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Finanzkrise: Commerzbank-Chef stellt alle Boni infrage

Die Commerzbank reagiert auf die Debatte um Boni-Zahlungen für das Krisenjahr 2008: Der Vorstandsvorsitzende Martin Blessing hat harte Einschnitte bei der Zahlung der leistungsabhängigen Prämien im gesamten Konzern bis hinunter zum Kundenberater angekündigt. Ärger im eigenen Haus ist damit quasi programmiert. Unterdessen will ein weiterer Top-Banker freiwillig auf seine Sonderzahlung verzichten.

Commerzbank-Chef Martin Blessing will den Bankmanagern die Boni streichen. "Unternehmen, die Verluste machen, haben keinen Bonus zu verteilen" rechtfertigte er die Ankündigung. Quelle: ap
Commerzbank-Chef Martin Blessing will den Bankmanagern die Boni streichen. "Unternehmen, die Verluste machen, haben keinen Bonus zu verteilen" rechtfertigte er die Ankündigung. Quelle: ap

FRANKFURT. Der vor kurzem ausgeschiedene Chef der Investmentbanksparte der Dresdner Bank, Stefan Jentzsch, will nach Angaben aus seinem Umfeld keinen Bonus in Anspruch nehmen. "Sollte er trotzdem einen Bonus bekommen, wird er ihn einer Stiftung zuführen", erfuhr das Handelsblatt. bereits am Donnerstag war bekannt geworden, dass der ebenfalls vor wenigen Wochen ausgeschiedene Dresdner-Chef Herbert Walter auf seinen Bonus verzichten will. Dem Vernehmen nach geht es um rund 3,5 Mio. Euro.

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„Man kann nur verteilen, was man verdient hat“, sagte Commerzbank-Chef Martin Blessing am Donnerstagabend vor mittelständischen Unternehmern in Frankfurt. Ein Bonus sei zwar auch von der persönlichen Leistung des jeweiligen Mitarbeiters abhängig. In erster Linie orientiere er sich aber am wirtschaftlichen Gesamterfolg des Arbeitgebers. Blessing lobte in diesem Zusammenhang Walters Entscheidung ausdrücklich. "Daran sollte sich so manch einer in unserer Branche ein Beispiel nehmen", sagte er.

Die Commerzbank war zuletzt in die Negativschlagzeilen geraten, weil bei der übernommenen Dresdner Bank bereits im Sommer Boni von 400 Mio. Euro für Investmentbanker zugesagt wurden. Das Institut hat der Dresdner 2008 Milliardenverluste beschert. Als Reaktion auf die Ankündigung der Commerzbank, den Bonustopf nochmals zu überprüfen, hatten einzelne Betroffene mit Klagen gedroht.

Ankündigung trifft alle

Mit seinen drastischen Worten reagiert Blessing auch auf den Sturm der Entrüstung seitens der Politik. Denn die Commerzbank ist bislang mit 18,2 Mrd. Euro Staatskapital gestützt worden. So hatte beispielsweise CDU-Finanzexperte Otto Bernhardt gefordert, gegebenenfalls müsse der Gesetzgeber gegen die überzogenen Ansprüche der Investmentbanker vorgehen.

Die Ankündigung Blessings könnte allerdings auch im eigenen Haus die im Privat- und Firmenkundengeschäft arbeitenden Banker gegen ihn aufbringen. Anders als im Investment-Banking geht es in diesen Bereichen in aller Regel keineswegs um Beträge von mehreren 100 000 Euro oder gar Millionen. Vielmehr honoriert hier der Bonus etwa die Leistung des Kundenberaters am Schalter oder der Sekretärin und ist für manche kaum verzichtbarer Bestandteil des Gehalts.

Hinzu kommt, dass den Dresdner-Bankern bereits Ende Oktober eine gewisse Prämienhöhe versprochen wurde. "Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass der Vorstand für das Kalenderjahr 2008 ein Bonusvolumen in Höhe von 100 Prozent des Bonusvolumens 2007 - angepasst an den Mitarbeiterstand 2008 - pro Funktion und Division zugesagt hat", hatte es damals in einer Hausmitteilung geheißen.

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