
FRANKFURT. Zum einen dürfte die Insolvenz zumindest zu Teilausfällen bei Lehman-Anleihen sowie Derivate-Konstrukten in den Portfolios der Banken hierzulande führen. Zum anderen haben sich die Risikoaufschläge für Kreditprodukte im Zuge der jüngsten Verschärfung der Krise erneut erhöht. Da die Anlagen zum Quartalsende in der Regel zu Marktpreisen bewertet werden müssen, scheinen weitere Wertminderungen unumgänglich. "Das sind potenzielle Verluste", sagte ein hochrangiger Investmentbanker. Ein Analyst fügte hinzu: "Wenn sich die Risikoaufschläge nicht bis Quartalsende deutlich reduzieren, werden wir bei den Banken weltweit erneut kräftige Wertminderungen sehen."
Bei einer Handelsblatt-Umfrage unter 17 inländischen Instituten lehnte die überwiegende Mehrheit der Institute eine detaillierte Stellungnahme zu Engagements im Zusammenhang mit Lehman oder daraus drohenden Verlusten ab. Hierzu zählten unter anderem Deutsche Bank, Commerzbank, Dresdner Bank, Hypo Real Estate, Dekabank und Postbank. Dabei wurde darauf verwiesen, dass zu einzelnen Kundenbeziehungen grundsätzlich keine Angaben gemacht würden. Andernorts teilt man diese Bedenken allerdings nicht. So bezifferten beispielsweise Allianz und Münchener Rück ihre Lehman-Positionen gestern auf 400 beziehungsweise 350 Mill. Euro. Die KfW sprach von einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag in Euro. Die Düsseldorfer Hypothekenbank ist nach eigenen Angaben mit rund 60,7 Mill. Euro betroffen.
Die Münchener HVB verwies auf Aussagen der italienischen Konzernmutter Unicredit, wonach das Engagement der Gruppe bei nahezu Null liege. Auch die genossenschaftlichen Spitzeninstitute DZ und WGZ wollten sich nicht äußern. Der Wiesbadener Immobilienfinanzierer Aareal ist Branchenkreisen zufolge mit weniger als zehn Mill. Euro bei Lehman engagiert. Ein Sprecher wollte dies nicht kommentieren.
Experten erwarten indes auch im Landesbanken-Lager Folgen der Lehman-Pleite. "Das ist ein Thema für die privaten Großbanken, bei den Landesbanken würde ich aber noch größere Risiken vermuten", sagte ein Unternehmensberater. Die BayernLB wollte keine konkreten Zahlen nennen. Aufrechnungsmöglichkeiten und Verlustrisiken seien derzeit "Gegenstand umfangreicher juristischer und wirtschaftlicher Prüfungen", hieß es. Zu Spekulationen, die Landesbank besitze Anleihen von Lehman über rund 350 Mill. Euro, wollte eine Sprecherin keine Stellungnahme abgeben. In Branchenkreisen hieß es, per Saldo drohe für die Lehman-Engagements ein Ausfall "im niedrigen dreistelligen Millionenbereich."