
ben/ebe/mm/pk/rut NEW YORK/LONDON /FRANKFURT. Beim Gipfeltreffen praktisch aller Bankenchefs an der Wall Street im Gebäude der New Yorker Zentralbank war bis zum Redaktionsschluss am späten Sonntagnachmittag New Yorker Zeit noch keine Lösung gefunden worden. Vielmehr brach eine der möglichen Rettungsoptionen weg, weil die britische Barclays Bank ihr Übernahmeangebot zurückzog. Barclays habe sich mit der US-Seite nicht über eine Begrenzung der bei Lehman noch drohenden Risiken einigen können, sagte ein Sprecher der Bank am Sonntag in London der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Auch der britische Sender BBC sowie "New York Times" und "Wall Street Journal" berichteten, Barclays habe sich zurückgezogen. Es gebe allerdings noch immer Hoffnungen auf einen "späten Deal" kurz vor Eröffnung der asiatischen Börsen, schreibt das "WSJ". Barclays galt zuvor neben der Bank of America als einer der potenziellen Käufer für die komplette Investmentbank oder Teile davon.
Knackpunkt sind die vom Ausfall bedrohten Kreditpapiere bei Lehman, die niemand im Alleingang oder ohne milliardenschwere Unterstützung der US-Regierung übernehmen will. Finanzminister Henry Paulson hatte kategorisch klargemacht, dass von Washington diesmal keine finanziellen Hilfen wie im Fall von Bear Stearns und zuletzt bei den Hypothekenfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac zu erwarten seien.
Zeitgleich gab es Spekulationen über Notoperationen beim weltgrößten VersichererAIG und den Notverkauf der größten US-SparkasseWashington Mutual .
In den Verhandlungen über die Zukunft von Lehman unter Führung des New Yorker Fed-Chefs Timothy Geithner zeichnete sich zwar eine Aufspaltung des Krisenopfers ab. Allerdings drohte diese Lösung an der Weigerung der US-Regierung zu scheitern, vor einem Verkauf der Einzelteile erneut Steuermilliarden für die Übernahme von Risiken zu investieren. Im März, als der Broker Bear Sterns vor dem Kollaps stand, hatte die Fed 29 Mrd. Dollar investiert, bevor das Institut an den Wettbewerber JP Morgan verkauft wurde. Weil zudem die beiden Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae durch Verstaatlichung vor der Insolvenz gerettet wurden, wächst die Ablehnung für weitere Hilfen. So sind auch die beiden US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain nach Aussagen ihrer Wahlkampfmanager für eine privatwirtschaftliche Lösung.
Die praktisch rund um die Uhr laufenden Krisengespräche von Top-Managern der Bankenbranche wurden immer mehr zum Wettlauf gegen die Zeit. Aus Angst, ein Kurssturz am Montag könnte der 158 Jahre alten Traditionsbank mit deutschen Wurzeln das Genick brechen, wurde alles darangesetzt, noch am Sonntag eine Einigung zu erzielen.