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Foodwatch legt nach: „Deutsche Bank hat den Bundestag belogen“

Die Verbraucherorganisation Foodwatch legt im Streit um Spekulation mit Nahrungsmitteln nach. Die Deutsche Bank und die Allianz hätten intern vor Rohstoff-Spekulationen gewarnt - öffentlich aber etwas anderes erklärt.

Beeinflussen neben Dürren und Überschwemmungen auch Spekulanten die Agrarpreise? Quelle: dpa
Beeinflussen neben Dürren und Überschwemmungen auch Spekulanten die Agrarpreise? Quelle: dpa

BerlinDie Verbraucherorganisation Foodwatch hat die Deutsche Bank und die Allianz im Zusammenhang mit Finanzspekulationen auf Lebensmittelpreise erneut scharf kritisiert. Dokumente zeigten, dass die volkswirtschaftlichen Abteilungen der beiden Finanzriesen in der Vergangenheit eingeräumt hätten, dass solche Geschäfte Einfluss auf die Agrarpreise haben.

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Später hätten aber beide Häuser argumentiert, sie hielten an den umstrittenen Praktiken fest, weil es keine Beweise für negative Auswirkungen gäbe. Das teilte Foodwatch am Sonntag in Berlin mit. Foodwatch und andere Kritiker sind der Ansicht, dass die Spekulationsgeschäfte den Hunger in der Welt verschärfen.

Stellenabbau im Investment-Banking

  • Royal Bank of Canada

    Die Royal Bank of Canada ist eines der wenigen Geldhäuser, welches das Investment-Banking ausbaut. Die Zahl der Mitarbeiter steigt von Ende 2011 bis Jahresende 2012 um 0,7 Prozent.

  • Goldman Sachs

    Die US-Großbank Goldman Sachs reduzierte 2012 die Zahl der Mitarbeiter im Investment-Banking um 2,7 Prozent.

  • JP Morgan

    Die Wall-Street-Bank reduziert ihr Investment-Banking um 3,1 Prozent.

  • Credit Suisse

    Die Schweizer Credit Suisse kappt die Zahl der Mitarbeiter im Investment-Banking um 4,3 Prozent.

  • Morgan Stanley

    Die US-Bank Morgan Stanley streicht die Mitarbeiterzahl um 8,5 Prozent zusammen.

  • Deutsche Bank

    Der deutsche Primus streicht das Investment-Banking radikal zusammen: Die Deutsche Bank kappt die Zahl der Mitarbeiter in diesem Bereich um 13,3 Prozent.

    Quelle: Bloomberg, Ende 2012 im Vergleich zu Ende 2011

In einem Allianz-Papier soll es demnach beispielsweise bereits 2008 geheißen haben: „Die Preisausschläge an den Agrarmärkten wurden durch spekulative Faktoren nicht ausgelöst, aber verstärkt.“ Die Deutsche-Bank-Abteilung DB Research soll in einem Dokument gewarnt haben: „Solche Spekulationen können für Landwirte und Verbraucher gravierende Folgen haben und sind im Prinzip nicht akzeptabel.“ Die Hauptursachen sind demnach aber Entwicklungen wie die steigende Nachfrage und die wachsende Biokraftstoff-Produktion.
Der Chefvolkswirt der Bank habe aber laut Foodwatch im Juni 2012 einem Bundestagsausschuss erläutert, es gebe „kaum stichhaltige empirische Belege für die Behauptung, dass die zunehmende Bedeutung von Agrarfinanzprodukten zu Preissteigerungen oder erhöhter Volatilität geführt hat“. Die Dokumente belegten, dass die Deutsche Bank den Deutschen Bundestag über ihre Erkenntnisse belogen habe, erklärt Foodwatch.

Die großen Akteure im Rohstoffhandel

  • Platz 5

    Das Unternehmen Mercuria Energy Group rangiert auf dem fünften Platz der Rohstoffhändler. 2011 erzielte der Konzern mit Sitz in Genf einen Umsatz von 75 Milliarden Dollar.

  • Platz 4

    Der Konzern Gunvor handelt mit Erdöl und Ölprodukten. Das Unternehmen erwirtschaftete 2011 einen Umsatz von 80 Milliarden Dollar.

