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Finanzkrise: Kaupthing-Kunden: Es gilt das Prinzip Hoffnung

Es ist eine Reise ins Ungewisse, eine Suche nach dem verschwundenen Geld. Aber die kleine Delegation deutscher Anleger der verstaatlichten isländischen Kaupthing Bank hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Auf Island wollen sie herausfinden, was aus ihrem Geld geworden ist. Was sie in Reykjavik bei Kaupthing erwarten wird, wissen sie selbst noch nicht.

Die Zentrale der isländischen Kaupthing-Bank. Foto: dpa Quelle: dpa
Die Zentrale der isländischen Kaupthing-Bank. Foto: dpa Quelle: dpa

REYKJAVIK. Hoffnung steht in ihre Gesichter geschrieben. Eine kleine Abordnung deutscher Anleger der verstaatlichten isländischen Kaupthing Bank hat sich auf den Weg nach Island gemacht. Dort findet am heutigen Donnerstag ein Gläubiger-Treffen von Kaupthing-Kunden statt. Allein in Deutschland warten rund 30 000 Kleinsparer auf die Auszahlung ihrer eingefrorenen Guthaben, die sich auf insgesamt rund 300 Mio. Euro belaufen sollen. Zinsen von 5,65 Prozent hatten sie diese Bank wählen lassen.

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„Wir hoffen, hier neue Informationen zu erhalten“, sagt Dirk Schwarz, einer der Initiatoren der Anleger-Reise vor dem Abflug. Er hatte gleich nach der Verstaatlichung der drei isländischen Großbanken Kaupthing, Landsbanki und Glitnir im Herbst ein Internet-Forum für betroffene Kleinsparer eröffnet. Dort tauschen die Anleger ihre Sorgen und Ängste vor dem Verlust des Ersparten aus und haben jetzt eine Abordnung nach Island geschickt.

Was sie in Reykjavik erwarten wird, wissen sie selbst noch nicht. Die Kaupthing Bank will die besorgten Sparer über den neuesten Stand der Dinge informieren. Und der hat sich in letzter Zeit immer wieder verändert und ein Wechselbad der Gefühle ausgelöst: Nach der Sperrung der Konten im vergangenen Herbst war da die Angst, alles verloren zu haben. Denn der isländische Einlagenfonds wollte ursprünglich nicht für ausländische Anleger einspringen. Nach massiven, auch politischen Protesten betroffener Ländern hieß es dann, der Sicherungsfonds würde bis zur Höhe von knapp 21 000 Euro einspringen. Doch Island war nahezu pleite, konnte den Verpflichtungen gar nicht nachkommen. Selbst der Milliardenkredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) änderte nichts daran. Dann ein Lichtblick, als die Bundesregierung nach langem Zögern Island einen Kredit über rund 300 Mio. Euro bewilligte. Bedingung: Die deutschen Sparer sollten ausgezahlt werden.

Erneute Verunsicherung, als bekannt wurde, dass die mittlerweile nach Massenprotesten zurückgetretene isländische Regierung den Kredit gar nicht beansprucht hatte. Ihr waren vermutlich die Zinsen zu hoch. Die neue isländische Regierungschefin Johanna Sigurdardottir versicherte nun dem Handelsblatt, dass ihre Übergangsregierung „alles tun wird, um die Unsicherheiten zu beseitigen“. Zusagen wollte sie allerdings nicht machen, da schon am 25. April eine neue Regierung gewählt wird. Ob sie dann weiterhin als Krisenmanagerin arbeitet, ist nicht sicher.

Zunächst, so erklärt die 66-Jährige, wolle man mit Hilfe ausländischer Experten die Sachlage durchforsten. Und die ist nach der Regierungsübernahme am Montag dieser Woche sehr unklar: Immerhin forderte Sigurdardottir in einer ihrer ersten Amtshandlungen den Zentralbankchef zum Rücktritt auf. Die Führung der Finanzaufsicht musste schon gehen. Nachfolger sind noch nicht benannt, so dass es gar keine direkten Ansprechpartner gibt. Zentralbank und Finanzaufsicht werden vorgeworfen, zu lange dem ungehemmten Expansionsdrang der drei Banken tatenlos zugeschaut zu haben. Ihre Übernahmen im Ausland wurden größtenteils über Schulden finanziert, die sich auf rund das Zehnfache des isländischen Bruttoinlandsprodukts beliefen. „Es waren 20 bis 30 Menschen, die nur an ihren eigenen Profit und nicht ans Gemeinwohl gedacht haben“, fasst Sigurdardottir ihre harsche Kritik an den Bankern gegenüber dem Handelsblatt zusammen.

Bei Kaupthing in Reykjavik will man vor dem Gläubigertreffen nichts sagen. Vorsorglich hat man einen Saal für ein paar Hundert Leute angemietet. „Das Wichtigste ist jetzt, wieder Vertrauen zu schaffen“, sagt Islands neue Regierungschefin mit Adresse an ihre 320 000 Landsleute, die schwer unter der Krise leiden. Die meisten Isländer haben Kredite in Euro aufgenommen und können sie nach dem Wertverfall der isländischen Krone um fast zwei Drittel kaum noch zurückzahlen. Dirk Schwarz und seinen Mitstreitern bleibt derzeit nur das Prinzip Hoffnung.

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