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Finanzkommunikation: Verloren im Netz

Börsen, Banken und andere Finanzdienstleister haben Web-Videos für sich entdeckt und wollen damit neue Kundengruppen erschließen. Doch die ersten Schritte zeigen: Es ist schwer, Videos im Netz zu platzieren, ohne sich zu blamieren und Geld zu versenken.

von Christian Kirchner und Thomas Knüwer
Alle wollen zu Youtube. Manche versuchen lustig zu sein, obwohl es gar nicht zu ihnen passt. Foto: AP
Alle wollen zu Youtube. Manche versuchen lustig zu sein, obwohl es gar nicht zu ihnen passt. Foto: AP

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Sein Name ist Tom Winkler. "Journalist", wirft er dem Betrachter lässig seine Berufsbezeichnung entgegen, während er sein Auto durch die dunkle Stadt lenkt. Er sieht aus wie ein C&A-Model und spricht mit der deutschen Stimme von Brad Pitt. Mit dunkler Wollmütze auf dem Kopf bricht er nachts in Museen oder Konzernzentralen ein und nennt das Recherche.

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Natürlich ist Tom Winkler kein Journalist, sondern die Hauptfigur im pathostriefenden, neunminütigen Werbefilm des Hamburger Fondsanbieters HCI. Untermalt von dramatischer Streichorchestermusik enthüllt der Journalisten-Schauspieler sein Rechercheergebnis: eine neue Form der Ölplattform sei das Renditeobjekt der Zukunft. Statt Fakten transportiert der Film eine Tom-Cruise-Ästhetik. Zu sehen ist das unfreiwillig komische Werk auf der Homepage von HCI. Das Unternehmen ist dem trügerischen Lockruf der Internet-Videos erlegen.

"Eine neue Ära der Kommunikation - auch für Finanzdienstleister" sei angebrochen, schreiben die Analysten der Deutschen Bank in einer Branchenstudie. Innovationsfreudige Finanzdienstleister nutzten das Web, um sich neue Kundengruppen zu erschließen - das Web 2.0 biete gewaltige Chancen. Allein: Erfahrung haben die wenigsten Entscheider mit diesem neuen Web, dessen Dienste sich dadurch auszeichnen, dass ihr Nutzen exponentiell mit der Zahl der Anwender steigt. Nur jede achte Bank-Führungskraft sieht im Web 2.0 nach einer Studie des Beratungsunternehmens PPI einen Erfolgsfaktor. Entsprechend wenige tummeln sich im Netz.

Neue Kundengruppen? Gewaltige Chancen? Das ist - abgemischt mit der Angst, etwas zu verpassen - der Humus, in dem lukrative Beratungsmandate für Agenturen entstehen. Und so drängen Online-Agenturen die Unternehmen zu Web-Videos. Denn die sind scheinbar leicht zu produzieren und noch leichter zu verteilen - praktisch ein Fernsehen ohne kritische Rückfragen von Journalisten.

Scheinbar.

Die ersten Schritte der Finanzbranche demonstrieren, wie schwer es ist, Bewegtbilder im Netz zu platzieren, ohne sich zu blamieren und sein Geld zu versenken. Beispiel: Deutsche Börse. Ende April stellte sie acht Filmchen mit Börsenerklärungen für Anfänger auf dem Filmportal Youtube ein. Billig dürften sie nicht gewesen sein, immerhin moderiert RTL-Frontfrau Frauke Ludowig durch die mit Börsenprominenz gespickten Clips. Dazwischen tauchen Handlungsstränge auf unterem Seifenopern-Niveau auf. So erkundigt sich ein Daniel bei seiner Liebsten Dorothea: "Wie war das Laufen?" Sie antwortet: "Kalllllt!" Was die perfekt gedrechselte Überleitung darstellt: "Genau darüber will ich mit Dir reden", sagt Daniel - er will Geld anlegen, um sich eine Finca in Spanien leisten zu können.

Mager wie die Dialoge ist die Resonanz: Die Abrufzahlen bewegen sich nach zwei Monaten zwischen 300 und 1 000. Dies sei gemessen an der doch komplexen Thematik ein Erfolg, heißt es bei der Deutschen Börse. Schließlich gebe es die Filme auch kostenlos als DVD.

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