
LONDON. Die von den Verwerfungen an den Kapitalmärkten schwer getroffene Großbank Lloyds versucht die Finanzkrise endgültig hinter sich zu lassen. Das Institut legte am Dienstag den Preis für seine rekordträchtige Kapitalerhöhung über 13,5 Mrd. Pfund fest. Die 36,5 Mrd. neuen Aktien kommen zu einem Preis von 37 Pence auf den Markt. Damit fällt der Abschlag auf den aktuellen Kurs etwas geringer aus als erwartet.
Der Preis entspricht einem Abschlag von knapp 60 Prozent auf die Schlussnotiz vom Montag. Analysten hatten jedoch damit gerechnet, dass Lloyds die Aktien sogar zu 35 Pence anbieten muss, um genügend Anleger zu locken. Die Börsianer zeigten sich erleichtert über den Fortschritt bei der gigantischen Kapitalmaßnahme, die Lloyds-Aktie legte gegen den Trend um zwei Prozent zu.
Die Bank war im vergangenen Jahr nach der von der Labour-Regierung eingefädelten Übernahme der schwer angeschlagenen britischen Hypothekenbank HBOS in akute Finanznot geraten und musste gemeinsam mit dem ebenfalls ins Wanken geratenen Konkurrenten Royal Bank of Scotland (RBS) vom Staat mit einer Kapitalspritze von insgesamt 37 Mrd. Pfund gerettet werden.
Am Dienstag räumte die britische Notenbank ein, dass die Lage der beiden Kreditinstitute noch deutlich kritischer war als bislang öffentlich bekannt. Zum Höhepunkt der Krise benötigten HBOS und RBS 61 Mrd. Pfund an zusätzlichen Liquiditätshilfen. Diese Zahl spricht dafür, dass sowohl RBS als auch HBOS ohne Rückendeckung der Bank of England (BoE) die Insolvenz gedroht hätte. Paul Tucker, der stellvertretende Gouverneur der BoE, hat die Stützungsaktion erst jetzt bei einer Parlamentsanhörung publik gemacht. Im Herbst 2008 hätte die Information die Stabilität des gesamten Finanzsystems gefährdet, begründete Tucker die Geheimhaltung.
Durch die spektakuläre Rettungsaktion im vergangenen Jahr übernahm der britische Staat 43 Prozent an Lloyds und 72 Prozent an der RBS. Beide Banken müssen wegen der staatlichen Hilfe auf Druck der EU einen Teil ihres Geschäfts verkaufen.
Mit der gigantischen Kapitalerhöhung versucht Lloyds zu verhindern, dass der britische Staat die Mehrheit an dem Institut übernimmt. Insgesamt will die Bank 22,5 Mrd.Pfund einsammeln. Neben der 13,5 Mrd. Pfund schweren Kapitalerhöhung werden neun Mrd. Pfund an nachrangigen Bonds in eine neue Form von Pflichtwandelanleihen umgetauscht. Das zusätzliche Kapital soll sicherstellen, dass das Institut künftige Verluste aus faulen Krediten und toxischen Wertpapieren selbst tagen kann. Damit verhindert Lloyds-Chef Eric Daniels, dass die Bank unter den teuren Rettungsschirm des Staates schlüpfen muss. Der RBS wird dies nicht gelingen. Die Schotten werden als einzige britische Großbank das staatliche Ausfallversicherungsprogramm in Anspruch nehmen. Dabei wird die Regierung zusätzlich RBS-Aktien im Wert von 25,5 Mrd. Pfund übernehmen und notfalls weitere acht Mrd. Pfund an Eigenkapital bereitstellen. Da sich der Staat auch an der Kapitalerhöhung von Lloyds mit 5,9 Mrd. Pfund beteiligt, beläuft sich der Gesamteinsatz der Steuerzahler auf mehr als 30 Mrd. Pfund. Dafür hätten die Briten die Olympischen Spiele 2012 gleich vier Mal ausrichten können.