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Griechenland: Hohe Kreditausfälle belasten die Banken

Immer mehr Griechen haben Schwierigkeiten, ihre Darlehen zu bedienen. In vielen privaten Haushalten wird das Geld knapp. Dadurch steigt der Anteil der faulen Kredite von Monat zu Monat. Dies belastet die griechischen Banken - sie müssen Abschreibungen in Milliardenhöhe vornehmen.

Auszahlung unmöglich: Griechenlands Banken müssen etliche Kredite abschreiben. Quelle: dpa
Auszahlung unmöglich: Griechenlands Banken müssen etliche Kredite abschreiben. Quelle: dpa

ATHEN. Ende Juni waren bereits neun Prozent aller ausstehenden Kredite notleidend. Das entspricht einer Summe von 23,7 Mrd. Euro oder rund zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) des Landes. Bisher haben die griechischen Banken erst 43,4 Prozent der faulen Kredite abgeschrieben. Das geht aus dem Halbjahresbericht der griechischen Zentralbank hervor, der diese Woche veröffentlich worden ist. Zum Vergleich: Ende 2009 lag die Quote noch bei 7,7 Prozent. Seit 2007 hat sich der Anteil der faulen Kredite von damals 4,5 Prozent sogar verdoppelt. Bis zum Jahresende, so Branchenschätzungen, könnte die Quote auf elf Prozent steigen.

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Besonders dramatisch sind die Ausfälle bei den Verbraucherkrediten: Im Branchendurchschnitt wird rund jedes fünfte Darlehen nicht mehr bedient. Einige kleinere Banken, die bei der Vergabe von Anschaffungskrediten offensichtlich sehr großzügig waren, um Marktanteile zu gewinnen, stehen jetzt vor einem Desaster: Manche müssen mehr als ein Drittel dieser ausgereichten Darlehen abschreiben. Die Wurzeln des Problems liegen in den Jahren 2004 bis 2007, als die griechischen Banken ihren Kunden sehr aggressiv Verbraucherkredite andienten. Die Institute verteilten auch immer mehr Kreditkarten mit großzügigen Verfügungsrahmen, ohne die Bonität der Schuldner zu prüfen. Eine Organisation zum Schutz vor Kreditausfällen und Überschuldung, wie die deutsche Schufa, gibt es in Griechenland nicht. Viele Bankkunden bekamen in jenen Jahren bereits freigeschaltete Kreditkarten mit der Post ins Haus geschickt, ohne das Plastikgeld je beantragt zu haben. Die Außenstände der in Griechenland ausgegebenen Kreditkarten belaufen sich aktuell auf rund neun Mrd. Euro. Davon werden die Banken nach Schätzung von Analysten mindestens zwei Milliarden abschreiben müssen. Bei den Unternehmenskrediten sieht es dagegen etwas besser aus. Hier liegt die Ausfallquote bei 7,6 Prozent.

Die steigenden Abschreibungen belasten die Bilanzen. Im ersten Halbjahr verzeichnete der griechische Bankensektor unter dem Strich Verluste von 492 Mio. Euro. In den ersten sechs Monaten 2009 wiesen die Bilanzen noch Gewinne in Höhe von 1,2 Mrd. aus. Die vier größten griechischen Geldhäuser - National Bank of Greece, Eurobank, Alpha Bank und Piraeus Bank - blieben zwar in den schwarzen Zahlen, mussten aber Gewinnrückgänge von 70 bis 90 Prozent hinnehmen. Im zweiten Halbjahr dürften weitere Abschreibungen fällig werden.

Die Lage wäre noch weitaus schlimmer, wären die Banken nicht bereits seit dem vergangenen Jahr, als sich die griechische Schuldenkrise abzeichnete, vielen Kunden mit einer Verlängerung der Tilgungspläne oder der Aussetzung von Tilgungen entgegengekommen.

Die Kreditbücher dürften bei den für Ende November erwarteten Stresstests der griechischen Banken besonders sorgfältig durchleuchtet werden. Die Überprüfung nimmt die griechische Zentralbank in Zusammenarbeit mit dem IWF und der EU vor. Die vierteljährlichen Stresstest gehören zu den Vorgaben des 110 Mrd. Euro schweren Hilfspakets für Griechenland. Die mehrfachen Herabstufungen der Kreditwürdigkeit Griechenlands schränken die Refinanzierungsmöglichkeiten der Banken ein. Da sind die steigenden Kreditausfälle eine zusätzliche Bürde für die Geldhäuser.

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