
MAILAND. Aktuell geht es um Bargeld-Auszahlungen in Millionenhöhe und um fragliche Schecks. Zudem geht es um Geistliche, die als Strohmänner gedient haben könnten und um insgesamt weitere 140 Mio. Euro. Bei den Transaktionen ist unklar, für was und wen das Geld verwendet wurde.
Erst im September war das Ior mit zwei verdächtigen Überweisungen über 23 Mio. Euro ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Die überweisende Bank hatte die Transaktion der Aufsicht gemeldet, weil nicht klar war, wie das IOR rechtlich einzuordnen ist. Die Führung gelobte daraufhin Transparenz und stellte klar, dass es sich bei den umstrittenen Überweisungen um reguläre Geldanlage gehandelt habe. Es sah so aus, als habe sich der Sturm gelegt. Doch nun stehen neue Vorwürfe im Raum.
Bei den derzeitigen Untersuchungen geht es um Schecks in Höhe von 300 000 Euro, die vom IOR auf ein Unicredit-Konto eingelöst wurden und um eine Bargeld-Abhebung von 600 000 Euro von einem Konto der Bank Intesa Sanpaolo.
Intesa Sanpaolo hatte den Alarm ausgelöst, als die Bank - wie vom Geldwäschegesetz vorgeschrieben - Erklärungen forderte, die die Geldbewegung begründen sollten. Es diene den Aktivitäten der Missionen, hieß es daraufhin. Doch das reichte der Bank nicht, sie schaltete die Bankenaufsicht ein. Es stellte sich heraus, dass von dem Konto allein im Jahr 2009 insgesamt 140 Mio. Euro in bar abgehoben wurden.
Die Staatsanwälte kontrollieren auch einige Geldbewegungen von Don Evaldo Biasini, ein Geistlicher, der im Rahmen des Korruptionsskandals nach dem Erdbeben in L'Aquila den Spitznamen "Don Bancomat" (Don Geldautomat) trägt. Ein anderer Geistlicher wird im Zusammenhang mit 300 000 Euro genannt, die über das Steuerparadies San Marino geflossen sein sollen.
Das IOR in seinem Festungsturm gleich neben dem Sankt-Anna-Tor des Vatikans veröffentlicht keine Bilanzen, agiert außerhalb jeglicher Kontrolle. Den Wirtschafts-Professor Donato Masciandaro von der Bocconi-Universität wundert der neue Skandal daher nicht. Da das IOR offiziell keine Bank sei, ziehe es die Aufmerksamkeit der Aufsicht auf sich. "Bei einer solchen Rechtsunsicherheit kann das immer wieder vorkommen", sagt er und rät: "Das IOR sollte sich als Bank definieren und kontrollieren lassen."