
DÜSSELDORF. Das Vertrauen der Kunden, dass ihre Berater das Beste für sie herausholen wollen und nicht für sich selbst, müssen sich die Finanzdienstleister erst wieder hart erarbeiten. Ein Großteil dieses Vertrauens ist im Zuge der Finanzkrise verloren gegangen und dem Argwohn gewichen, dass die Investmentexperten bei Anlageempfehlungen in erster Linie auf die eigene Provision schielen.
Ein derzeit viel diskutierter Weg, das Vertrauen zurückzugewinnen, ist die Honorarberatung. Dabei bezahlt der Klient eine Beratungsgebühr, die sich meist nach dem Zeitaufwand oder der Vermögensperformance richtet, er muss aber keine versteckten Kosten fürchten. Denn der Berater oder das Geldinstitut erhalten im Unterschied zum bislang üblichen Modell keinerlei Vertriebsprovision, sondern verdienen nur an den Kundenhonoraren. Der Berater unterliegt nicht dem Druck, provisionsträchtige - oder als Bankangestellter: hauseigene - Finanzprodukte an den Mann bringen zu müssen.
In Deutschland fristet die Honorarberatung mit rund einem Prozent Marktanteil noch ein Nischendasein, während sie im Ausland bereits eine größere Rolle spielt. In Großbritannien soll die Beratung gegen Honorar in wenigen Jahren sogar gesetzlich vorgeschriebener Standard sein. Nach Ansicht einiger Experten wird sie auch hierzulande in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Wer sich ernsthaft für eine Karriere im Beratungsbereich interessiert, sollte sich also mit dem Thema auseinander setzen.
Angestellte Honorarberater arbeiten in Deutschland vor allem bei einem der wenigen Geldinstitute wie der Quirin Bank, die sich diese noch seltene Form der Beratung auf die Fahnen geschrieben haben. Der überwiegende Teil allerdings ist selbstständig tätig. Wobei hier eine Definitionslücke klafft: Den Honorarberater als klar umrissenes Berufsbild gibt es in Deutschland noch nicht. Wie die Leitlinien aussehen könnten, formuliert Dieter Rauch, Geschäftsführer des Verbundes Deutscher Honorarberater (VDH): "Honorarberater dürfen sich nur ihr Wissen und ihren Zeitaufwand vergüten lassen. Sie müssen neutral und transparent arbeiten, und sie dürfen weder offene noch versteckte Vergütungen von Fondsgesellschaften oder Versicherern annehmen."
Wie das in der Praxis funktioniert, lehrt zum Beispiel das IFH Institut für Honorarberatung, eine Tochter des VDH. Es bietet einen dreimonatigen Lehrgang mit dem Abschluss "Geprüfter Honorarberater (IFH)" an, der auf eine Existenz als selbstständiger Berater vorbereitet. Der Kurs vermittelt Basiswissen zu unterschiedlichen Honorarmodellen, rechtlichen Fragen und zum Aufbau eines Kundenstamms. Zielgruppe sind nicht nur Finanzberater mit Berufserfahrung, sondern auch Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge sowie Bankmitarbeiter, die es in die Freiberuflichkeit drängt.
Das Einkommen eines selbstständigen Honorarberaters richtet sich nach der Anzahl seiner Klienten und seinem Beratungsaufwand. Je nach Vergütungsvereinbarung ist es auch von der Größe des betreuten Vermögens abhängig. Für eine Erstberatung können zwischen 90 und 250 Euro berechnet werden, weitere Beratungsstunden kosten im Schnitt rund 130Euro.
Wer sich für Karrieremöglichkeiten als angestellter Honorarberater interessiert, ist bei der Quirin Bank gern gesehen. "Wer zu uns kommt, ist hoch motiviert und offen für Neues", sagt Sandra Eppler, Personalleiterin des Finanzinstituts in Berlin. Voraussetzung ist ein Abschluss in Wirtschaftswissenschaften oder Jura sowie absolvierte Praktika im Finanzbereich. Als "Vermögensbegleiter", so der Unternehmensterminus, bekommen die Berater zusätzlich zu ihrem Festgehalt einen Anteil der Honorare ausgezahlt. Und da diese auch von der Entwicklung des Klientenvermögens abhängen, "gewinnt der Berater, wenn der Kunde gewinnt", sagt Eppler. Wenn das keine vertrauensbildende Maßnahme ist.