  • Platz 3

    Der niederländische Konzern Trafigura rangiert auf Platz drei unter den umsatzstärksten Rohstoffhändlern. Das Unternehmen mit Sitz in Amsterdam hat sich auf den Handel von Ölprodukten sowie Industriemetalle spezialisiert. Die Niederländer setzten 2011 122 Milliarden Dollar um.

  • Platz 2

    Das zweitgrößte Unternehmen im Rohstoffgeschäft ist Glencore. Der einst verruchte Konzern mit Hauptsitz im Schweizer Konzern Zug erwirtschaftete 2011 einen Umsatz von 186 Milliarden Dollar. Das Unternehmen deckt nahezu den gesamten Grundgüterhandel von Industrie- und Edelmetallen über Agrargüter bis hin zu Öl, Gas und Strom ab.

  • Platz 1

    Der größte Rohstoffhändler der Welt mit einem Umsatz von 297 Milliarden Dollar ist Vitol. Der Konzern mit Hauptsitzen in Rotterdam und Genf ist auf den Ölhandel spezialisiert. Zudem ist das Unternehmen im Erdgas-, Emissions-, Energie- und Biotreibstoffhandel aktiv.

    Quelle: Bloomberg, Unternehmensangaben

Foodwatch veröffentlichte zudem ein „ausschließlich zur internen Nutzung, vertraulich“ gekennzeichnetes Allianz-Papier, worin es heißt: Es sei doch „wahrscheinlich“, dass „spekulative Kapitalströme die Preisentwicklung zumindest verstärkt haben“. In einem anderen Papier von 2008 heißt es: „Die Preisausschläge an den Agrarmärkten wurden durch spekulative Faktoren nicht ausgelöst, aber verstärkt.“

„Der eigentliche Skandal ist, dass Deutsche Bank und Allianz ganz genau wissen, welchen Schaden sie mit ihren Finanzprodukten anrichten - aber die Öffentlichkeit täuschen und sogar den Bundestag belügen, um weiterhin ohne Skrupel Geschäfte auf Kosten Hungernder zu machen“, sagte Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode.

  • 25.02.2013, 17:33 UhrOIUI

    Eigentlich geht es hier bei vielen scheinbar am Kern vorbei:
    Klar, kann der Spekulant nicht nur verdienen, wenn die Preise steigen, und klar, haben höhere Preise durchaus auch einen Vorteil für die Bauern.
    Der Spekulant ist aber davon abhängig, dass die Preise instabil sind, denn nur dann kann er Gewinn machen. Und wenn man sich die Volatilität ansieht, kann man eindeutig feststellen, dass diese dramatisch zugenommen hat, eben weil es zuviele Spekulanten für Nahrungsmittel gibt.
    Und gerade eben instabile Preise sind das, was katastrophal für die Bauern ist.

    Und nicht, dass wir uns falsch verstehen: Es braucht Spekulanten im Nahrungsmittelsektor, da es eben immer klimabedingt Veränderungen in der Produktion gibt, die ein Spukulant für einen Hersteller "abfedern" kann. Wenn aber das Volumen der Spekulation zu gross wird, dann ist dieser übermässige Handel nur noch destruktiv für die reale Wirtschaft, da Sie eben eine völlig überbordende Volatilität verursacht. Gerade im Nahrungsmittelsektor gab es da ein paar schöne Preisbeispiele in den letzten Jahren, wo man eindeutig sehen konnte, dass hier die Preise nicht vom Endmarkt bestimmt wurden, sondern nur durch Spekulation rauf und runter getrieben wurden...

  • 25.02.2013, 10:32 UhrPablo

    An alle welche über die "wahren" Gründe für die Preissteigerungen spekulieren und wer objektiv urteilen kann. Was ist mit der Studie aus dem EIGENEN Haus, welche besagt man dürfe sich eigentlich nicht an solchen Spekulationen beteiligen, welche einfach verleugnet wird und trotzdem weiter gemacht wird?

  • 25.02.2013, 08:42 Uhrpecunaximus

    "Eine Rendite ist nur dann möglich, wenn der gestiegene Preis höher liegt als der Einkaufspreis."

    Sie haben den Terminhandel anscheinend genauso wenig begriffen wie Thilo Bode. Ein Spekulant kann auch an sinkenden Preisen verdienen. Google-Tipp: "short-selling".

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