
DÜSSELDORF. Müssen die Banken diese Pläne umsetzen, zwingt sie das dazu, ihr Kapital zu stärken. "Einige Großbanken in Deutschland sind unterkapitalisiert", sagte ein Analyst dazu.
Das Kernkapital (Tier1) soll zukünftig überwiegend aus dem Grundkapital sowie den Gewinnrücklagen bestehen. Vorzugsaktien, stille Einlagen und Nachranganleihen sollen nicht mehr als hartes Kernkapital (Core Tier1) zählen. Bislang gelten solche hybride Instrumente, die voll an Verlusten beteiligt werden und auf die Zinszahlungen ausgesetzt werden können, als sehr hochwertiges Eigenkapital. In Finanzkreisen heißt es, je nach Geschäftsmodell sollten die deutschen Großbanken zukünftig eine harte Kernkapitalquote von mindestens sieben Prozent ausweisen.
Im Moment schafft das nur die Deutsche Bank. Sie rechnet zwar zum 30. Juni knapp 30 Prozent an hybriden Bestandteilen in ihr Kernkapital von 32,5 Mrd. Euro ein. Die Kernkapitalquote in der engen Definition liegt aber bei 7,8 Prozent, inklusive Hybridanleihen bei elf Prozent. Auch bei der Postbank entfallen knapp 30 Prozent der Kernkapitalquote von acht Prozent auf hybride Instrumente. Über eine harte Kernkapitalquote von sieben Prozent verfügt die Bank somit nicht. Die Commerzbank erreicht ihre Kernkapitalquote von 11,3 Prozent nur mit staatlichen Hilfen. Diese darf das zweitgrößte deutsche Institut jedoch voraussichtlich weiterhin zum harten Kernkapital zählen.
Die Kreditvergabe soll zudem durch einen maximalen Hebel (Leverage Ratio) - ausgedrückt durch das Verhältnis von Bilanzsumme zu Eigenkapital - gedeckelt werden. "Die Leverage Ratio ist für uns bisher keine maßgebliche Größe", sagte ein Sprecher der Deutschen Bank. Denn die Kapitalanforderungen richten sich in Europa nach der Risikoaktiva. Je weniger riskant die vergebenen Kredite oder die gehaltenen Anleihen sind, desto weniger Eigenkapital müssen die Banken vorhalten. Vermögenswerte hoher Bonität können Banken daher in großem Umfang halten. Das würde ein auf die Bilanzsumme bezogener maximaler Kredithebel verhindern. Mit 49 weist die Deutsche Bank die höchste Leverage Ratio unter den deutschen Banken aus. Kritiker merken an, dass diese Kennzahl unterschiedliche internationale Bilanzierungsmethoden nicht berücksichtigt. Denn nach der US-Rechnungslegung fällt die Bilanzsumme der Deutschen Bank nur halb so hoch aus wie nach der in Europa üblichen IFRS-Bilanzierung, weil Derivate-Positionen saldiert werden. Die nach den US-Regeln berechnete Leverage Ratio ist mit 24 daher deutlich geringer als nach IFRS. Die Herausforderung einer internationalen Obergrenze ist somit ein einheitlicher Standard.
Die deutschen Banken werden dennoch nicht darum herum kommen, ihre Bilanzsummen zu reduzieren, Kapitalerhöhungen durchzuführen und hybride Anleihen zurückzukaufen. Experten sind sich einig, dass die strengeren Regeln erst nach der Krise eingeführt werden sollten. Wenn die Banken wieder profitabel sind, ist das Einbehalten von Gewinnen sicher die beste Variante, um die Kapitalbasis zu stärken.