Als freier Makler (und damit selbstständiger Kaufmann) verfolge ich die Diskussion schon lange und mit großem interesse. Leider wird sie, von jeder Seite mit interessen, sehr schwarzweiß geführt. Ja, es gibt die versteckten Provisionsinteressen bei vielen Marktteilnehmern; doch ja, es gibt auch jene Makler, die während des beratungsprozesses die Provisions- bzw. Courtagesätze gar nicht im Sinn haben, sondern strikt nach Kundenwunsch und Produktqualität / Tarifbedingungen selektieren. Gleichermaßen gibt es offensichtlich auch bei den (kostenpflichtigen) beratungen der Verbraucherschutzzentralen Licht und Schatten.
ich selbst stehe dem Thema Honorar mehr als offen gegenüber, denn mehrere Stunden Analyse, Gespräch und Dokumentation z. b. im Falle von Haftpflicht- oder Sachversicherungen für eine Courtage von 15 bis 60 Euro pro Jahr lassen Stundensätze sehr lukrativ erscheinen. in der Praxis des freien Maklers sind es nämlich vorwiegend diese Verträge und weniger die berühmten 2.500-Euro-Courtage-Rentenversicherungen, die immer durch die Medien geistern, die das Tagesgeschäft bestimmen. Ebenso die Nachbetreuung der Verträge bei Kundenfragen, im Schadenfall oder bei Datenänderungen, für die keinerlei zusätzliche Vergütung erfolgt.
Als Mischkalkulation funktioniert dies - doch wenn nun beispielsweise jeder Makler zu entscheiden hätte, ob er NUR Courtage- oder NUR Honorargeschäft betreibt, rechne ich persönlich damit, dass Kunden sich künftig fallweise die für sie günstigere Variante wählen. Wo man also 2.000 Euro Courtage sparen kann, geht man gerne zum berater gegen Honorar und zahlt stattdessen vielleicht 1.000 oder 1.500 Euro - doch zum gleichen Stundensatz wird man kaum die Haftpflicht-, Rechtsschutz- oder Wohngebäudeversicherungen wahrnehmen. Hier wird dann der "Courtage-Makler" gewählt, der jedoch nur von diesem Geschäft nicht existieren kann.
Wenn wir zum Honorar wechseln wollen, sollte m. E. der einzelne Makler die Freiheit haben, die Vereinbarung mit jedem Kunden nach dessen Wünschen zu schließen, damit die betreuung aus einer Hand, die frei eben nicht an eine große Organisation gebunden ist, auch in Zukunft möglich bleibt.
Honorarberatung funktioniert ohne Zweifel nur dort, wo beratung und Produkte strikt getrennt angeboten werden. Leider gibt es berater, die im bemühen um Umsatz oder Zuwachsraten (z.b. im bankenbereich) lediglich eine angedeutete Honorarberatung anbieten. Oder parallel den Provisionsvertrieb betreiben. Nichts verwerfliches, nur die Transparenz darf nicht leiden: der Kunde muss einfach und verständlich unterscheiden und wählen können. Ja, Finanzberatung kann auch verständlich sein. Es ist nur eine Frage der Zeit, der Zeit, die ich mir für jeden Kunden nehme. Nur der berater, der betriebswirtschaftlich sauber und konsequent rechnet (oder rechnen kann) und dabei die langfristige Kundenbindung ständig vor Augen hat, wird es schaffen, Honorar-Stundensätze unterhalb von 100€ anbieten zu können. Und auch hier gilt: Gier frisst Hirn! Nur mal so betrachtet: 150 Euro/STd. x 4 Std. beratung/Tag x 20 Tage/Monat ergeben ein Monatshonoarumsatz von?
Obigen Kommentar stimme ich zu deutlich mehr als 90 % zu.
Wenn man es wirklich hinkriegt, dass auch die (verschwindend geringen) Honorarberater tatsächlich ihre beratungsempfehlung nicht doch wieder über sog. Dritte ummünzen, dann sind wir der bedarfsgerechten, dem Kundenvorteil bedachten beratung, einen Meilenstein näher gerückt.
Doch wie sieht es mit der Zahlungsbereitschaft aus, 150.- die Stunde zu zahlen?
Hier liegt der Hund begraben. Vom Verkaufsdruck an den Schaltern und den Agenturbüros abgesehen.
Schrott, ja Schrott wird viel verkauft.
immerhin gibt die EU-Vermittlerrichtlinie den Takt vor. Die Eignung Finanzprodukte wird immer wichtiger, obwohl die Praxis auch zeigt, dass es viele Wege gibt, die "Eignungsprüfung" zu umgehen.
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