denkerist

    interessant ist doch auch die Frage, wo denn das viele Geld zum Zocken herkommt. Gestern konnten wir im Hb lesen, daß die "investoren" gezwungen werden, geld anzulegen, weil sie zu viel haben.

    Mir sind da gleich die 10 Mio Menschen ohne richtig bezahlte Arbeit, die vielen geschlossenen städtischen Einrichtungen eingefallen, das desolate bildungssystem ....

    Vielleicht haben wir ja auch einen Systemfehler in der Verteilung der Gewinne der Unternehmen?

  • 03.12.2010, 15:48 UhrAnonymer Benutzer: Melanie Gatzke

    Diese ganze Mauschelei wäre ganz schnell erledigt.
    Frage von Jörg M.:
    zitat:Und wer kommt dann dafür auf? Die Steuerzahler wieder. Und die nimmmersatten banker kassieren wieder ihre boni. -------
    richtig, noch ist es so- leider der Steuerzahler.
    begreifen die Politiker den immer noch nicht, dass es so nicht funktioniert?
    Wollen sie weiter Hase und igel spielen, sich zum Narren halten lassen?
    Die Konsequenz muß heißen: keine Rettungsmanöver mehr durch den Staat. Wer sich verspekuliert, der hat Pech gehabt. bankrott gehen lassen. Nur so wird dieser bande das Wirtschaften wieder gelehrt.
    Solange alle dauernd beteuern, das ginge nicht, solange feiern die fröhliche Urständ- sie sind sich sicher, der Retter kommt. Knallhart untergehen lassen. Diese Weicheier in berlin machen sich doch langsam lächerlich.
    Anderfalls gehen wir garantiert unter.Was dann kommt, ist noch viel schlimmer, als eine bankrotte bank.Die nehmen doch die Politik überhaupt nicht mehr ernst und daran sind die Politiker selbst schuld.

  • 03.12.2010, 11:13 UhrAnonymer Benutzer: Eckhard Behrens

    Warum drängen die banken in das Schattenreich, obwohl die Regulierungen alle sehr vernünftig sind? Sie wollen vor allem eine Fristentransformation erreichen, weil die Anleger ihnen die Ersparnisse am liebsten nur kurzfristig zur Verfügung stellen. Wenn man die Anleger ökonomisch motiviert, die Ersparnisse den normalen banken so langfristig zur Verfügung zu stellen, wie sie selbst entbehren können, können die banken auf die Fristentransformation verzichten, die sie heute weitgehend außerhalb ihrer bilanzen im Schattenbereich betreiben.
    Rechtlich kann man die Anleger nicht zwingen, in den mittel- und den langfristigen bereich zu gehen, aber ökonomisch kann man die volkswirtschaftlich notwendige Verhaltensänderung durchaus herbeiführen, wenn man nur will. Es bedarf dazu im kurzfristigen Anlagebereich deutlich negativer Realzinsen. Diese kann man durch niedrige nominale Leitzinsen in Kombination mit dauerhaft stabilen inflationsraten von "nahe, aber unter 5%" herbeiführen.
    Wer dieser unbequemen Wahrheit ausweicht, bleibt auf dem von ihnen treffend geschilderten Weg des Hase-und-igel-Spiels der Finanzwelt, auf dem die bankenaufsicht immer das Nachsehen haben wird.
    Mehr dazu unter:
    http://www.sffo.de/sffo/2010-07_FdF_Lehren%20aus%20der%20Finanzkrise.pdf
    oder
    http://tinyurl.com/2g22z29
    Eckhard behrens, Heidelberg

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