
FRANKFURT. Der Bankensektor erlebt nach der Finanzkrise derzeit einschneidende Veränderungen. Ihm steht eine stärkere Regulierung ins Haus, die Eigenkapitalanforderungen nehmen zu und in den nächsten Jahren dürfte auch die Profitabilität nachlassen. Nach einer Dekade im Zeichen wachsender Globalisierung wird voraussichtlich "eine Rückbesinnung auf den Heimatmarkt im Mittelpunkt stehen", schreiben die Analysten vom Deutsche Bank Research. Auf politischer Ebene muss der enorme Vertrauens- und Reputationsverlust verarbeitet werden, den die Banken - nicht zuletzt durch die Boni-Diskussion - erlitten haben.
Diese beiden Trends werden den Förderbanken in den kommenden Jahren in die Hände spielen. Ihr - gemessen an der schillernden Welt des Investmentbankings - eher konservatives Geschäftsmodell erlebt eine ungeahnte Renaissance. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der "Kreditmediator" Hans-Joachim Metternich den Förderbanken bei der Finanzierung des Mittelstands eine tragende Rolle zuschreibt. Mit der Einbindung der regionalen Handwerks- und Handelskammern sowie der Förder- und Bürgschaftsbanken einschließlich der bundeseigenen KfW will er erreichen, dass die Partner vor Ort mit der Hausbank und den Firmen jeweils passende Finanzierungslösungen finden. Diese Struktur könnte sogar Vorbildcharakter in Europa bekommen. "Das deutsche Modell der Förderbanken könnte sich zu einem Exportschlager entwickeln, wenn andere EU-Staaten als Konsequenz der Krise über den Aufbau ähnlicher Strukturen nachdenken, die außerhalb des Bankenmarktes funktionieren", sagt Karl-Heinz Boos, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB).
Die regionalen Förderbanken können im Grunde mit zwei Pfunden wuchern: Sie sind relativ unbeschadet durch die Finanzkrise gekommen und ihre Glaubwürdigkeit ist weitgehend weder durch gigantische Schieflagen noch durch Untreue-Ermittlungen angekratzt worden. Auch die KfW ist nach dem millionenschweren Patzer bei der Überweisung an die insolvente US-Investmentbank Lehman Brothers wieder in ruhigeres Fahrwasser gekommen.
Auch wenn die Förderbanken ein relativ konservatives Geschäftsmodell betreiben, so verhalten sie sich dennoch nicht statisch. Vielmehr müssen sie sich an die ständig wechselnden Herausforderungen anpassen. Zwar stehen üblicherweise zinsgünstige Darlehen im Vordergrund, die in Kooperation mit den Hausbanken durchgeleitet werden. Zunehmend wichtiger wurden in den vergangenen beiden Jahren aber auch Haftungsentlastungen und Bürgschaften.
Trotz aller Anstrengungen ist die Gefahr einer Kreditklemme im nächsten Aufschwung aber noch nicht gebannt. Der VÖB hatte sich zwar wiederholt dafür eingesetzt, die Bankbilanzen durch die Verbriefung von Krediten zu entlasten und Raum zu schaffen für Neugeschäft. Der Einsatz begrenzter staatlicher Garantien für diese Verbriefungen fand aber ein eher negatives Echo in der Berliner Politik. Der private Bankenverband BdB konnte sich besser in Szene setzen, weil er Qualitätsstandards und ein Gütesiegel in den Vordergrund stellte.
Neben der Kreditversorgung ist die Eigenkapitalausstattung der mittelständischen Firmen in den Blickpunkt geraten, da bei vielen Unternehmen das Kapitalpolster im Zuge der Wirtschaftskrise aufgezehrt ist. Hier haben die Deutsche Bank und die Sparkassen größere Initiativen angekündigt - das bereits bestehende Angebot an Nachrangkapital der KfW und der Förderbanken ist dadurch etwas in den Hintergrund gedrängt worden. Hier bedarf es eher einer Informationskampagne, damit die Leistungen und die Angebotspalette der Förderinstitute wieder in Erinnerung gerufen werden.
Außerdem dürfte auch die Bereitstellung von Wagniskapital für junge Gründer und Technologiefirmen im Jahresverlauf wieder an Gewicht zunehmen. Wenn erst einmal eine Kreditklemme verhindert ist, werden längerfristige Perspektiven für die heimische Volkswirtschaft auf die Agenda kommen. Da einige private Venture-Capital-Gesellschaften tendenziell geschwächt werden durch die Zurückhaltung der Banken bei der Bereitstellung von Fremdkapital, wächst wieder die Bedeutung der regionalen Risikokapitalgeber.
In der Vergangenheit haben die Förderbanken mit ihren Wohnungsbau-, Umweltschutz- und Infrastrukturprogrammen wesentliche Impulse für die Konjunktur geben können. Mittlerweile haben sie sich bereits einem weiteren Feld zugewandt, das sie in Zukunft noch stärker beackern wollen: "Die Herausforderungen des demographischen Wandels werden ohne den gezielten Einsatz von Fördermitteln, gerade auch auf regionaler Ebene, nicht zu bewältigen sein", meint VÖB-Manager Boos.
Auf dem Portal Für-Gründer.de gibt es einen Überblick über die gegebenen Förderbanken in ganz Deutschland. Eine Liste der Investitionsbanken (sortiert nach Bundesländern) erleichtert die Suche nach einem Fördermittelgeber für beispielsweise die Existenzgründung. Hier ist der Link: http://www.fuer-gruender.de/kapital/foerdermittel/foerderbank-im-profil/
Liebe Grüße, Julia
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