
ben/rüd/HB NEW YORK. Die Investmentbank Goldman Sachs gibt trotz eines Milliardengewinns zum Jahresauftakt noch keine Entwarnung in der Finanzkrise. Die Bank schätze die kurzfristigen Aussichten weiter zurückhaltend ein, sagte Goldman-Finanzchef David Viniar am Dienstag in New York in einer Telefonkonferenz. "Es ist immer noch ein gefährliches Umfeld."
Der Überschuss von Goldman Sachs kletterte im ersten Quartal zum Vorjahr um 13 Prozent auf fast 1,7 Mrd. Dollar (1,3 Mrd. Euro). Der Gewinn fiel weit höher aus als von Experten erwartet. Die Bank musste erneut milliardenschwere Abschreibungen etwa für faule Kreditpapiere vornehmen. Im letzten Geschäftsquartal 2008 hatte Goldman Sachs noch den ersten Milliardenverlust seit dem Börsengang vor zehn Jahren erlitten.
Das bislang schon eher glimpflich durch die Finanzkrise gekommene Geldhaus zog die Bekanntgabe seiner Quartalszahlen überraschend um einen Tag vor und wies dabei am Montag nach US-Börsenschluss einen Gewinn von 1,66 Mrd. Dollar aus. Allerdings gab sie zugleich einen Verlust von einer Mrd. Dollar für den Dezember 2008 bekannt. Der Monat ist aufgrund einer Umstellung des Bilanzierungszeitraums weder in den Zahlen zum vierten Quartal 2008 noch in denen zum ersten Quartal 2009 enthalten. Goldman Sachs plant nun eine milliardenschwere Kapitalerhöhung zur Rückzahlung von Staatshilfen. Damit will sich das Institut dem Griff der US-Regierung entziehen.
Nach fast zwei Jahren Krise hoffen Anleger nun auf den Beginn einer Erholung und gute Zahlen auch anderer US-Banken in den kommenden Tagen. Gestützt auf kräftige Kursgewinne bei Finanzwerten überwand der Dax am Dienstag seine Anfangsschwäche und legte bis zum Nachmittag knapp 1,5 Prozent auf 4558 Punkte zu.
Analysten aber reagierten uneinheitlich auf die Goldman-Aussagen. Gewinn und Umsatz der Bank hätten zwar die Erwartungen der Fachleute klar geschlagen, sagte etwa David Trone, Analyst bei Fox-Pitt Kelton. Die Bewertung der Aktien sei aber mit dem Blick auf die Fundamentaldaten, die insgesamt schwächer als von Trone erwartet ausgefallen seien, ziemlich hoch.
Andere Experten erhöhten derweil ihre Kursziele für die Aktien und verwiesen etwa auf den verbesserten Ausblick. Durch Ankündigung der Kapitalerhöhung allerdings, die den Gewinn je Aktie der Altaktionäre schmälern wird, sackten Goldman-Titel an der Börse zwischenzeitlich um 5,7 Prozent auf rund 122 Dollar ab. Seit Mitte Januar hat sich der Börsenwert der Bank indes mehr als verdoppelt.
"Das ist ein weiteres Zeichen dafür, dass der Finanzsektor das Schlimmste hinter sich hat", kommentierte etwa Keith Wirtz von Fifth Third Asset Management die neuesten Zahlen. Michael James von Wedbush Morgan verwies allerdings darauf, dass Goldman am Montag keinen Ausblick für die kommenden Monate vorlegte. Tatsächlich zeigten sich viele Analysten eher skeptisch.