
FRANKFURT. Der größte deutsche Finanzvertrieb, die DVAG, hat sich gegen eine stärkere Honorarberatung in Deutschland ausgesprochen. Dies sei nicht praktikabel, sagte Gründer Reinfried Pohl, weil die Produkte aktiv verkauft werden müssten. Er beklagte, dass die Tätigkeit seiner rund 37 000 haupt- und nebenberuflichen Vermögensberater immer stärker durch politische Vorgaben beeinträchtigt werde. Dazu zählt er zum Beispiel die neuen Dokumentationspflichten beim Abschluss einer Versicherung sowie den Ausweis der damit verbundenen Abschlusskosten.
Verbraucherschützer nutzen allerdings nun den politischen Rückenwind in Berlin und fordern mehr Beratung gegen Honorar, um die Qualität der Ratschläge zu erhöhen. Dies widerspricht dem DVAG-Entlohnungsprinzip, das auf Provisionen basiert. Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, ist gegen Provisionsanreize im Vertrieb von Finanzprodukten. Bestimmte Empfehlungen seien lukrativ, andere nicht. Finanzvertriebe wie die DVAG belohnten besonders den Verkauf der Produkte, an denen die Berater selbst gut verdienen - nicht jedoch eine kundenorientierte Beratung. "Aus Sicht der Verbraucherzentrale darf sich niemand Berater nennen, solange die konkrete Produktvermittlung sein Honorar und damit sein Interesse bestimmt", fordert Nauhauser.
DVAG-Chef Pohl dagegen fordert weniger Hindernisse im Verkauf. Denn nur Finanzvertriebe wie die DVAG könnten letztlich das politische Ziel, privat stärker vorzusorgen, in die Praxis umsetzen. Pohl fühlt sich da auf einer Wellenlänge mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, die im November den DVAG-Beratern zugerufen hatte: "Ihre Arbeit wird wahrscheinlich noch wichtiger."